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Naro Grafik; Credit: KARIWährend der neue Falcon 9 von SpaceX einen erfolgreichen Erstflug erlebte, scheiterte das südkoreanisch/russische Gemeinschaftsvorhaben Naro auch beim zweiten Anlauf. Und diesmal noch deutlicher als beim ersten Mal, denn 137 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe riss der Kontakt zum Träger ab, und die Nutzlast, der Satellit STSat 2b ging verloren.

Naro Transport; Credit: KARI
Naro Startvorbereitung; Credit: Chrunitschev
Naro Startvorbereitung; Credit: Chrunitschev
Naro; Credit: Chrunitshev

Der Fehlstart ist ein herber Rückschlag für Südkorea und das russische Team von Chrunitschev, das die erste Stufe der Naro entwickelt. Das Triebwerk dieser Stufe ist ebenfalls russischer Abstammung. Der RD-151 Motor ist eine schubreduzierte Variante des RD-191 von Energomash, das in der ersten Stufe der in Entwicklung befindlichen russischen Angara-Rakete zum Einsatz kommen soll. Von der der Angara wurde auch die Grundkonstruktion für die erste Stufe der KSLV-1 übernommen.

Die zweite Stufe der KSLV-1 ist dagegen ein südkoreanischer Entwurf, und auch die Nutzlastverkleidung an der Spitze der Rakete stammt aus Südkorea.

Nachdem es im August 2009 beim Jungfernflug der KSLV-1 nicht gelungen war, einen STSat 2a genannten Forschungs- und Technologiesatelliten auf eine Bahn um die Erde zu bringen, setzten die Südkoreaner ihre Hoffnungen darauf, dass der zweite Flug einer KSLV-1 erfolgreich verlaufen würde.

Der Start der KSLV-1 mit STSat 2b an Bord erfolgte am 10. Juni 2010 um 10:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Naro Space Center, einige hundert Kilometer südlich von Seoul. Zunächst schien der Flug planmäßig zu verlaufen, aber nach 137 Flugsekunden stellte der Träger die Telemetrieübertragung ein.  Kameras zeigten eine offensichtlich nicht geplante Abfolge pyrotechnischer Vorgänge, ähnlich denen, wie sie bei einer Stufentrennung auftreten. Hier der offizielle Film des Starts ,bei dem noch - als Animation - die Vorgänge eingespielt sind, wie sie sich im Idealfall hätten abspielen sollen. Als sich die Explosion ereignete war den Kameras des koreanischen Fernsehens die Sicht auf die Rakete durch Wolken verdeckt. Aufnahmen mit einer anderen Kamera von einer anderen Position zeigen aber deutlich zwei pyrotechnische Vorgänge.

Die Ursache für das Versagen der Rakete ist noch nicht bekannt. Nachdem die Verantwortung für die erste Stufe bei Chrunitschev liegt, könnte sie aber hier zu suchen sein. Die koreanische Times (The Korea Times) berichtet, die erste Stufe der Rakete sei explodiert, und dies falle unter russische Verantwortung. Die russische Nachrichtenagentur RIAN berichtet dagegen, die KSLV-1 könnte wegen einer verfrühten Zündung der südkoreanischen zweiten Raketenstufe explodiert sein. Die Lichtblitze in den Bildern aus den Videoaufzeichnungen würden darauf hinweisen.

An sich sollte das Naro 1-Programm nach zwei Flügen beendet sein. Die Verträge mit Chrunitschev sehen jedoch vor, einen dritten Start durchzuführen, wenn mindestens einer der beiden ersten Flüge scheitert. Somit kann man in jedem Fall von einer dritten Naro 1-Mission ausgehen.

Die erneut gescheiterte Mission der Naro zeigt jedenfalls einmal mehr, mit welchen Problemen Raketentechnik zu kämpfen hat. Der erfolgreiche Erstflug der wesentlich größeren Falcon 9 ist daher umso höher zu bewerten.

Astra