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SES 3 wird für den Start vorbereitet CR ILSEine Spezialität, die lange Zeit Arianespace ausschließlich für die Ariane 5 reklamierte, wird nun immer häufiger auch von der Proton M vollbracht: Der Doppelstart von Kommunikationssatelliten. So erneut geschehen am 16. Juli, als der russische Träger gleich zwei Raumfahrzeuge in den Orbit brachte, und dies auch noch auf unterschiedliche Bahnen: KazSat 2 für die Republik Kasachstan und SES 3 für den privaten Kunden SES World Skies.

Die Besonderheit hier: Die Proton M brachte einen der beiden Satelliten in eine geostationäre Übergangsbahn und setzte danach den anderen direkt im geostationären Orbit ab. Diese Leistung kann die Ariane 5 nicht vor dem Jahr 2017 vollbringen, wenn das neue Vinci-Oberstufentriebwerk einsatzreif ist.

Der Flug war erst die zweite Mission einer Proton-M im Jahr 2011, was ungewöhnlich für diesen Trägertyp ist, der sonst im Schnitt einmal monatlich eingesetzt wird.

Der Start von Baikonur aus erfolgte um 01:16 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Die drei ersten Stufen der Proton-M brachten die aus der Breeze-M Oberstufe und der Nutzlast bestehenden Orbitaleinheit zunächst auf eine suborbitale Übergangsbahn, die durch eine erste Zündung der Breeze-M in einen Parkorbit mit einem Perigäum von 160 Kilometern und einem Apogäum von rund 270 Kilometern über der Erde umgewandelt wurde.

In der Folge sorgten fünf weitere Brennphasen des Orbitmoduls für zusätzlichen Vortrieb und weitere Bahnanhebungen. Nach Abschluss der fünften Brennphase der Oberstufe wurde SES 3 acht Stunden und eine Minute nach dem Start in einem Geotransferorbit mit einem Perigäum von rund 3.700 Kilometern und einem Apogäum von rund 35.800 Kilometern über der Erde ausgesetzt. SES 3 wird die Bahnanpassung für den Geostationären Orbit in den kommenden Tagen mit seinem Haupttriebwerk selbst bewerkstelligen.

Nach der sechsten Brennphase der Oberstufe konnte auch KazSat 2 neun Stunden und 24 Minuten nach dem Start von der Transferstufe abgetrennt werden. Er gelangte auf eine Bahn mit einem Perigäum von rund 35.200 Kilometern und einem Apogäum von 35.800 Kilometern über der Erde, also einem nahezu geostationären Orbit.

SES 3 brachte 3.150 Kilogramm Startgewicht auf die Waage. Mit elektrischer Energie versorgt wird SES 3 über zwei Solarzellenausleger, die zusammen rund fünf Kilowatt elektrische Leistung erzeugen. Die Kommunikationsnutzlast besteht aus 24 K-Band- und 24 C-Band-Transpondern. Über sie will SES World Skies Nutzer in den USA mit verschiedenen Video-, Sprach- und Datendiensten versorgen.

SES 3 wurde von der Orbital Sciences Corporation (OSC) auf der Basis des STAR 2.4E-Bus konstruiert. Er ist der dritte Satellit einer neuen Serie von Raumfahrzeugen, den der Hersteller aus Dulles im US-amerikanischen Bundesstaat Virginia für SES baute, der 29. Satellit der Flotte von SES World Skies insgesamt, und der 40. Satellit für den Mutterkonzern SES.

Der 1.270 Kilogramm schwere KazSat 2 basiert auf der russischen Jachta-Plattform. Es ist der zweite vom russischen Raumfahrtkonzern Chruntischew für den kasachischen Betreiber gebaute Kommunikationssatellit. Bei seiner Fertigung wurden im Gegensatz zu der seines Vorgängers KazSat 1 (der schon nach zwei Jahren seinen Dienst einstellte) diesmal in größerem Maße Komponenten und Geräte aus Westeuropa verwendet. Sensoren zur Positionsbestimmung und Anlagen zur Ermittlung der Bewegungen des Satelliten wurden von EADS Astrium bzw. von Tochterunternehmen des Konzerns beigesteuert. Die Kommunikationsnutzlast lieferte Thales Alenia Space in Cannes. Sie besteht aus 20 C-Band-Transpondern, von denen 16 gleichzeitig betrieben werden sollen, und vier als Reserve dienen.

Die Solargeneratoren von KazSat 2 erzeugen 1,8 Kilowatt Strom. Um seine Kunden in Kasachstan und Zentralasien mit Telekommunikationsdiensten zu versorgen, wird er auf 86,5 Grad westlicher Länge im Geostationären Orbit stationiert werden.