Oko Satellit; Quelle: Archiv ReichlMan muss sich bei den Vorhersagen über die Außerdienststellung russischer Trägerraketen ein wenig zurückhalten. Zu oft sind Prognosen hier schon falsch gewesen, denken wir nur an die Kosmos-Rakete deren Abschied vom aktiven Dienst seit 10 Jahren prognostiziert wird. Aber in diesem Fall scheint sie doch zu stimmen: Am 30. September fand der unwiderruflich letzte Start einer Trägerrakete des Typs Molnija-M statt. Sie brachte ihre Nutzlast auf die nach ihr (und dem Molnija-Satelliten) benannte spezielle Bahn, mit einem Perigäum von 600 Kilometern, einem Apogäum von 39.000 Kilometern, einer Bahnneigung zum Äquator von 62,8 Grad und einer Umlaufperiode um die Erde von exakt 12 Stunden.

Der Start der 229. und letzten Molnija-M Start von Plesetzk erfolgte um 19:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit (21:01 Uhr Moskauer Zeit) von der Startrampe 16/2.  Zählt man die in Baikonur gestarteten Molnijas mit dazu, dann kommt man auf eine Zahl von 296. Mit den Vorgänger-Varianten Molnija und Molnija L ist eine Gesamtzahl von 322 Molnijas gestartet worden, die seit dem Jahre 1960 eingesetzt waren. Trägerraketen dieses Typs brachten Raumsonden zu Mond, Mars und Venus und starteten die ersten sowjetischen Nachrichtensatelliten auf die charakteristischen hochelliptischen Bahnen, die nach diesen Satelliten und ihrer Trägerrakete heute auch im Westen als "Molnija-Bahn" bezeichnet wird.

Molnija Trägerrakete; Quelle: Archiv ReichlAn Bord ein der Oko-Serie, den die russischen Militärs einfach als Kosmos 2.469 bezeichneten. Um 21:57 Uhr Moskauer Zeit wurde der Satellit im Zielorbit ausgesetzt.

Die Masse des Satelliten wird auf rund 2.400 Kilogramm geschätzt, etwa die Hälfte davon soll mitgeführter Treibstoff ausmachen. Der über drei Achsen lagegeregelte Satellit ist mit vier Triebwerken für Orbitmanöver und sechzehn Düsen für die Lageregelung ausgerüstet. Die Entwicklung dieses Satellitentyps geht zurück bis in die frühen siebziger Jahre.

Seit Beginn der 1980er Jahre werden Satelliten des Typs Oko regelmäßig eingesetzt, um Raketenstarts, insbesondere solche der Vereinigten Staaten von Amerika, festzustellen und zu orten. Für eine sinnvolle Beobachtung rund um die Uhr werden mindestens vier Satelliten benötigt, da sie auf ihren hochelliptischen Bahnen nur etwa sechs Stunden die Landmasse der USA beobachten können.

Der vorletzte Molnija-M-Start erfolgte am 23. Oktober 2007, als mit Kosmos 2.430 ein Frühwarnsatellit gleicher Bauart transportiert wurde. Ende 2008 erfolgte ebenfalls ein Start eines Oko-Aufklärers. Dieser als Kosmos 2.446 bezeichnet Satellit und Kosmos 2.430 waren bis zum Start von Kosmos 2.469 die einzigen betriebsfähigen russischen Frühwarnsatelliten auf hochelliptischen Umlaufbahnen.

Die Ablösung der Molnija ist bereits seit einigen Jahren im Dienst: Es handelt sich dabei um die Sojus 2.

Astra