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PSLV CA No. 18Am 12. Oktober wurde vom Sathish Dhawan-Raumfahrtzentrum auf der Insel Sriharikota ein Indisch-Französisches Gemeinschaftsprojekt zur Erforschung des Tropenklimas auf den Weg gebracht. Seine Aufgabe für mindestens die nächsten drei Jahre: Beobachtung und Erforschung tropischer Zyklone, des Monsuns und der äquatorialen Sturmsysteme. Zum Zeitpunkt des Starts war es 11:01 Uhr Ortszeit am indischen Startgelände entsprechend 7:31 Uhr  in Mitteleuropa.

Die 1.000 Kilogramm schwere Hauptnutzlast mit der Bezeichnung "Megha-Tropiques" wurde mit einer vierstufigen PSLV-Trägerrakete in den Orbit gebracht. 22 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe wurde das Raumfahrzeug ausgesetzt. Gleich danach wurden drei Sekundärnutzlasten freigegeben, die Kleinsatelliten SRMSAT, Jugnu und VesselSat-1.

Der 29 Kilogramm schwere VesselSat-1 ist ein Datenrelay-Satellit für Schiffe auf hoher See,  SRMSAT ist ein experimenteller Umweltforschungs-Satellit, wiegt 11 Kilogramm und soll die Treibhausgase in der Erdatmosphäre beobachten. Und Jugnu ist ein nur gut drei Kilogramm schwerer so genannter "Cube-Sat" des Indischen Technologie-Institutes in Kanpur.

Die Mission war der 20. Flug einer PSLV, die im Jahre 1993 in Dienst gestellt wurde und eine Zuverlässigkeitsrate hat, die gut im internationalen Standard liegt. Der Erstflug im September 1993 scheiterte, und beim vierten Flug im Jahre 1996 konnte zwar eine Umlaufbahn erreicht werden, die aber nicht den Planwerten entsprach. Die weiteren 18 Starts dieses Trägers verliefen erfolgreich.

Beim aktuellen Start wurde die so genannte "core-alone" Konfiguration eingesetzt. In dieser Variante gibt es keine Feststoffbooster für die Startunterstützung. Diese Variante erlebte ihren sechsten Flug.

Megha-Tropiques ("Megha" bedeutet auf Sanskrit "Wolke") ist mit vier Instrumenten ausgerüstet, mit denen die Atmosphäre über den Tropen, die Temperatur- und Wasserdampfverteilung und das Strahlungsbudget der Erde gemessen werden sollen. Es ist erst der zweite Satellit überhaupt, dessen Hauptforschungsgebiet die Äquatorgebiete der Erde sind.  

Sowohl die Trägerrakete als auch der Satellit wurden in Indien gebaut. Indien stellte auch zwei der Instrumente des Raumfahrzeugs zur Verfügung. Die anderen beiden (der Wasserdampfsensor und der Strahlungsmesser) kamen aus Frankreich. Diese beiden Instrumente kosteten allerdings alleine schon 40 Millionen Euro. 

Indien wird zukünftig den Satelliten zu 60 Prozent nutzen, 40 Prozent Nutzungszeit gehen an Frankreich.

Megha-Tropiques gehört zum so genannten "Global Precipitation Measurement program", einem internationalen Netzwerk von Satelliten, das von der NASA und der NASDA (der japanischen Raumfahrtagentur) geführt werden und weltweit Wetterphänomene beobachten.

Der Satellit kreist nun in einer Bahnhöhe von 870 Kilometern zwischen 20 Grad nördlicher und 20 Grad südlicher Breite. Die meisten tropischen Zyklone bewegen sich in diesen Breiten. Dort befindet sich auch die so genannte "Intertropische Konvergenzzone", wo die Passatwinde der nördlichen und südlichen Breiten kollidieren und zu den tropischen Regenfällen führen.  Die gewählte Flugbahn erlaubt bis zu sechs Überflüge über bestimmten Regionen pro Tag und ist damit ideal für die Forschungsaufgaben des Satelliten geeignet.

Nach dem Erreichen des Orbits  beginnt nun eine etwa drei Monate dauernde Indienststellungsphase für das Raumfahrzeug, gefolgt von einer etwa sechsmonatigen Kalibrierungsphase für die Instrumente (in der allerdings auch schon wissenschaftliche Daten gesammelt werden). Etwa neun Monate nach dem Start dürfte Megha-Trophique uneingeschränkt für seine Aufgaben zur Verfügung stehen.