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Start; Credit: China NewsAm 31. Juli 2010 hob vom Startgelände Xichang, in der südchinesischen Provinz Sichuan, eine Trägerrakete des Typs Long March 3A mit einem weiteren Raumfahrzeug für das chinesische Satellitennavigationssystem Compass ab. Der Start erfolgte um 23:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit, vor Ort war es da schon 5:30 Uhr morgens am 1. August.

Der gut 50 Meter hohe Träger brachte den Satelliten auf eine geostationäre Transferbahn mit einem niedrigsten Bahnpunkt von 160 Kilometern und einem höchsten Bahnpunkt von 35.600 Kilometern. Den endgültigen Bahneinschuss nahm der Satellit mit seinem Bordtriebwerk zwischen dem 2. und 4. August vor. Die derzeitige Bahn liegt in einer Höhe zwischen 35.650 und 35.960 Kilometern, die Bahnneigung zum Äquator ist um 55 Grad geneigt, ungewöhnlich für geostationäre Satelliten. Für fest installierte Heimantennen wäre eine solche Bahn ungeeignet. Eingebunden in die Beidou 2-Konstellation macht es aber Sinn, denn damit können auch höhere geografische Breiten abgedeckt werden.

Die Mission war der fünfte chinesische Orbitalstart des Jahres und der insgesamt 17. Einsatz einer Trägerrakete des Typs Long March 3A.

Start; Credit: China News
Das Raumfahrzeug trägt die Bezeichnung Compass IGS1 und wird eines von drei Satelliten sein, die auf zur Ekliptik geneigten geosynchronen Bahn stationiert werden. Es basiert auf dem Satellitenbus DFH-3, hat eine Masse von rund 2.200 Kilogramm und ist für eine Betriebsdauer von acht Jahren ausgelegt.

Das chinesische Satellitennavigationssystem Compass wird in seiner endgültigen Ausbaustufe aus 35 Satelliten bestehen. 27 Raumfahrzeuge werden auf Umlaufbahnen in einer Höhe von etwa 21.500 Kilometern über der Erde in drei Bahnebenen um die Erde kreisen. Fünf Raumfahrzeuge werden auf Positionen im geostationären Orbit arbeiten, und drei Compass-Satelliten will man auf die erwähnten geneigten Bahnen bringen. Diese Bahn wird den Äquator jeweils bei 118 Grad östlicher Länge kreuzen.

China begann bereits vor 10 Jahren mit der Erprobung eigener Navigationssatelliten. Um dem Ziel der Unabhängigkeit vom US-amerikanischen GPS näher zu kommen, schickte man Ende 2000 zunächst zwei Satelliten zum Einsatz in einer Testkonstellation, Beidou genannt, ins All. 2003 und 2007 folgten zwei weitere Satelliten für das experimentelle System. Anschließend begann man mit dem Aufbau des Betriebsnetzes, das in China als "Beidou 2" im Westen als "Compass" bezeichnet wird. Eine weltweite Abdeckung mit chinesischen Navigationssatelliten soll nach derzeitigem Planungsstand im Jahre 2020 erreicht sein.

Compass IGS1 ist der insgesamt fünfte Satellit der Beidou 2 Konstellation. Zwei Satelliten, die ebenfalls bereits in diesem Jahr gestartet worden waren, befinden sich in einem geostationären Standardorbit. Ein Raumfahrzeug befindet sich auf einer Bahn in 21.500 Kilometern Höhe, also der Orbithöhe, in der am Ende die meisten der Satelliten stationiert werden.

Compass/ Beidou 2, ist das dritte weltweit aktive Satelliten-Navigationssystem. Die beiden anderen sind das US-System "GPS" und das russische System "Glonass". Ähnlich wie die beiden anderen Systeme wird auch Beidou 2 dem "Normalbürger" ein kostenloses Signal mit einer Positionsgenauigkeit von 10 Metern zur Verfügung stellen. Präzisere Daten sind kostenpflichtig und vor allem für Nutzer aus dem institutionellen Bereich und für das Militär vorgesehen.

Astra