GLSV Mk; Credit: ISRO Der Erstflug einer neuen Version von Indiens schwerstem Satellitenträger ist gescheitert. Die Rakete trägt die Typenbezeichnung GSLV Mark II, die Basisversion, wird als GSLV Mark I bezeichnet. Bei diesem Flug sollte eine in Indien entwickelte kryogene Oberstufe ihren ersten Einsatz erleben. Offensichtlich jedoch zündete entweder das neu entwickelte Triebwerk nicht oder die Steuertriebwerke der dritten Stufe nahmen ihren Betrieb nicht auf (was automatisch auch den Betrieb des Drittstufen-Haupttriebwerkes unterbindet).

Dritte Stufe GSLV Mk 2; Credit: ISRODas "Geosynchronous Satellite Launch Vehicle" (GSLV) war zuvor sechsmal zum Einsatz gekommen, jedes Mal mit einer dritten Stufe, welche die indische Raumfahrtagentur in Russland gekauft hatte. Der Erstflug dieser Version war im Jahre 2001 erfolgt.

Die ersten Minuten des Starts verliefen normal. Das GSLV verließ die Startrampe am Satish Dhawan Space Center auf der Insel Shriharikota wie geplant um 12:57 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Die ersten beiden Stufen arbeiteten normal. In der fünften Flugminute sollte in einer Höhe von 140 Kilometern und bei einer Geschwindigkeit von 17.700 Kilometern pro Stunde die Zündung des neu entwickelten Drittstufentriebwerks erfolgen. Die Brenndauer dieses Motors beträgt nominal 12 Minuten. Es entwickelt dabei einen Schub von gut fünf Tonnen. Wegen eines noch unbekannten Problems erfolgte diese Zündung jedoch nicht. Hier ein kurzer Film über den Start der GSLV Mk. II No. 1

Nach einem erfolgreichen Start hätte die Nutzlast, der experimentelle Kommunikationssatellit GSAT 4, in einem geostationären Transferorbit ausgesetzt werden sollen. Dieser Satellit wurde bei dem Fehlstart ebenfalls zerstört.

Auch die in Russland gekaufte Stufe war nicht problemfrei. Bei zwei der sechs Starts (Mission Nummer eins und fünf) kam es zu kleineren Problemen, durch welche die Satelliten jeweils in zu niedrigen Orbits abgesetzt worden waren. Nur in einem Fall konnte die Mission gerettet werden, weil die Raumfahrzeuge genügend Treibstoff an Bord hatten, um die Minderleistung mit Bordmitteln ausgleichen zu können. Die vierte Mission – im Jahre 2006 - war ein katastrophaler Startversager. Einer der vier mit flüssigen Treibstoffen betriebenen Booster hatte nicht gezündet, was zur Folge hatte, dass die Rakete bereits in niedriger Höhe gesprengt werden musste, da sie vom Kurs abkam. Nur drei Starts der GSLV Mark I waren fehlerfrei verlaufen.

GSAT-4; Credit: ISRODie neue Stufe, mit einem in Indien entwickelten Triebwerk, sollte nun das russische Aggregat ersetzen.

Ein erster Hinweis auf die Fehlerursache beim aktuellen Start, ist die Meldung, dass die Steuertriebwerke nicht korrekt arbeiteten. Sie dienen gleichzeitig als Ullage-Motoren (mit der Aufgabe, den Treibstoff auf dem Boden der Tanks zu halten). Dies könnte in der Praxis dazu führen, dass die Treibstoffförderung zum Triebwerk unterbunden wird, weil dann in den Tanks Schwerelosigkeit herrscht.

In einer offiziellen Stellungnahme von K. Radakrishnan, dem Chef der indischen Weltraumagentur, hieß es nach dem Fehlstart recht euphemistisch: „Die Ziele des sechsten Einsatzfluges einer GSLV wurden nicht vollständig erreicht“. Weiter sagte er, dass ein zweiter Testflug innerhalb eines Jahres erfolgen soll.

Indien besitzt noch zwei der in Russland gekauften Stufen, die bei späteren Starts verwendet werden sollen. Die nächste Mission einer GSLV Mark I ist für den Herbst geplant.

Indien will sich in den nächsten Wochen für die Durchführung eines bemannten Raumflugprogramms entscheiden und bis spätestens 2017 zwei indische Astronauten mit einer selbst entwickelten Raumkapsel in den Orbit bringen. Dabei soll eine weiter verbesserte Version der GSLV zum Einsatz kommen, die GSLV Mark III.

Der nächste Start einer indischen Trägerrakete ist schon in wenigen Wochen geplant. Dabei kommt die bewährte, wesentlich kleinere, PSLV zum Einsatz, die eine gute Zuverlässigkeitsstatistik hat.

Astra