Chinas aufblühendes Raumfahrtprogramm erzielte am Mittwoch mit dem erfolgreichen Start der ersten nationalen Raumsonde eine neue Erstleistung. Das Raumfahrzeug mit der Bezeichnung Chang'e 1 startete um 12:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Raumfahrtzentrum Xichang im Südwesten Chinas zu einer auf mindestens ein Jahr angesetzten Wissenschaftsmission im Orbit des Erdmondes.

Für den Transport der knapp 2,4 Tonnen schweren Sonde wurde eine dreistufige Trägerrakete des Typs Long March 3A verwendet. Dieser Träger brachte das Raumfahrzeug zunächst in eine hoch elliptische Erdumlaufbahn mit einem Perigäum von 200 Kilometern und einem Apogäum von etwa 50.000 Kilometern. Um 12:29 Uhr trennte sich das Raumfahrzeug von der Oberstufe des Trägers.

In einem kurzen Aufflackern von Transparenz hatten die chinesischen Offiziellen ihr normalerweise völlig abgeschottetes Raumfahrt-Startgelände für Gäste geöffnet. Im Vorfeld waren für Interessenten, die den Start live sehen wollten, Tickets verkauft worden. Zusätzlich wurde das Ereignis live im nationalen Fernsehen und im Internet übertragen.

Chang'e 1 wird in den nächsten Tagen das Apogäum seiner Bahn immer weiter anheben. Am 31. Oktober wird er sich dann auf einer Flugbahn zum Mond befinden und am 5. November in die Umlaufbahn um den Erdtrabanten einschwenken.

Eine Reihe von Kurskorrekturmanövern wird den Anflug auf den Mond während der fünftägigen Reise "feintunen". Nach der Ankunft am Erdtrabanten wird sich die Raumsonde mit Hilfe ihres Haupttriebwerks nach und nach auf einen Orbit in einer Kreisbahn von 180 Kilometern "herunterbremsen".

Die ersten Bilder sollten dann etwa Ende November übermittelt werden.

Der Start von Chang'e 1 ist ein enormer Schritt vorwärts in Chinas aufstrebendem, rasch wachsenden Raumfahrtprogramm.  In der jüngeren Vergangenheit sind bereits zweimal bemannte chinesische Raumfahrzeuge gestartet worden, und für nächstes Jahr wird eine weitere ambitionierte Mission erwartet. Erstmals soll dann ein mit drei Taikonauten besetztes Raumfahrzeug starten, von denen im Verlaufe des Fluges zwei von ihnen ein Außenbordmanöver durchführen.

Mit dem Flug von Chang'e 1 haben in diesem Jahr bereits neun chinesische Weltraumstarts stattgefunden.

Der Mondorbiter ist der erste Schritt im chinesischen Dreiphasenprogramm zur Erforschung des Mondes. Ein unbemannter Rover soll im Jahre 2012 auf dem Erdtrabanten landen, einige Jahre darauf soll eine Probenrückführmission durchgeführt werden.

Chinas Mondmission startete nur 20 Tage nachdem eine komplexe Japanische Mondsonde mit dem Namen Kagyua zum Erdtrabanten aufgebrochen ist. Indien plant den Start einer eigenen Mondsonde mit der Bezeichnung Chandrayaan 1 im kommenden April. Und der Lunar Reconnaissance Orbiter der NASA wird diese internationale Flotte nächsten Oktober ergänzen.

Astra