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GOCE artists impression; Credit: ESA Der "Schwerefeld-Surfer“ GOCE (für: Gravity-Field and Steady-State Ocean Circulation Explorer) wurde am 17. März erfolgreich vom russischen Weltraumbahnhof Plesetsk in eine niedrige Erdumlaufbahn gebracht. Der Transport in den Orbit wurde um 15:21 Uhr mitteleuropäischer Zeit von einer russischen Trägerrakete des Typs Rockot Breeze KM durchgeführt.

 
 
 
 GOCE mit Transportsicherungen im Cleanraum
 Fairing mit Logos; Credit: ESA
 GOCE am Launch Pad; Credit: Chrunitshev

neigung von 96,7 Grad zum Äquator erreicht, sich von der Breeze KM getrennt und erste Signale ausgesendet. Die Trägerrakete wurde von Eurockot Launch Services zur Verfügung gestellt, einem Joint Venture zwischen dem Vermarkter EADS Astrium und Chrunitschev, dem Hersteller der Rakete.

Der rund 1.100 Kilogramm schwere GOCE wurde von einem internationalen Industriekonsortium unter der Führung von Thales Alenia Space für die europäische Weltraumorganisation ESA gebaut. Astrium in Friedrichshafen war mit dem Bau der Satellitenplattform maßgeblich an diesem Projekt beteiligt. Von Astrium Spanien stammt die Kohlefaserstruktur der Plattform.

Aus einer Höhe von lediglich 250 Kilometern wird der Forschungssatellit mindestens 24 Monate lang das Innere unseres Planeten und die Meere und Ozeane erforschen.

Mit Hilfe der Messdaten, die der Satellit liefert, kann das Schwerefeld der Erde exakter vermessen werden als je zuvor. Neben der Möglichkeit den Aufbau des Erdinneren genauer zu studieren, dienen die Daten auch der Messung eines möglichen Anstiegs des Meeresspiegels oder der Analyse von Meeresströmungen, die für unser Klima von entscheidender Bedeutung sind. Somit trägt GOCE zur Verbesserung von Klimamodellen und Klimavorhersagen bei.

Satelliten bieten die einzige Möglichkeit, das gesamte Schwerkraftfeld der Erde einheitlich zu vermessen. Um die Gravitationsmessungen optimal durchführen zu können, wurde GOCE so konstruiert, dass er auf einer extrem niedrigen Umlaufbahn über der Erdoberfläche fliegen kann. Dabei kommt Satellitenplattform eine besondere Bedeutung zu: Instrumente und Satellitenkörper formen ein Ganzes, es gibt keinerlei bewegliche, mechanische Teile im Satelliten. So kann er stabil und ruhig seine Bahn ziehen, ohne dass Störbeschleunigungen durch kleinste Bewegungen im Satelliten die Messergebnisse verfälschen. Aerodynamische Ablenkungen durch die Restatmosphäre werden minimiert. Elektrische Antriebe - Ionentriebwerke - gleichen Bahnabweichungen, die nicht durch Schwerkraftdifferenzen verursacht werden durch eine kontinuierliche, hochgenaue aktive Lageregelung aus.

Das Erdschwerefeld ist nicht vollkommen symmetrisch. Ähnlich wie die Meeresoberfläche weist es zahlreiche „Beulen“ oder „Dellen“ (Experten sprechen von Anomalien) auf, die GOCE auf einer leichten Wellenbahn fliegen lassen, so wie ein Surfer im Meer. Im Bereich stärkerer Schwerkraft wird GOCE etwas an Höhe verlieren und dabei an Geschwindigkeit zunehmen, während er über Gebieten mit schwächerer Schwerkraft an Bahnhöhe gewinnen und an Geschwindigkeit verlieren wird. Daraus entsteht dann eine globale "Landkarte" des Schwerefeldes der Erde (Geoid) mit außergewöhnlicher Genauigkeit und Auflösung.

GOCE ist die erste Mission des Earth Explorer Programms der ESA, das im Jahre 1999 ins Leben gerufen wurde und in den nächsten zwei Jahren insgesamt fünf Starts von Erderkundungssatelliten vorsieht.

Astra