Eine Trägerrakete des Typs Sojus FG brachte am Mittwochnachmittag das Raumfahrzeug Sojus TMA 11 in eine Erdumlaufbahn. An Bord befindet sich eine neue Langzeitbesatzung für die Internationalen Raumstation, der in den nächsten sechs Monaten komplexe Montagearbeiten im Rahmen des weiteren Ausbaus der ISS bevorstehen. Kommandantin der Expeditionscrew 16, wie diese Crew bezeichnet wird, ist die NASA-Astronautin Peggy Whitson. Sie wird die erste Frau sein, die das Kommando über die Internationale Raumstation übernimmt.

Unter einem wolkenlosen Himmel im zentral-kasachischen Baikonur startete das Raumfahrzeug um 15:22 Uhr mitteleuropäischer Zeit von derselben Startrampe, von der auch schon Juri Gagarin 46 Jahre zuvor aufgebrochen war. Neun Minuten nach dem Liftoff erreichte das Raumschiff einen ersten Übergangsorbit.

Spektakuläre Fernsehbilder zeigten den Abwurf der vier Booster-Segmente dreieinhalb Minuten nach dem Abheben, gefolgt vom Abtrennen der Rettungsrakete und der Nutzlastverkleidung. Fernsehbilder aus dem Inneren des Raumfahrzeugs erlaubten einen Blick auf die drei Besatzungsmitglieder, die aufmerksam aber sichtlich entspannt in ihrer engen Kapsel den Fortschritt ihres Aufstiegs in den Weltraum überwachten.

Neben Peggy Whitson ist der russische Sojus-Commander Yuri Malenchenko, sowie der erste malaysische Raumfahrer, der Arzt Sheikh Muszaphar Shukor, an Bord. Geht weiterhin alles glatt, dann wird Sojus TMA-11 am frühen Freitagnachmittag an der Raumstation anlegen.

Whitson war bereits Mitglied der fünften Expeditionscrew und verbrachte dabei im Jahre 2002 sechs Monate an Bord der Station. Malenchenko hat bereits drei Raumflüge hinter sich, und hat sogar schon auf der alten russischen Raumstation Mir Dienst getan. Ungewöhnlich, und ein Hinweis auf die dünne Personaldecke im russischen Kosmonautencorps ist der Umstand, dass Malenchenko, der schon einmal als Kommandant zur ISS geflogen ist (als Leiter der ISS-Crew Nummer sieben) bei dieser Mission die Funktion eines Bordingenieurs wahrnimmt.

Whitson und Malenchenko bilden nunmehr die Expedition 16 und werden Expedition 15 mit Kommandant Fjodor Jurchikhin und Flugingenieur Oleg Kotov ersetzen. Die beiden Männer waren mit Sojus TMA-10 am 7. April zur Station gestartet. Der Wissenschaftsoffizier der Expedition 15, der NASA-Astronaut Clay Anderson, kam am 8. Juni mit dem Shuttle Atlantis zur ISS. Er wird zunächst mit Whitson und Malenchenko an Bord der ISS verbleiben bis sein Ersatzmann, der NASA-Astronaut Daniel Tani Ende des Monats mit dem Shuttle Discovery die Station erreicht.

Shukor wird am 21. Oktober mit Yurchikhin und Kotov an Bord von Sojus TMA-10 wieder zur Erde zurückkehren. Der Malaysier hatte einen landesweit ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen, nachdem Russland der malaysischen Regierung den Weltraumflug als Bonus für einen großen Militärauftrag geschenkt hatte.

An Bord der Station wird Whitson Yurchikhin als Missionschef ersetzen, und damit der erste weibliche Kommandant der Raumstation werden. Zufällig wird auch die nur wenige Tage später zur Station startender Raumfähre Discovery dieses Mal von einer Frau befehligt, denn das Kommando über die Mission STS 120 liegt bei Luftwaffen-Oberstleutnant Pamela Melroy. Dadurch wird es zu einem historischen Zusammentreffen im Weltraum kommen, wenn das erste Mal in der Geschichte der Raumfahrt zwei weibliche Kommandanten mit ihren Crews zusammenarbeiten.

Sobald Shukor und die Expedition 15 Crew die Station verlassen haben, werden Whitson, Malenchenko und Anderson die Station für die Ankunft der Discovery vorbereiten, deren Start momentan für den 23. Oktober geplant ist. Hauptziel dieser Mission ist die Lieferung eines Moduls mit mehrere Dockingadaptern, das als Knotenpunkt für weitere Stationselemente dient. Dieses Modul trägt den Namen "Harmony" und wird den Übergang von der bisherigen Station zu den - bei den darauf folgenden Flügen - neu zu liefernden Modulen aus Europa und Japan bilden.

Die Crew der Discovery plant außerdem, eine große Solargenerator-Einheit, die derzeit gefaltet an einer zentralen Stelle der ISS verstaut ist, ganz an das Ende der Station zu bewegen und dort zu entfalten. Die Shuttle-Astronauten werden mindestens vier Außenbord-Manöver benötigen um Harmony zu aktivieren und den Solargenerator zu versetzen. Ein weiteres EVA wird von Whitson und Malenchenko ausgeführt. Diese EVA ist notwendig, um Strom- und Kühlleitungen am Harmony-Modul zu befestigen.

Nach dem Abflug der Discovery werden Whitson und Tani am 13. und 17. November weitere EVA's durchführen. Bei diesen Außenbordmanövern werden Strom- und Kühlleitungen für die Ankunft des europäischen Columbus-Moduls vorbereitet.

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