Delta-2-StartNicht nur auf dem Gebiet der bemannten Raumfahrt geht für die NASA langsam eine Ära zu Ende, ähnliches gilt auch für den unbemannten Transport in den Orbit. Nach mehr als 20 Einsatzjahren trennt sich die US-Raumfahrbehörde von ihrer bewährten Delta 2. Einer der letzten Einsätze dieses Trägers erfolgte am 10. Juni um 16:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit (7:20 Uhr US-Westküstenzeit).

Die Mission begann am Startkomplex 2 der Luftwaffenbasis Vandenberg und verlief gewohnt zuverlässig. Gut 56 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe lieferte die zweite Stufe der Delta den 1.350 Kilogramm schweren argentinischen Satelliten SAC-D auf einer polaren (Inklination 98 Grad), sonnensynchronen Umlaufbahn in 660 Kilometer über der Erde ab.

Die Delta 2 wurde in der Version 7320-10 gestartet. Das bedeutet, dass die Erststufe aus einer Extra-Extended Long Tank Thor mit einem RS-27A Haupttriebwerk bestand, beim Start von drei GEM-40 Boostern unterstützt wurde, in einer zweistufigen Version flog und über eine neun Meter lange, drei Meter durchmessende Komposit-Nutzlastverkleidung verfügte. In dieser Variante wurde der Träger in den letzten beiden Jahrzehnten 30 Mal eingesetzt.

Die Delta 2 schlug nach dem Verlassen der Startanlage eine fast genau südliche Flugbahn ein, die sie westlich der Baja de California über dem Meer entlangführt. In dieser Gegend befinden sich Offshore-Ölplattformen und so musste die Rakete ihre ausgebrannten Booster (sie hatten ihren Treibstoff 60 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe verbraucht) eine Weile als totes Gewicht mitführen. Erst 99 Sekunden nach dem Verlassen der Rampe könnten sie abgetrennt werden.

Vier Minuten und 50 Sekunden nach dem Abheben, bereits in der Flugphase der zweiten Stufe, trennte sich die Nutzlastverkleidung in einer Höhe von 130 Kilometern. Damit war SAC-D erstmals der Umgebung des Weltraums ausgesetzt. Beim Abwurf der Nutzlastverkleidung wurde der Satellit aktiviert, blieb aber bis zur Abtrennung von der zweiten Stufe im Standby-Modus. Elf Minuten und 30 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe war ein erster Übergangsorbit erreicht, mit einem niedrigsten Bahnpunkt (Perigäum) von 157 Kilometern und einem höchsten (Apogäum) von 670 Kilometern. Danach folgte eine Driftphase von 42 Minuten und 40 Sekunden Dauer, in der sich die Kombination auf den Scheitelpunkt seiner  Bahn zubewegte. In dieser Phase führt die Stufe mit dem Satelliten einen so genannten „Barbeque-Roll“ durch, bei dem sie sich mit einer Geschwindigkeit von 1,5 Grad pro Sekunde um die Längsachse dreht, um alle Teile des Raumfahrzeugs gleichmäßig der Sonne auszusetzen.

54 Minuten und 10 Sekunden nach dem Verlassen der Rampe war das Apogäum der Bahnellipse erreicht und die zweite Stufe zündete erneut für ein kurzes, nur 13 Sekunden dauerndes Brennmanöver. Damit war die Zirkularisation der Bahn erfolgt. 56 Minuten und 12 Sekunden nach dem Abheben wurde die Trennung des Satelliten von der Stufe eingeleitet. Als erstes wurden die Spannbänder pyrotechnisch durchschnitten und danach die Verriegelung gelöst. 56 Minuten und 42 Sekunden nach dem Abheben war das Raumfahrzeug frei, und die zweite Stufe begann mit einem Absetzmanöver, um eine mögliche Kollision zu verhindern.

Der Satellit trägt die spanische Bezeichnung „Satellite de Aplicaciones Cientificas-D“ oder abgekürzt SAC-D. Er wurde unter Leitung der argentinischen Raumfahrtagentur CONAE (Comisión Nacional de Actividades Espaciales) gebaut. Das Raumfahrzeug ist in gestautem Zustand, wie er sich unter der Nutzlastverkleidung der Rakete befand, 2,5 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 2,7 Metern.

Sowohl die Nutzlast als auch die Organisation der gesamten Mission sind ungewöhnlich international. Hier wurde ein argentinischer Umweltforschungssatellit mit einem internationalen Experimentenpaket ausgestattet (Neben dem amerikanischen Experiment „Aquarius“ befinden sich noch Instrumente aus Argentinien, Kanada, Frankreich und Italien an Bord des Satelliten). Das Ganze wurde in Brasilien getestet, von einer US-Rakete in Kalifornien gestartet, und wird nun von Buenos Aires aus kontrolliert.

Das mit weitem Abstand aufwendigste Instrument an Bord ist ein Sensorpaket der NASA mit der Bezeichnung „Aquarius“, mit dem eine genaue Bestimmung des Salzgehaltes der Ozeane möglich ist. Aus diesen Daten können Veränderungen der Meeresströmungen ermittelt werden, und daraus wiederum Hinweise auf klimatische Veränderungen auf der Erde abgeleitet werden. Allein dieses Gerät wiegt über 320 Kilogramm, hat nach der vollständigen Entfaltung im Orbit eine Fläche von etwa 12 Quadratmetern und benötigt eine elektrische Leistung von 300 Watt. Die elektrische Gesamtleistung des Satelliten beträgt übrigens 1.362 Watt.

Das Raumfahrzeug geht jetzt in seine „Commissioning-Phase“, das heißt, es wird entsprechend einem genau ausgearbeiteten Programm nach und nach in Betrieb genommen, und getestet. Dieser Prozess kann bis zu drei Monate dauern.

Neben der „Aquarius“-Nutzlast bezahlte die NASA auch den Start des Raumfahrzeugs. Dadurch kam der US-Anteil der Mission auf 287 Millionen Dollar.

Die Kosten für die Delta 2 dürften dabei alleine mit 90 Millionen Dollar zu Buche geschlagen haben. Der Träger ist zwar für seine Größe sehr teuer (was mit ein Grund ist, warum er nun aus dem Dienst genommen wird), andererseits aber auch extrem zuverlässig. Bei seinen insgesamt 48 Missionen für die NASA seit Einführung dieses Typs hat er nie versagt. Insgesamt war es die 94. erfolgreiche Delta 2 Mission in ununterbrochener Folge. Und von  149 Delta 2-Missionen waren nur zwei nicht erfolgreich. Derzeit sind nur noch zwei Delta 2-Missionen geplant (die nächste im September), obwohl es noch Komponenten für fünf weitere Träger dieses Typs gibt, die bereits produziert worden sind.

Start Delta 2