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AtlantisDie unwiderruflich letzte Shuttle-Crew machte sich am 8. Juli, um 17:26 Uhr mitteleuropäischer Zeit, auf die Reise in den Orbit. Ein sowohl bitterer wie auch triumphaler Moment für die NASA, wie die US-Medien meinen.

Bei diesem letzten Start gab es noch einmal spannungsgeladene Momente im Ablauf des Countdown. Zum Einen war bis kurz vor dem Liftoff nicht klar, ob das Wetter mitmachen würde. Die Prognosen standen 70 Prozent gegen einen Start an diesem Tag. Doch dann war das Schicksal gnädig, das Wetter hielt und der Countdown näherte sich der Schlusssekunde.

Doch dann stoppte 31 Sekunden vor dem geplanten Abhebezeitpunkt plötzlich der Startablauf. Einer der Zugangsarme der Startanlage, und zwar der mit dem so genannten "Beany Cap“  (offiziell ist das der "Gaseous Oxygen Vent Arm")  hatte sich nicht vollständig zurückgezogen. Bei dem nur wenigen Minuten engen Startfenster einer ISS-Versorgungsmissionen rechneten schon die meisten Beobachter damit, dass dies eine Start-verschiebung zur Folge haben würde. Doch dann konnte das Problem gerade noch innerhalb der engen Limits des Startfensters beseitigt werden und die Schlusszählung ging weiter.

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Die letzten Worte von Startdirektor Mike Leinbach an die Crew, Sekunden vor dem Abheben, lauteten wie folgt:

"OK, Fergie, … on behalf of the greatest team in the world, good luck to you and your crew on the final flight of this true American icon, and so for the final time, Fergie, Doug, Sandy and Rex, good luck, Godspeed and have a little fun up there."  (o.k. Fergie..,im Namen des besten Teams der Welt: viel Glück für Dich und Deine Crew bei diesem letzten Flug einer wahren amerikanischen Ikone und zum allerletzten Mal, Fergie, Doug, Sandy und Rex: viel Glück, Godspeed, und habt Spaß da droben”).

Chris Ferguson antwortete aus dem Cockpit:

"Hey, thanks to you and your team, Mike and until the very end, you all made it look easy. The shuttle's always going to be a reflection of what a great nation can do when it dares to be bold and commits to follow through. We're not ending the journey today, Mike, we're completing a chapter of a journey that will never end. You and the thousands of men and women who gave their hearts, souls and their lives to the cause of exploration ... let's light this fire one more time, Mike, and witness this nation at its best." (Dank an Dich und Dein Team, Mike. Du hast alles bis zum Schluss ganz einfach aussehen lassen. Der Shuttle ist ein Symbol dafür was eine große Nation erreichen kann wenn sie nur mutig voranschreitet. Die Reise geht heute nicht zu Ende, Mike, wir schließen nur ein Kapitel einer Reise ab, die nie enden wird. Du und die tausende von Männern und Frauen die ihre Herzen und Seelen dem Forschen widmen...lass uns das Feuer noch einmal entzünden, Mike, und zeige das Beste dieser Nation).

Und so startete Atlantis ein letztes Mal, zwei Minuten und 18 Sekunden nach dem vorgesehenen Startzeitpunkt und nur noch 58 Sekunden vor dem Ende des Startfensters.

Zahllose Berichte hat es in den USA in vergangenen Wochen über den letzten Shuttle-Start gegeben, alle gehalten in einer eigenartigen Mischung aus Stolz und Trauer über den bevorstehenden Verlust. Selbst Publikationen, die sich jahrzehntelang lustvoll im "NASA-Bashing" gefielen, füllten ihre Artikel mit Abschiedsschmerz. Mit dem Weggang des Shuttle hat Amerika definitiv erneut ein Symbol einstiger Größe verloren.

Zwei Dinge sind vielleicht noch interessant, die eher in den Bereich der „Trivia“ einzuordnen sind: Bei diesem letzten Start war ein Booster-Element dabei, das schon bei der Mission von STS-1 vor mehr als 30 Jahren geflogen war. Und mit dem Stop des Countdown 31 Sekunden vor dem Abheben wiederholt sich ebenfalls ein Ereignis des allerersten Fluges. Was insofern nicht völlig ungewöhnlich ist, weil das im Laufe des Shuttle-Programm mehrmals vorkam. 31 Sekunden vor dem Abheben ist der letzte mögliche Halt im Countdown definiert, der es nicht notwendig macht, den Start mindestens einen vollen Tag zu verschieben.

Achteinhalb Minuten nach dem Verlassen der Startrampe meldete sich der Kommentator von Mission Conrol, Rob Navias, mit den Worten: "Booster officier confirms main engine cutoff. For the last time, the space shuttle's main engines have fallen silent, as the shuttle slips into the final chapter of a storied 30-year adventure."  (Der Booster-Kontroller bestätigt den Brennschluss der Haupttriebwerke. Zum letzten Mal sind die Motoren des Shuttle verstummt, und die Raumfähre gleitet hinüber in das letzte Kapitel seiner 30-jährigen Geschichte.

Auch den Einsatz einer nur vierköpfigen Crew hat es seit dem April 1983 Jahren bis jetzt nicht mehr gegeben. Damals flog STS 6 mit Paul Weitz als Kommandant (einem Veteranen der Skylab-Flüge) Karol Bobko, Donald Peterson und Story Musgrave (der später noch sechsmal mit dem Shuttle in den Weltraum flog). Insgesamt gab es im Shuttle-Programm nur drei Flüge mit nur vier Personen an Bord.

Mike Leinbach beschrieb später die Stimmung im Startkontrollraum, als nach der Übergabe des Shuttles nach Houston und dem Erreichen des Orbits alle langsam aufstanden, im Kontrollraum herumgingen und sich gegenseitig die Hände zum Abschied schüttelten. Er beschrieb es wie das Ende einer großen und schönen Party, wenn man eigentlich noch gar nicht gehen möchte, und noch ein wenig herumhängt, bevor man sich dann doch losreißen muss. Die meisten der Startkontroller bekommen jetzt in den folgenden Tagen ihre Entlassungspapiere.

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