HTV 2 nähert sich der Raumstation CR NASAAm 22. Januar startete die japanische Raumfahrtagentur JAXA ein unbemanntes Transportraumschiff zur Internationalen Raumstation. Das knapp 16 Tonnen schwere, so genannte "H 2 Transfer Vehicle", kurz HTV, bringt wissenschaftliche Geräte, Ersatzteile und Versorgungsgüter zur ISS und ihrer sechsköpfigen Crew.

Der Liftoff der H-2B-Trägerrakete mit dem Frachter an der Spitze erfolgte um 6:38 Uhr mitteleuropäischer Zeit von der Rampe 2 des Raumfahrtzentrums Tanegashima. 

Die 55 Meter hohe Trägerrakete stieg in den klaren, nur leicht bewölkten Himmel und durchbrach nach etwa einer Minute die Schallmauer. Die vier Feststoffbooster des Trägers wurden gut zwei Minuten nach Beginn der Mission abgetrennt, weitere vier Minuten später war auch die erste Stufe ausgebrannt und wurde abgeworfen.

Den weiteren Transport in die Erdumlaufbahn über die zweite Stufe, die ebenso wie die erste Antriebseinheit mit flüssigem Wasserstoff und Sauerstoff betrieben wird. 15 Minuten und 13 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe gab die Oberstufe das Fahrzeug frei. Die erste Bahnellipse hatte einen niedrigsten Bahnpunkt von 200 Kilometern und einen höchsten von 300 Kilometern. Die Bahnneigung zum Äquator entsprach mit 51,6 Grad genau dem der Internationalen Raumstation.

Die japanische Raumfahrtagentur gab diesem zweiten HTV die Bezeichnung "Kounotori 2, was soviel wie "Weißer Storch" bedeutet.  Die Mission ist der erst zweite Flug des Trägerfahrzeugs, der H-2B. Sowohl der Träger als auch das Raumfahrzeug wurden von JAXA und Mitsubishi Heavy Industries entwickelt.

Das HTV ist Bestandteil der japanischen Beteiligung am Raumstationsprogramm. Der NASA steht im Rahmen eines Leistungsaustausch-Vereinbarung Platz auf dem HTV zu, als Gegenleistung dafür, dass sie das Kibo-Labormodul mit dem Shuttle zur ISS transportiert hat. Somit kamen 2.600 Kilogramm Zuladung des HTV-2 von der US-Raumfahrtbehörde. Fast eine Tonne davon befindet sich im nicht druckbeaufschlagten Teil des Raumfahrzeugs.

Das etwa 10 Meter lange und vier Meter durchmessende Vehikel erinnert in seiner Gestalt an eine überdimensionierte Getränkedose. Es nimmt bei dieser Mission etwas mehr Ausrüstung auf, als beim Erstflug im Jahre 2009. Die Gesamtzuladung beträgt 3.850 Kilogramm. Beim Jungfernflug im Jahre 2009 war das HTV mit zusätzlichen Batterien und Treibstoff ausgestattet, weil das Fahrzeug einer Reihe von Manövern und Funktionstests hatte unterzogen werden müssen. Das war bei dieser Mission nicht mehr nötig.

Das HTV ist mit 57 Solarpaneelen ausgestattet, die den Rumpf des Vehikels bedecken. Der vordere Teil besteht aus einer für die ISS-Besatzung zugänglichen Druckkabine. Die Mittelsektion ist dem offenen Weltraum ausgesetzt und der hintere Teil beherbergt das Antriebssystem und die Elektronik. Vier Haupttriebwerke und 28 Manöverdüsen führen die notwendigen Bahnmanöver für das Rendezvous durch.

Kounotori 2 führt kein aktives Docking durch wie das europäische ATV, sondern ein "berthing". Dafür bringt das Navigationssystem des HTV das Fahrzeug zu einem so genannten "capture point". Diese virtuelle Warteposition im Raum befindet sich 10 Meter von der Station entfernt, direkt unterhalb des Kibo-Moduls. Von dort werden es die Astronauten Cady Coleman und Paola Nespoli mit dem Dextre-Roboterarme der Station aufnehmen und am zur Erde zeigenden Dockingknoten des Harmony-Moduls ankoppeln.

Japan wird noch fünf weitere HTVs bauen und jährlich eines davon starten. Der nächste Flug ist für Anfang nächsten Jahres geplant. 

Anfang Februar werden dann die Astronauten, ebenfalls mit Hilfe des Robotarms, die beiden NASA-Paletten aus dem externen Frachtraum entnehmen. Einer der Container enthält elektrische Sicherungen und Videoausrüstungen, der andere eine flexibles Kupplungsgewinde für das Kühlsystem der Raumstation. Eine weitere Palette mit japanischen Experiment wird auf der "Veranda" des japanischen Kibo-Moduls befestigt, sozusagen im Freien.

Im druckbelüfteten Teil des HTV befinden sich Nahrungsmittel, Wasser, Laptops und alle möglichen Ersatzteile. Acht kühlschrankgroße wissenschaftliche Nutzlasten werden von dort in das japanische Kibo-Modul transportiert. Sobald das Modul komplett entladen ist, beginnt die Crew dort Abfall zu deponieren.

Kounotori 2 soll - so ist es momentan geplant - die Station am 28. März wieder verlassen, und tags darauf über dem Südpazifik gezielt in die Erdatmosphäre gesteuert werden, wo sie dann verglüht.

Das erste Halbjahr 2011 bringt der ISS erheblichen Betrieb. Es sind zumindest zwei Shuttle-Missionen geplant, das HTV hat bereits angelegt, das europäische ATV wird erwartet, zwei bemannte Sojus-Raumschiffe sollen kommen sowie mehrere russische Progress-Frachter, der nächste schon am 27. Januar.

Ende Februar und Anfang März könnte es dazu kommen, dass sich an der ISS alle Arten von existierenden bemannten und unbemannten Zubringerfahrzeugen gleichzeitig befinden. Wenn Planung eingehalten wird, dann sind zu diesem Zeitpunkt der Shuttle Discovery, HTV, ATV, Sojus und Progress gleichzeitig an der Station angedockt.

Nachtrag: HTV-2  "Kounotori 2" erreichte die Station nach einem problemlosen Flug am 27. Januar und wurde von der Besatzung mittels des Robotarms Dextre an die Station angekoppelt.

Astra