Cryosat Separation; Credit: ESA Europas erster Erdbeobachtungssatellit, der dem Studium der polaren Eiskappen gewidmet ist, wurde gestern nachmittag erfolgreich vom Weltraumbahnhof Baikonur aus gestartet. CryoSat-2, so der Name des Raumfahrzeugs, verließ den Startsilo um 15.57 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Spitze Dnepr Rakete. Der Träger war vom internationalen Startservice-Anbieter Kosmotras organisiert worden. Die Bestätigung, dass CryoSat-2 von der Dnepr freigegeben wurde kam 17 Minuten nach dem Abheben von der Bodenstation Malindi in Kenia.

 CRYOSAT2_Launch_configuration; Credit: ESA
 Cryosat launch; Credit: Kosmotras

Die Dnepr, eine modifizierte Interkontinentalrakete, absolviert ein überaus interessantes Startverfahren. Es beginnt mit der Zündung einer schweren Kartusche im Boden eines Startsilos. Dadurch wird die gesamte Rakete aus dieser Röhre herausgepresst und etwa 30 Meter hoch in die Luft katapultiert. Erst dann zünden die Triebwerke der ersten Stufe. Die dritte Stufe des Trägers ist so beschaffen, dass die Kombination vor ihrer Zündung eine 180-Grad-Drehung vollführen muss. Die Stufe fliegt dann praktisch rückwärts, mit den Triebwerken im Kopfbereich der Stufe, welche die Kombination quasi „ziehen“.  Dieses eigenartige Verfahren dachten sich russische Ingenieure seinerzeit aus, um Atombomben punktgenau absetzen zu können.

Trotz ihres äußerst fremdartigen Startverfahrens ist der Träger recht zuverlässig. Bei bisher 14 wissenschaftlichen und kommerziellen Starts versagte er nur einmal.

CryoSat-2 ersetzt den ursprünglichen CryoSat Satelliten, der bei einem Fehlstart im Jahre 2005 verloren ging.  Die damals eingesetzte Rakete war eine Rokot, ebenfalls eine modifizierte Interkontinentalrakete. Die Missionsziele bleiben jedoch dieselben: Messungen der Eisdicke über der Antarktis und über Grönland, aber auch von Eis, das auf den polaren Ozeanen schwimmt.

Der Start von CryoSat-2 markiert einen wichtigen Meilenstein im Erdbeobachtungsprogramm der ESA die damit innerhalb der letzten gut 12 Monaten drei Raumfahrzeuge auf eine Umlaufbahn gebracht hat. CryoSat-2 folgt auf die Mission von GOCE, dem “Gravity field and steady-state Ocean Circulation Explorer”, der im März 2009 gestartet wurde, und der Mission SMOS, dem “Soil Moisture and Ocean Salinity“, Satelliten, der im letzten November mit ihren Anfang nahm.

Der 720 Kilogramm schwere CryoSat-2 wurde von einem Konsortium gebaut, das von EADS Astrium in Friedrichshafen angeführt wird. Der Satellit befindet sich nun in einem polaren Orbit in einer Höhe von 715 Kilometern mit einer Bahnneigung von 88 Grad zum Äquator.

Astra