Jason war in der griechischen Sage ein Seefahrer, der sich auf seinem Schiff Argo mit einer Schar von Freunden, die sich die "Argonauten" nannten, auf den Weg zur Insel Kolchis machten, um dort nach dem goldenen Vlies zu suchen. Nach vielen Gefahren erreichten sie die Insel. Das goldene Vlies wird gefunden und Jason verliebt sich in Medea, die Tochter des Königs von Kolchis. Doch das Happy-End bleibt ihm verwehrt, am Ende begeht Jason Selbstmord, nachdem Medea dem Wahnsinn verfallen war und ihre eigenen Kinder getötet hatte.

Die französisch-amerikanische Projektcrew focht das traurige Ende des griechischen Seefahrers aber nicht an, denn schon der vorherigen Satelliten im gemeinsamen französisch-amerikanischen Meeresforschungsprogramm trug den Namen "Jason".  Ziel des sehr langfristig angelegten Projektes ist vor allem die Messung der Meeresströme mittels zentimetergenauer Bestimmung des Meeresspiegel-Niveaus. Die weltraumgestützte Beobachtung begann im Jahre 1992, als die NASA und die französische Raumfahrtbehörde CNES die Mission TOPEX/Poseidon starteten.

Der Bezug zur griechischen Seefahrer-Mythologie gefiel den Projektverantwortlichen wohl, denn der nächste Satellit dieser Reihe wurde auf den Namen Jason getauft und ging 2001 auf die Reise. Jason 1 liefert seither seine Daten an die europäische EUMETSAT (EUropean Organization for the Exploitation of METeorological SATellites) und die amerikanische NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration). Das Hauptinstrument von Jason 2 trägt übrigens weiterhin den Namen des griechischen Meeresgottes. Poseidon 3, wie das von der französischen CNES entwickelte Gerät heißt (seine beiden Vorläufer waren bereits auf TOPEX/Poseidon und Jason 1), kann nicht nur das Meeresniveau genau bestimmen, sondern auch die Strömungsrichtung, die Wellencharakteristik und die Windgeschwindigkeit.

Mit der langfristigen Betrachtung der Meeresströmungen versucht man Rückschlüsse auf Klimaschwankungen zu ziehen. Jason 2 kann die Meereshöhe mit einer Genauigkeit von wenigen Zentimetern ermitteln.

Jason 2 wird die Arbeit von Jason 1 fortzusetzen (der nach wie vor gut funktioniert, obwohl er teilweise schon mit den Reservesystemen arbeitet). Recht genau wird die Aufgabe des neuen Satelliten übrigens von der korrekten Missionsbezeichnung beschrieben. Die lautet OSTM (was bei weitem nicht so schön klingt, wie Jason). Dieses etwas sperrige Akronym steht für "Ocean Surface Topography Mission".

Der gut 500 Kilogramm schwere Satellit wurde von Thales Alenia Space in in Cannes gebaut. Von seiner stark gegen die Eklipitik geneigten Bahn kann er 95 % der eisfreien Ozeane der Erde beobachten. Seine Instrumente sind so ausgelegt, dass er jeden Punkt der Erde mit einer Wiederholfrequenz von 10 Tagen überstreicht.  

Jason 2 ist für eine Einsatzlebensdauer von 15 Jahren ausgelegt. Jason 3, der einmal Jason 2 ablösen soll nachdem die beiden einige Jahre überlappend Dienst machen, ist bereits in der Konstruktionsphase.

Jasons Reise war, wie schon die seines historischen Vorbildes, nicht ohne Probleme und beinhaltete einige Ungereimtheiten.

Der Start erfolgte um 9:46 Uhr mitteleuropäischer Zeit (0:46 Uhr Ortszeit) vom Startkomplex 2 der Vandenberg Luftwaffenbasis in Kalifornien. Als Startfahrzeug kam eine  Delta 2 7320 zum Einsatz. Das ist die Version mit nur zwei Stufen und drei Zusatzboostern, die alle bereits am Boden gezündet werden. Boostertrennung und Trennung der Nutzlastverkleidung klappten problemlos, aber das Haupttriebwerk schaltete einige Sekunden zu früh ab.

Von offizieller Seite liegen dazu noch keine Informationen vor. Es gab lediglich nach dem Absetzen des Satelliten ein kurzes Statement vom NASA Start-Manager Omar Baez, der berichtete, dass die erste Stufe eine "etwas reduzierte Leistung" erbracht hätte, die jedoch von der zweiten Stufe ausgeglichen werden konnte. Jason wurde tatsächlich am Ende wie vorgesehen auf einer kreisförmigen Umlaufbahn in 1.340 Kilometern Höhe bei einer Bahnneigung von 66.03 Grad abgeliefert.

Für die Phase nach dem Aussetzen des Satelliten war ursprünglich ein sehr ungewöhnliches Manöver für die zweite Stufe geplant, nämlich zwei Zündungen von zusammen mehr als siebzig Sekunden Dauer. Danach wäre das Aggregat in einem Orbit von 2.470 x 4.825 Kilometern gelandet, und dies, obwohl mehr als genug Treibstoff an Bord war, um ein De-Orbitmanöver durchzuführen, also die ausgebrannte Stufe in der Erdatmosphäre verglühen zu lassen. Einige Beobachter vermuten daher eine möglicherweise militärisch "Zweitnutzung" der Stufe vorgesehen war (möglicherweise als optisches Ziel für eine spätere militärische Mission), oder eine unbekannte kleine Nutzlast aufwies, die mit der zweiten Stufe verbunden ist.

Tatsächlich aber, aufgrund des noch ungeklärten Leistungsdefizits der ersten Stufe, wurde das Brennmanöver Nummer vier - wahrscheinlich mangels Treibstoff - nicht durchgeführt, Am Schluss "strandete" die Stufe auf einer Bahn mit den Parametern 1.332 x 4.258 Kilometern. .

So umgibt auch diesmal Jasons Reise ein Hauch des Geheimnisvollen.

Astra