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NROL-41; Credit: USAFIn den Morgenstunden des 21. September mitteleuropäischer Zeit brachte die United Launch Alliance im Auftrag des National Reconnaissance Office einen Satelliten mit geheim gehaltenem Bestimmungszweck in einen recht eigentümlichen Orbit.  Als Trägerfahrzeug wurde eine Atlas 5 in der Version 501 eingesetzt, eine Variante dieses Trägers ohne Starthilfsbooster und einer über 20 Meter langen Nutzlastverkleidung. Diese Version wird erst zum zweiten Mal eingesetzt. Erstmalig wurde sie in diesem Jahr beim Start der X-37B/OTV von Cap Canaveral aus verwendet.

Atlas 5 mit NROL-41 startet am 20. September 2010; Credit: ULA
Gestartet wurde um 6:04 Uhr mitteleuropäischer Zeit, was am Startort, der Luftwaffenbasis Vandenberg in Kalifornien 21:04 Uhr am 20. September  entsprach. Über die Art der Nutzlast gab es keinerlei Verlautbarungen. Somit können Schlüsse lediglich aus der Art der Umlaufbahn und der verwendeten Trägerrakete gezogen werden.

Bei diesem Einsatz wurde die mittlere von drei für den Typ 501 verfügbaren Fairing-Konfigurationen verwendet. Sie hat einen Durchmesser von 5,4 Metern und ist 23,4 Meter lang und schließt nicht nur die Nutzlast sondern auch die zweite Stufe komplett ein. Diese Nutzlastverkleidungen werden bei der RUAG in der Schweiz produziert, die auch die sehr ähnlichen Fairings der Ariane 5 baut). Beim OTV-Start im Frühjahr wurde übrigens die „kleine“ Verkleidung eingesetzt, die nur 20 Meter lang ist.

Der Einsatz dieser voluminösen Verkleidung ist ein Hinweis darauf, dass die Fracht einen erheblichen Raumbedarf, aber eine geringe spezifische Masse aufweist.

Die einzigen sinnvollen Orbits von Vandenberg sind entweder niedrige polare Umlaufbahnen, retrograde Umlaufbahnen oder hochexzentrische Molnjia-Orbits. Letztere Bahn scheidet aus, denn die Nutzlastkapazität der verwendeten Version wäre für einen Kommunikationssatelliten (nur solche werden auf diesen Bahnen abgesetzt) zu gering. Frühere US-Militärsatelliten auf Molnija-Bahnen verwendeten stärkere Versionen der Atlas 5.

Beobachtungen von Amateuren nach dem Start ergaben eine sehr eigenwillige Umlaufbahn mit einem Apogäum von 1.072 Kilometern, einem Perigäum von 1.057 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 123 Grad. Sie ist somit stark retrograd, führt hinauf bis in hohe nördliche Breiten, aber nicht bis in die Polregion.

Auf dieser ungewöhnlichen Bahn dürfte das Nutzlastkapzität der Atlas 5 501 3.500 Kilogramm kaum übersteigen. Dieser Umstand und die große Fairing deutet auf ein komplexes und voluminöses Antennensystem auf dem Satelliten hin, so dass man davon ausgehen kann, dass es sich um einen elektrooptischen- oder einen Radaraufklärer handelt. Möglicherweise auch auf einen Technologiedemonstrator für ein neues Aufklärungssystem wie die geheimen Projekte "Misty" oder "8X".

Astra