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Mission Cover; Credit: ULAAm 8. September startete die United Launch Alliance (ULA) eine Atlas 5 mit einem sehr ungewöhnlichen Satelliten an Bord. Noch weniger als zwei Wochen vor dem Start hatte weder der Hersteller des Raumfahrzeugs - die Firma Lockheed - noch irgendeine andere Institution bekundet, um was für eine Art von Satelliten es sich hier handelt. Erst eine Pressemitteilung vom 4. September stellte klar, dass sich an Bord des Trägers ein Kommunikationssatellit befindet.  Nun werden Kommunikationssatelliten nicht gerade selten gestartet. Was die Sache hier so ungewöhnlich macht ist der Umstand, dass sich bislang keine einzige Regierungsstelle als Eigentümer des Satelliten zu erkennen gab. Das ist ungewöhnlich, denn selbst das supergeheime National Reconnaissance Office (NRO) hat kein Problem, Satelliten die ihr gehören auch als solche auszuweisen. So ist es kein Wunder, dass eine Menge Spekulationen den Start von PAN begleiteten.

Schon der Name des Satelliten, PAN, (hier kann es sich aber auch um die Missionsbezeichnung handeln)  gab Anlass zu Vermutungen. Erst wenige Wochen vor dem Start war überhaupt bekannt geworden, was dieses Akronym bedeutet, als über eBay ein Aufnäher mit dem Startlogo verkauft wurde, auf dem  “Palladium At Night” stand. Das steigerte die Verwirrung nur noch mehr, denn nun spekulierte sich die Fachpresse durch die gesamte antike Mythologie und das Periodensystem der Elemente, welche von den vielen Bedeutungen des Wortes "Palladium" denn wohl hier gemeint sei. Ebenfalls kurz vor dem Start erklärte Lockheed Martin, dass sie den Satelliten gebaut hätten und zwar auf Basis eines kommerziellen Standard-Kommunikationssatelliten, dem Typ A2100.

Der Start des Satelliten auf der Atlas 5-401 Trägerrakete wurde in voller Länge mit allen Animationen der Oberstufen- und Satellitentrennphasen übertragen. Dies geschieht sonst bei geheim gehaltenen Nutzlasten nie. Die zweistufige Rakete mit ihrer 12 Meter langen Nutzlastverkleidung hob um 23:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Startkomplex 41 an der Cap Canaveral Luftwaffenbasis ab. 

Die Centaur-Oberstufe führte zwei Brennmanöver durch.  Das erste endete 17 Minuten und 38 Sekunden nach dem Abheben und brachte die Stufe mit ihrer Nutzlast auf einen Parkorbit mit einem Perigäum von 176 Kilometern,  einem Apogäum von 21.761 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 25.3 Grad.  Die Stufe zündete 115 Minuten und 5 Sekunden nach dem Abheben erneut, diesmal für 86 Sekunden um PAN in seinen Transferorbit zu bringen. 

Auch nach dem Start waren die Analysten nicht wirklich schlauer. Es wurde nur bekannt, dass Lockheed Martin den Auftrag offensichtlich sehr kurzfristig - in weniger als 30 Monaten - und zu einem absoluten Festpreis abgewickelt hat, sehr ungewöhnlich bei militärischen Programmen. Vermutungen gehen  dahin, dass die US Navy diesen Satelliten bestellt hat, da es mit ihrem UFO-Satellitenprogramm (Ultra High Frequency Follow On) nicht zum besten steht, und sich das Nachfolgeprogramm mit der Bezeichnung MUOS (Multi-User Objective System) immer weiter hinauszögert.  Diese Verzögerungen drohen ein kritische Lücke in der Übertragungskapazität der Navy herbeizuführen. Die Navy hatte vor einiger Zeit bekanntgegeben, dass sie möglicherweise einen oder mehrere UFO-Transponder auf einem kommerziellen Satelliten platzieren wollte. Den Plan hatte man in diesem Jahr aber wieder zurückgezogen.

Beobachter haben inzwischen bestätigt, dass die ersten Signale des neuen Satelliten mit den Signalen der UFO-Satelliten konsistent sind. Zumindest eine Verbindung zu diesem Programm scheint also zu existieren.

Halten wir also fest, was wir wissen: PAN ist ein Kommunikationssatellit, es ist eine "schnelle" Beschaffung für eine Regierungsstelle, es beinhaltet auch keine neue Technologie, es könnte der erste Satellit sein, der auf diese Weise für die Regierung beschafft wird und er steht in irgendeiner Form mit dem UFO-Programm in Verbindung.  

Warum aber in aller Welt ist dann der Eigentümer klassifiziert? Warum wird in den Verlautbarungen nur allgemein auf die "Regierung" Bezug genommen, und nicht auf den spezifischen Kunden innerhalb der Regierung? Selbst das supergeheime National Reconnaissance Office hat kein Problem damit, Satelliten die ihm gehören auch also solche zu identifizieren.

Es könnte also sein, dass der Besitzer eine Regierungsorganisation ist, von der wir noch nichts gehört haben. Zumindest nicht im Zusammenhang mit Kommunikationssatelliten.  Vielleicht das CIA oder das NURO (Naval Undersea Reconnaissance Office).  

Oder die Aufgabe des Satelliten ist so geheim, dass auch der Eigentümer geheim gehalten werden muss. Vielleicht werden über diesen Satelliten zukünftig unbemannte Drohnen im Irak und in Afghanistan gesteuert.

Die Spekulationen halten an, und man kann gespannt sein, welche weiteren Vermutungen hier noch entstehen werden. Die einfachste Erklärung aber wird weitaus seltener geäußert. Nämlich dass der geheimnisvolle Mitspieler im Geschäft der militärischen Kommunikation in den USA einfach Lockheed Martin selbst ist. Das Unternehmen hat wahrscheinlich den Satelliten auf eigene Kosten in den Orbit gebracht und vermietet nun den Regierungsorganisationen schlichtweg die Transponder. Die ganze Neuheit mag also darin bestehen, dass der Hersteller des Satelliten auch den ganzen Betrieb anbietet, und der Regierungskunde nur noch die Daten kauft. Das wäre ein Modell, wie es Astrium in Europa mit seinen Paradigm-Services schon seit Jahren durchführt.

Astra