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SBSS Start; Credit: Orbital SciencesAm 26. September brachte die US-Luftwaffe den ersten Satelliten des "Space-Based Space Surveillance Systems" (kurz: SBSS) in eine Erdumlaufbahn. Das System dient der  Auffindung und Überwachung künstlicher Orbit-Objekte in Erdumlaufbahnen. Ursprünglich hätte das Raumfahrzeug bereits Ende 2007 in den Orbit gebracht werden sollen. Nach technischen Problemen mit dem Raumfahrzeug und dem Träger wurde er aber erst jetzt an der Spitze einer Minotaur 4 vom Startplatz SLC-8 der Luftwaffenbasis Vandenberg in Kalifornien aus in den Weltraum befördert. SBSS Start Minotaur; Credit: OSCDie Rakete - eine Variante der seit längerem im Einsatz befindlichen Minotaur 1 - hob am 26. September 2010 um 6:41 Uhr mitteleuropäischer Zeit ab, gleich zu Beginn eines 14 Minuten langen Startfensters. Vor Ort war es da 21:41 Uhr am 25. September. In den ersten drei Stufen der von der Orbital Sciences Corporation entwickelten und gebauten Minotaur 4 kommen Feststoffmotoren von außer Dienst gestellten Interkontinentalraketen des Typs "MX Peacekeeper" zum Einsatz. Von der Peacekeeper waren einst 114 Stück gebaut worden, von denen 51 im Rahmen der Truppenerprobung zum Einsatz kamen. 2005 wurden alle verbleibenden Peacekeepers im Rahmen des Start II-Vertrages außer Dienst gestellt und demontiert. Die einzelnen Elemente werden seitdem von Orbital Sciences zu Satellitenträgern und suborbitalen Testraketen verbaut.

Die erste Stufe hatte eine Brennzeit von 58 Sekunden, genauso lange wie die zweite Stufe. Nach dem Ausbrennen der zweiten Antriebseinheit folgte eine 15 Sekunden lange Freiflugphase bevor die dritte Stufe zündete und ihrerseits für 77 Sekunden in Betrieb war. Während der Brennzeit der dritten Stufe wurde die Nutzlastverkleidung abgeworfen. Danach folgte eine acht Minuten und sieben Sekunden dauernde zweite Freiflugphase. Diese endete mit dem Abwerfen der dritten Stufe und der Aktivierung des von Alliant Techsystems gebauten Feststoffmotors vom Typ Orion 38 der vierten Stufe der Rakete. Der war danach für 66,5 Sekunden in Betrieb und wandelte die zuvor stark elliptische Flugbahn in einen annähernd kreisförmigen Orbit um.

Start; Credit: Gene Blevins LA Daily NewsDie Nutzlast trennte sich um 6:56 Uhr mitteleuropäischer Zeit von der vierten Stufe der Rakete. Acht Minuten später entfalteten sich die beiden Solarzellenausleger.

Der Satellit wurde auf Basis der BCP-2000-Plattform von Ball Aerospace gefertigt und wiegt 1.030 Kilogramm. Er verfügt über ein Dreiachsen-Lageregelungssystem. Die Solargeneratoren erbringen eine elektrische Leistung von 840 Watt. Die Design-Lebensdauer ist mit sieben Jahren angesetzt.

Nach einer relativ langen Test- und Kalibrierungsphase und einem anfänglichen Versuchsbetrieb soll die Übergabe des Satelliten an den Kunden, das Weltraumkommando der US-Luftwaffe, etwa sieben Monate nach dem Start beginnen. Das Gesamtprojekt hat einen finanziellen Rahmen von 858 Millionen US-Dollars. Die Projektleitung liegt bei Boeing, Ball Aerospace baute den Satelliten und Orbital Sciences die Trägerrakete.

Mit der in einem dreh- und schwenkbaren Gehäuse untergebrachten Ausrüstung, dessen Kernelement ein Teleskop von fast 30 Zentimetern Öffnungsweite und eine Digitalkamera mit 2,4 Megapixel sind, soll das Raumfahrzeug andere Satelliten, Weltraumschrott und Raketen im Flug erfassen und beobachten. Gegenüber der erdbasierten Beobachtung von Objekten im Weltraum erwartet die US-Luftwaffe durch die weltraumgestützte Überwachung Bahnen und Manöver von Objekten im All rund um die Uhr und unabhängig von Wetterbedingungen mit verbesserter Genauigkeit feststellen zu können.

Astra