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Cartosat2b01; Credit: ISROAm 12. Juli 2010 startete eine Trägerrakete des Typs PSLV (Polar Satellite Launch Vehicle) und brachte fünf Satelliten in sonnensynchrone Umlaufbahnen um die Erde. Der rund 230 Tonnen schwere und fast 45 Meter hohe Träger hob um 05:52 Uhr mitteleuropäischer Zeit (09:22 Uhr indischer Ortszeit) von der Startrampe 1 des Satish Dhawan Space Center ab. Es war dies die insgesamt 17. PSLV-Mission, und der 15 vollständig erfolgreiche Flug dieses Typs. Der Erstflug im Jahre 1993 endete als Fehlschlag, 1997 gab es einen Teilerfolg, als die vierte PSLV den Erdbeobachtungssatelliten IRS-1D auf einer zu niedrigen Umlaufbahn ablieferte.

Die PSLV ist eine recht komplex konstruierte Rakete. Die Stufen eins und drei werden mit festen Treibstoffen betrieben, die Stufen zwei und vier mit unterschiedlichen flüssigen Treibstoffen. Das Triebwerk der zweiten Stufe ist ein Lizenz-Nachbau des von Snecma entwickelten Viking 3B-Triebwerks der ehemaligen europäischen Trägerrakete Ariane 3. Der Start der PSLV wird in der Regel auch noch durch sechs seitlich angebrachte Feststoffbooster unterstützt. Die Nutzlastkapazität der Rakete beträgt dann 1.750 Kilogramm für die sonnensynchrone Polarbahn.

AlSat2; Credit: AstriumBei diesem Flug kam jedoch eine Version zum Einsatz, die keine Feststoffbooster anwendet. Diese Version bezeichnet die ISRO als PSLV-CA (Core alone). Das relativ geringe Nutzlastgewicht von nur 819 Kilogramm machte in diesem Fall den Einsatz der Starthilfsraketen nicht erforderlich.

Die Hauptnutzlast, der indische Erdbeobachtungssatellit Cartosat 2B. mit einer Startmasse von 694 Kilogramm, wurde gut 17 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe in einer Höhe von 640 Kilometern in einer sonnensynchronen Umlaufbahn mit einer Bahnneigung von rund 98 Grad ausgesetzt.
Anschließend wurde der algerische Erdbeobachtungssatellit AlSat 2A freigegeben, und danach auch die drei Nanosatelliten, Studsat aus Indien, AISSat 1 aus Norwegen und TIsat 1 aus der Schweiz.

Cartosat 2B soll die bereits im All befindlichen Vorgängermodelle Cartosat 2 und Cartosat 2A ergänzen. Mit seiner panchromatischen Kamera wird das Raumfahrzeug die Erdoberfläche in etwa zehn Kilometer breiten Streifen scannen. Das Auflösungsvermögen dieser Kamera liegt bei etwa 80 Zentimetern. Cartosat 2B dient der Erstellung großmaßstäblicher Karten und soll Stadt- und Infrastrukturplanung unterstützen. Die geplante Lebensdauer beträgt 5 Jahre.

Start PSLV 17; Credit: ISROAlSat 2A wurde zwischen Cartosat 2B und den drei Nanosatelliten auf einem separaten Nutzlastadapter transportiert. Aufgaben des algerischen Satelliten sind neben der Kartographie die Informationsgewinnung für Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, die Suche nach Bodenschätzen, die Unterstützung von Planungen zur Landnutzung und dem Katastrophenschutz. Dafür befindet sich ein NAOMI (New Astrosat Observation Modular Instrument) genanntes Teleskop an Bord, welches eine Auflösung von 2,5 Metern im Schwarz-Weißbetrieb und von zehn Metern bei der Nutzung in vier Spektralbereichen erzielt.

Der Auftrag der algerischen Raumfahrtbehörde (ASAL) beinhaltet übrigens den Entwurf und die Entwicklung von zwei baugleichen Satelliten. Die  erste – der erwähnte ALSAT-2A – wurde von Astrium gefertigt, integriert und getestet. ALSAT-2B wird von ASAL-Ingenieuren in Algerien montiert. Das Programm umfasst zudem die Entwicklung und Vor-Ort-Installation von zwei Bodenkontrollsegmenten und einer Bildverarbeitungsanlage, über die ASAL die beiden Satelliten komplett von algerischem Boden aus betreiben und steuern kann. Rund 30 ASAL-Ingenieure arbeiteten einige Zeit im Rahmen eines Programms für den Know-how-Transfer und die Unterstützung bei wichtigen Aktivitäten Seite an Seite mit dem Astrium-Entwicklungsteam in Toulouse. Das erste Bodenkontrollsegment und die Bildverarbeitungsanlage sind mittlerweile in Ouargla installiert – rechtzeitig für die Aufnahme des ALSAT-2A-Betriebs nach dem erfolgreichen Start. ASAL ist für den Start und Orbitbetrieb der Satelliten verantwortlich, während Astrium die LEOP-Phase (Launch & Early Operations) von seinem Kontrollzentrum in Toulouse aus leitet.  
ALSAT-2A hat eine Startmasse von 117 Kilogramm soll mindestens fünf Jahre aktiv sein.

STUDSAT (für STUDent SATellite) ist der erste indische Studentensatellit zur Erdbeobachtung und hat bei einem Volumen von rund 1,1 Litern eine Masse nur 850 Gramm. Er hat annähernd die Form eines Würfels (10 cm x 10 cm x 13,5 cm). Gebaut wurde das Mini-Raumfahrzeug von 45 Studenten, die in sieben verschiedenen indischen Instituten in Karnataka und Andhra Pradesh, Bangalore und Hyderabad lernen und arbeiten. Hauptinstrument des Trabanten ist eine CMOS-Kamera mit einer Auflösung von 90 Metern, welche auf einer Seite aus der würfelförmigen Grundstruktur herausragt.

AISSat 1, der erste in Norwegen entwickelte Satellit, dient der experimentellen Beobachtung des Schiffsverkehrs in norwegischen Gewässern. Dafür ist er mit entsprechender Empfangstechnik ausgestattet. Gebaut wurde der Satellit mit einer Masse von 6,5 Kilogramm vom Labor für Raumflug der Universität Toronto (SFL, Space Flight Laboratory) für die norwegische Verteidigungsforschungseinrichtung (FFI, Forsvarets forskningsinstitutt). Mit seiner Hilfe soll getestet werden, wie weit ein im All stationierter Empfänger für die von Seeschiffen mit mehr als 300 Bruttoregistertonnen auszustrahlenden AIS-Signale Verbesserungen bei der Kontrolle des Schiffsverkehrs im hohen Norden bewirken kann.

Und TIsat 1 schließlich ist ein Ausbildungssatellit der südschweizerischen Universität für angewandte Wissenschaften (Scuola universitaria della Svizzera italiana bzw. University of Applied Sciences of Southern Switzerland) und Amateurfunksatellit, der den Materialwissenschaften und der Technologieerprobung dient. Auch bei TIsat 1 handelt es sich um einen Cubesat mit einer Masse von rund einem Kilogramm.

Astra