Am 31. August wurde Chinas 13-jährige Erfolgsserie in der Raumfahrt unterbrochen. Eine Rakete des Typs Langer Marsch 3B lieferte an diesem Tag den Indonesischen Kommunikationssatelliten Palapa D in einem zu niedrigen Erdorbit ab.

Zunächst schien die Mission nach Plan zu verlaufen. Die dreistufige Rakete mit den vier flüssigkeitsbetriebenen Zusatzboostern, der größte Träger im chinesischen Inventar, verließ die Startbasis in Xichang am Montag um 11:28 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

Die Brennphase der ersten beiden Stufen verlief problemlos. Auch die erste Zündung der dritten Stufe klappte reibungslos. Dann jedoch kam es während der zweiten Brennphase zu einer noch ungeklärten Anomalie. Die beiden YF-75 Triebwerke arbeiteten offensichtlich nicht für die vorgesehene Zeitdauer.

Der erreichte Orbit wies nach dem (vorzeitigen) Brennschluss ein Perigäum von etwa 220 Kilometern, ein Apogäum von etwa 21.140 Kilometern und eine Bahnneigung zum Äquator von 22 Grad auf. Die geplanten Werte wurden vor dem Flug nicht bekannt gegeben, doch liegen sie erheblich unter dem Leistungsvermögen der Langer March 3B beim Transport eines 4.100 Kilogramm schweren Satelliten. Der Träger kann normalerweise 5.100 Kilogramm auf ein Apogäum von 35.600 Kilometern bringen. Der fehlende Geschwindigkeitsimpuls dürfte somit bei etwa 350 - 400 Meter pro Sekunde liegen, eine Größenordnung, die der Satellit wahrscheinlich selbst kompensieren kann, die aber zu Lasten eines Teils seiner Orbit-Lebensdauer von - geplant - 15 Jahren gehen dürfte.

Die etwa 13 Meter lange dritte Stufe erzeugt einen Schub von etwa 15 Kilonewton. Sie hat die Aufgabe den Satelliten zunächst in einen niedrigen, annähernd kreisförminge Parkorbit um die Erde zu bringen, und danach in einer zweiten Brennphase diesen Orbit in eine langgestreckte elliptische geostationäre Transferbahn umzuwandeln. Diese Stufe war bislang äußerst zuverlässig und war noch nie zuvor an einem Start-Zwischenfall beteiligt gewesen.

Der Satellit war von Thales Alenia Space in Frankreich für das indonesische Unternehmen Indosat Telecommunications gebaut worden. Das Raumfahrzeug ist mit 35 C-Band- und fünf Ku-Band Transpondern ausgerüstet. Seine Einsatzleistung beträgt sechs Kilowatt. Der Satellit war als Ersatz für Palapa C2 bestellt worden, der im Jahr 1996 gestartet worden war. Man erwartet, dass Palapa C2 seinen Lageregelungstreibstoff im Jahre 2011 aufgebraucht haben wird, und danach nicht mehr einsatzfähig ist.

Der Bau und der Start von Palapa D dürfte alles in allem etwa 250 Millionen Dollar gekostet haben.

Der Start am Montag war der 12 Einsatz einer Long March 3B Rakete, die in den letzten zehn Einsätzen fehlerfrei gearbeitet hatte. Beim Erstflug des Trägers im Jahre 1996 war es zu einem der schwersten Unfälle in der Raumfahrtgeschichte gekommen, bei dem es zahlreiche Tote gegeben hatte. Damals war die Rakete beim Start eines amerikanischen Kommunikationssatelliten unmittelbar nach dem Start vom Kurs abgekommen und in ein nahegelegenes Dort eingeschlagen. Die Anzahl der Toten wurde nie veröffentlicht, muss aber sehr groß gewesen sein. Der Vorfall wird heute als das Valentinstags-Massaker bezeichnet. Im selben Jahr war es noch zu einem weiteren chinesischen Startunfall gekommen. Seitdem waren alle chinesischen Starts fehlerfrei abgewickelt worden.

Das unterste Bild zeigt ein Bauteil der ersten Stufe, die - wie bei Starts von Xichang üblich - auf Land (und häufig in bewohnten Gebieten) niedergeht.

Nachtrag: Am 3.9. wurde mit dem von Astrium gebauten Bordtriebwerk des Satelliten die Bahn auf ein Perigäum von 216 Kilometern, ein Apogäum von 35.687 Kilometern und eine Inkliniation von 22.1 Grad angehoben. Dies entspricht wahrscheinlich dem ursprünglich vorgesehenen Ausgangswert für den Einschuss in die geostationäre Bahn. Am 9.9. erreichte Palapa D dann nach drei weiteren Zündungen den vorgesehenen geostationären Orbit. Die voraussichtliche Lebensdauer-Einbuße, welche dieser gewaltige Kraftakt den Satelliten kostet, dürfte etwa fünf Jahre betragen.

Astra