Start Delta 2; Credit: ULA, Carleton Bailey Der Abschied von der Delta 2 beginnt in Etappen. Über Jahrzehnte war sie einer der zuverlässigsten Träger im Stall der NASA,  der amerikanischen Luftwaffe und für zivile Kunden. Aber alles ist einmal zu Ende. Am 17. August ging zum letzten Mal eine Delta 2 vom Startkomplex 17 A der Cape Canaveral Luftwaffenstation in Florida auf die Reise ins All.

 GPS Satellit; Credit: Lockheed Martin
 Vor dem Start; Credit: ULA, Carleton Bailey
 Liftoff; Credit: ULA, Carleton Bailey
 Boostertrennung; Credit: ULA, Carleton Bailey
 Deltastart; Credit: ULA, Carleton Bailey

Der Startkomplex 17 ist seit den späten 50iger Jahren in Betrieb und hat seitdem 160 Starts von Thor- und Delta-Raketen erlebt. Nach der heutigen Mission wird die NASA die gesamte aus zwei Startrampen bestehende Anlage übernehmen. Die Raumfahrtbehörde hat noch zwei Delta-Starts in ihrem Start-Manifest, die werden aber von der benachbarten Startrampe 17B stattfinden. Anlage 17A wird stillgelegt.

Der Start am 17. August war der 60. eines Satelliten des Global Positioning Satellite Systems (GPS). Der erste experimentelle Satellit dieser Serie startete im Februar 1978 an Bord eines Atlas-Boosters von der Luftwaffenbasis Vandenberg in Kalifornien.  Danach folgten von dort zehn weitere Starts bis zum Jahre 1985 in der das US-Militär das weltraumgestützte Navigationssystem mit den so genannten Block 1 GPS Satelliten erprobte.

Die Starts für das heute eingesetzte operationelle GPS System auf Delta 2-Raketen von Cape Canaveral aus begannen im Februar 1989. Bei diesen Flügen wurden neun so genannte Block 2 und 19 Block 2A Satelliten gestartet, die von Boeing hergestellt worden waren. Die von Lockheed Martin produzierten Satelliten der 2R wurden ab 1997 gestartet um die Konstellation aufzufrischen.

Der heutige Start begann um 12:35 Uhr mitteleuropäischer Zeit mit der Zündung des RS-27A Haupttriebwerkes, das mit flüssigem Sauerstoff und Raketen-Kerosin betrieben wird und einen Schub von gut 90 Tonnen leistet. Unmittelbar darauf erfolgt die Zündung von sechs der neun Alliant-Techsystem Boostern, von denen jeder einen Schub von 50 Tonnen erbringt. Diese Feststoffmotoren sind nach 69 Sekunden ausgebrannt und werden dann abgeworfen. Unmittelbar vor dem Abwurf der ersten sechs Einheiten zünden die drei verbliebenen Feststoffmotoren, die ihrerseits für weitere 69 Sekunden Zusatzschub liefern.

 

Zwei Minuten und 15 Sekunden nach dem Abheben sind auch sie ausgebrannt und werden abgeworfen. Danach arbeitet der Erststufenmotor alleine weiter. Vier Minuten und 43 Sekunden nach dem Abheben ist der Treibstoff der ersten Stufe aufgebraucht, die Stufe wird abgeworfen und das Triebwerk der zweiten Stufe nimmt seinen Betrieb auf.

Die zweite Stufe der Delta 2 wird von einem Aerojet AJ10-118K Triebwerk angetrieben, das gut vier Tonnen Schub erbringt. Der Motor wird von Aerazin 50 und Stickstofftetroxid angetrieben, eine hochgiftige Treibstoffkombination.

Fünf Minuten und 16 Sekunden nach dem Abheben wird die Nutzlastverkleidung abgetrennt.

Elf Minuten und vier Sekunden nach dem Abheben erfolgt der erste Brennschluss der zweiten Stufe. Danach beginnt eine Phase freier Drift, bis das Apogäum der Übergangsbahn erreicht ist.

62 Minuten und 40 Sekunden nach dem Abheben von der Startrampe 17A der Cape Canaveral Luftwaffenstation zündet die zweite Stufe erneut, dieses Mal für 43 Sekunden. Dann beginnen kleine Raketenmotoren die Stufe in schnelle Rotation zu versetzten und gleich darauf trennen sich zweite und dritte Stufe.

Als dritte Stufe dient ein Thiokol 48B Feststoffmotor.

64 Minuten und 55 Sekunden nach dem Start beginnt die schnell rotierende dritte Stufe mit dem Satelliten an ihrer Spitze zu feuern. 66 Minuten und 20 Sekunden nach dem Start ist auch sie ausgebrannt. 70 Minuten und 35 Sekunden nach dem Verlassen der Rampe trennt sich der Satellit von der Oberstufe.

Etwa zur selben Zeit unternimmt die alleine fliegende zweite Stufe ein drittes Brennmanöver um die Inklination so zu ändern, dass der überwiegende Teil ihrer zukünftigen Orbitalbahn über dem Meer verläuft. Wenn sie in einigen Jahren in die oberen Schichten der Erdatmosphäre eintritt, werden ihre Überreste mit 80prozentiger Sicherheit ins Wasser fallen.

GPS 2R-21 ist die 281. Primärnutzlast die mit einer Delta 2 in den letzten 20 Jahren in den Weltraum gebracht wurde.  Und weil wir gerade bei der Statistik sind, hier noch ein paar Zahlen:

 
  • Der Start heute war der 343. Start einer Delta seit dem Jahre 1960
  • Es war der siebte Start einer Delta in diesem Jahr
  • Es war die 144. Delta 2-Mission seit 1989
  • Es war die 69. Delta 2 die in der 7925 Konfiguration flog
  • Es war der 60. Start eines US-GPS Satelliten
  • Es war das 49.  Mal,  dass eine Delta 2 mit einem GPS Satelliten startet.
  • Es war der 21. GPS Block 2R Satellit und der 8. der modernisierten Serie.
  • Es war der 108. Start einer Delta 2 von Cape Canaveral
  • Es war der 62. und letzte Start einer Delta 2 von der Startrampe 17A.
  • Der 89. Start einer Delta 2 in ununterbrochener Folge

Derzeit existieren noch 12 Delta 2-Raketen. Sieben davon sind bereits verkauft. Zwei davon wird die NASA von der Rampe 17B in Cape Canaveral starten, die restlichen fünf gehen von der Luftwaffenbasis Vandenberg auf die Reise ins All. Fünf Raketen warten noch auf Käufer.

Der heute in den Orbit gebrachte GPS-2R 21 wird den im Juli 1996 gestarteten GPS-2A 26 auf der Position 3 der Bahnebene 3 in einer Kreisbahn in 17.700 Kilometern Höhe ersetzen.

Astra