Express AM 44 während des Tests; Credit: kosmonavtika Für die Proton könnte das - von der Anzahl der geplanten Starts her betrachtet - ein richtig gutes Jahr werden, wenn nicht wie in jedem der vergangenen drei Jahre wieder ein Fehlstart die Statistik und damit auch die Höhe der Versicherungsprämien versaut. Beim ersten Einsatz des Jahres, der gleichzeitig eine Reihe von Erstleistungen für diesen Träger mit sich brachte, klappte aber alles wie am Schnürchen und die schwere russische Rakete führte mit zwei Kommunikationssatelliten einen direkten Einschuss in die geostationäre Umlaufbahn durch. Dies ist eine Spezialität der Proton M Breeze M, die einen sehr komplexen, mehr als neun Stunden langen Flugverlauf mit vier großen Brennmanövern der Oberstufe erfordert.

 Montage der Proton 2; Credit: Chrunitshev
 Launcher mit Nutzlast werden für den Transport zur Rampe vorbereitet; Credit: Chruntishev
 Proton M am Launch Pad
 Start; Credit: Kosmonautika

Die sechs Erststufentriebwerke der Proton erwachten um 2:03 Uhr mitteleuropäischer Zeit in der schneebedeckten kasachischen Steppe zum Leben. Vor Ort, obwohl der Tag schon um vier Stunden weiter fortgeschritten war, war es um diese Zeit noch dunkel. Der Start erfolgte vom  Komplex 200, der in den letzten Jahren wenig benutzt worden war. Im Zuge der zunehmenden Startzahlen der letzten Zeit kommt er nun wieder zu Ehren.

Innerhalb von zehn Minuten nach dem Liftoff brachten die ersten drei Stufen den Träger bis auf knapp unterhalb Orbitgeschwindigkeit, bevor die Breeze M Oberstufe für eine erste Brennperiode feuerte um sich selbst und den Satelliten in einen niedrigen Übergangsorbit zu befördern. Danach waren drei weitere Brennmanöver nötig, um Express AM44 und Express MD1 in den Zielorbit zu transportieren. Exakt um 11:15 Uhr mitteleuropäischer Zeit gab der Träger Express AM 44 frei, 15 Minuten später folgte Express MD1.

Die beiden Satelliten wogen zusammen 3.700 Kilogramm. Express AM44 war von Reshetnev gebaut worden, einer russischen Aerospace-Firma die vordem unter der Bezeichnung NPO PM bekannt war. Express MD1 wurde von Chrunitshew gebaut. Die Kommunikationsnutzlast für beide Satelliten kam von Thales Alenia Space aus Frankreich. Betrieben werden die Raumfahrzeuge nach ihrer Indienststellung von der "Russian Satellite Communications Corporation" (RSCC).

Express AM44 wog beim Start 2.530 Kilogramm. Seine endgültige Parkposition wird er auf 11 Grad westlicher Länge finden. Dort wird er den langsam in die Jahre kommenden Express A3 ersetzen, der Kommunikationsdienste speziell für die Staaten der früheren Sowjetunion bereitstellt. Die Kommunikationsnutzlast des Satelliten umfasst 16 Ku-band, 10 C-band und einen einzelnen L-Band Transponder. Seine Lebensdauer ist auf 12 Jahre ausgelegt.

 Express MD1 ist das erste Mitglied einer neuen Familie kleiner Nachrichtensatelliten die speziell für die Zwecke von RSCC entwickelt wurde. Das 1.170 Kilogramm schwere Raumfahrzeug wird auf 80 Grad östlicher Länge stationiert. Die Kommunikationsnutzlast besteht aus acht C-Band Transpondern und einem einzelnen L-Band Transponder.

Bei diesem Start wurde eine verbesserte Version der Proton verwendet, die ihren Erstflug aber bereits bei einer kommerziellen Mission im Juli 2007 hatte. Sie ist mit einem leichten Stufen-Zwischensegment aus Graphit-Epoxy anstelle des bislang üblichen Metalladapters ausgestattet. Die Konstrukteure verbesserten außerdem das Lageregelungssystem und verringerten die Anzahl der Treibstofftanks von sechs auf zwei.  Diese Modifikationen waren besonders im Hinblick auf die Leistungsverbesserung bei sehr lang dauernden Trägermissionen, die direkt in den geostationären Orbit führen, vorgenommen worden.

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