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Am Abend des 22. Juni 2010 brachte bei einem der seltenen israelischen Orbitalstarts eine Shavit 2-Rakete den militärischen Aufklärungssatelliten Ofeq 9 in den Weltraum. Die Mission begann auf der Luftwaffenbasis Palmachim nahe bei Tel Aviv und führte von dort aus in westliche Richtung - entgegen der Erdrotation - auf das Mittelmeer hinaus. Diese ungewöhnliche Flugbahn - normale Starts erfolgen in eher östlicher Hauptrichtung - wurde gewählt, damit das Projektil nicht über das Gebiet der mit Israel verfeindeten arabischen Nachbarstaaten fliegen musste. Für den Träger bedeutet eine solche Bahn einen erheblich erhöhten Geschwindigkeitsbedarf, um einen Erdorbit zu erreichen. Ofeq 9 bewegt sich nun auf einer retrograden, das heißt hinsichtlich der Drehrichtung der Erde gegenläufigen, Bahn um die Erde.

Der Start erfolgte um 22:00 Uhr mitteleuropäische Zeit. Die ersten beiden auf dem gleichen Feststoffmotor basierenden Raketenstufen brachten das beim Start rund 30 Tonnen schwere und 20 Meter hohe Projektil zunächst aus den dichten Schichten der Erdatmosphäre heraus. Dann folgte eine ballistische Freiflugphase, während der die Nutzlastverkleidung abgeworfen wurde. Schließlich zündete in 250 Kilometern über die Erdoberfläche die dritte, ebenfalls mit einem Feststoffmotor angetriebene Stufe der Rakete und sorgte für einen Einschuss des Satelliten in den vorgesehenen Orbit. Nach dem Bahneinschuss wies die Umlaufbahn einen Neigungswinkel von 141,8 Grad zum Äquator auf. Damit kann der Satellit alle Breitengrade zwischen dem 40. Grad Nord und dem 40. Grad Süd beobachten. Der Satellit bewegte sich anfangs auf einer Bahnhöhe zwischen 320 und 580 Kilometern.

Die Startmasse des auf dem OPSAT-2000-Bus basierenden Raumfahrzeugs lag bei etwa 300 Kilogramm. Die Auflösung seines optischen Hauptinstruments beträgt in 500 Kilometern Flughöhe rund 70 Zentimetern. In Funktion und Aufgabe gleicht Ofeq 9 den 2002 und 2007 gestarteten Vorgängermodellen Ofeq 5 und Ofeq 7.

Der Start am Dienstag war der 9. Einsatz der Shavit-Rakete seit dem Jahre 1988. Drei der Missionen schlugen fehl.

Astra