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Satelliten werden vorbereitet; Credit: SSCEine modifizierte Interkontinentalrakete der russischen Streitkräfte startete am Dienstag von Südrussland aus mit zwei schwedischen und einem französischen Satelliten in eine Erdumlaufbahn. Bei den Nutzlasten handelt es sich um das französische Sonnenobservatorium Picard und die schwedische Mission Prisma, die aus den beiden Satelliten Mango und Tango besteht. Bei letzterer handelt es sich um ein Technologieexperiment, bei dem Formationsflüge und Rendezvous-Techniken zwischen Satelliten erprobt werden. Die gut 33 Meter lange Rakete startete vom russischen Raumfahrtgelände Yasny, das sich nahe der Nähe der Grenze zu Kasachstan befindet und nur selten genutzt wird.

Der Träger brachte seine Nutzlasten in einen sonnensynchronen Orbit mit einer Bahnhöhe von 725 Kilometern. Dieser Orbit war 16 Minuten nach dem Verlassen des Startsilos erreicht. Eine mobile Bahnverfolgungsanlage im Oman bestätigte die Freigabe der beiden Prisma-Satelliten sowie von Picard.

Beobachtungsstation im Oman; Credit: KosmotrasDer Start war der 15. Einsatz einer Dnepr in ihrer Rolle als ziviler Satellitenträger. Sie ist die schwerste Interkontinentalrakete weltweit. Im Militärdienst trägt der in der Ukraine gebaute Träger die Nato-Bezeichnung SS-18, zu den Zeiten des kalten Kriegs trug sie den Beinamen „Satan“. 14 Missionen waren erfolgreich, eine schlug fehl. Unbedingt zu empfehlen ist dieser Film vom Start der Dnepr: http://www.1tv.ru/news/techno/156176

Picard beginnt nun eine zweijährige Mission, bei der er die Sonne für mindestens zwei Jahre mit seinen drei Instrumenten beobachten wird. Das 145 Kilogramm schwere Raumfahrzeug basiert auf einer Kleinsatellitenplattform, die von der CNES entwickelt wurde. Die Kosten des Projektes betragen 70 Millionen Euros.

Der Satellit ist nach dem französischen Astronomen Jean Picard benannt, der im 17. Jahrhundert den Durchmesser der Sonne bestimmte. Die nach ihm benannte Raumsonde hat ähnliche Aufgaben. Ihr 11-Zentimeter-Teleskop mit der Bezeichnung SODISM (Solar Diameter Imager and Surface Mapper) soll ultragenaue Messungen des Sonnendurchmesser, der Sonnenform, der Rotationsgeschwindigkeit und der Strahlungsintensität. Zwei weitere Instrumente mit der Bezeichnung SOVAP (SOlar VAriability Picard) und PREMOS (PREcision MOnitor Sensor) messen die Energiefluktuationen im ultravioletten, sichtbaren und infraroten Licht.

Start einer Dnepr; Credit: CosmotrasPicard wird die Beobachtungen des Solar Dynamics Observatory der NASA ergänzen, eines Satelliten, der im Februar dieses Jahres gestartet worden war.

An Bord der Dnepr befindet sich auch die aus zwei Satelliten bestehende Mission "Prisma". Diese beiden Raumfahrzeuge sind derzeit noch miteinander verbunden. Sie sollen sich am 3. August trennen und dann Techniken für den Formationsflug und für Rendezvous-Manöver im Weltraum erproben.

Bei diesem Vorhaben werden verschiedene Ausrüstungsgegenstände getestet: Ein GPS-System aus Deutschland, ein Radiofrequenzinstrument aus Frankreich, und ein optischer Navigationssensor aus Dänemark.

Mango wird bei diesen Versuchen die Rolle des aktiven Satelliten spielen und sich im Laufe von 10 Monaten wiederholt von Tango entfernen und annähern. Dabei werden die verschiedenen Technologien eine nach der anderen erprobt. Mango hat etwa die Größe eines Küchenherdes und wiegt etwa 160 Kilogramm. Tango ist in etwa so groß wie eine Mikrowelle und wiegt ca. 40 Kilo.

Mango ist zusätzlich zu seinem konventionellen Lageregelungssystem, bestehend aus sechs mit Hydrazin betriebenen Motoren, auch noch mit zwei experimentellen Triebwerken ausgerüstet, die mit so genanntem "grünen" Treibstoff arbeiten. In diesem Fall ist das Ammoniumdinitramid, das sich unter Hitzeeinwirkung in Stickstoff, Sauerstoff und Wasser zerlegt.

Und noch ein weiteres Experiment gelangte mit der Dnepr in den Orbit, nämlich eine experimentelle Nutzlast mit der Bezeichnung BPA-1, eine Abkürzung "Block of Perspective Avionics-1". Sie verbleibt an der dritten Stufe der Dnepr und umkreist mit ihr die Erde in einem ähnlichen Orbit wie die beiden Hauptnutzlasten.

Astra