Am Abend des 18. September brachte eine Trägerrakete des Typs Boeing Delta 2 einen Hochleistungs-Erderkundungssatelliten erfolgreich in den Orbit. Es war dies der 75. erfolgreiche Start einer Delta 2 in ununterbrochener Reihenfolge. Kein anderer gegenwärtig in Dienst befindlicher Trägertyp hat eine solche Erfolgsbilanz zu verzeichnen.

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Der problemlose Countdown, der ohne eine einzige Unterbrechung ablief, kulminierte in einem Liftoff pünktlich um 11:35 Uhr vormittags kalifornischer Ortszeit (20:38 mitteleuropäischer Zeit) vom Luftwaffenstützpunkt Vandenberg nördlich von Los Angeles. Die zwölf Stockwerke hohe Rakete verschwand innerhalb weniger Sekunden in einer niedrigen Wolkendecke, wurde aber kurz darauf von Bahnverfolgungskameras gesichtet, die auf den umliegenden Bergen stationiert sind. Die Flugbahn verlief, wie bei Starts in polare Bahnen von Vandenberg aus üblich, genau nach Süden.

Der zweitstufige Träger benötigte 73 Minuten um den 2,5 Tonnen schweren Satelliten auf seiner vorgesehenen Bahn abzuliefern.

Die Delta 2 hat einen seit Mai 1997 eine ununterbrochene erfolgreiche Startserie, aber auch davor war der Träger schon recht zuverlässig. Bei insgesamt 130 Einsätzen seit dem Jahre 1989 war die Delta 2 insgesamt 128-mal erfolgreich, was einer Zuverlässigkeitsquote von 98,5 Prozent entspricht.

Doch jetzt gehen die Tage dieses Weltraum-Arbeitspferdes langsam zu Ende. Insgesamt werden nur noch 25 Träger dieses Typs hergestellt. Diese zukünftigen Starts enthalten elf Flüge für die NASA einschließlich der DAWN-Mission, die nächste Woche auf die Reise gehen soll. Darüber hinaus fünf Navigationssatelliten vom Typ GPS 2R für die Airforce, drei kommerzielle Missionen und sechs Raketen, für die es noch keine unterschriebenen Startverträge gibt (deren Starts aber mit potientiellen Kunden verhandelt werden).

Es besteht allerdings noch eine geringe Chance für die Weiterführung der Delta 2-Produktion, nämlich dann, wenn Boeing eine staatliche Institution als Partner für die Teilung der Fixkosten findet. In den letzten Jahrzehnten teilten sich Pentagon und die NASA die Kosten der Delta 2. Beide Institutionen vergaben Aufträge, so dass durch eine relativ hohe Stückzahl die Startkosten niedrig waren. Nun ist das Militär aber aus dieser Vereinbarung ausgestiegen und will stattdessen ausschließlich die Raketen des Evolved Expendable Launch Vehicles-Programms nutzen, die Delta 4 und die Atlas 5, sobald die letzten fünf GPS-Satelliten der älteren Baureihe gestartet sind.

Damit wäre die NASA der einzige Regierungs-Nutzer der Delta 2 und müsste alle Fixkosten dafür alleine tragen wie zum Beispiel die Start-Infrastruktur mit insgesamt drei Startrampen in Kalifornien und am Cape Canaveral. Das würde zu einem steilen Anstieg der Stückkosten führen. Die NASA wird sich deswegen wohl ebenfalls dazu entschließen, zukünftig Träger der Typen Delta 4 und Atlas 5 zu verwenden, und dafür eine ähnliche Vereinbarung mit der Luftwaffe abzuschließen, wie seinerzeit für die Delta 2. Dies obwohl beide Trägertypen für die Standard-Nutzlasten der NASA eher überdimensioniert sind.

Profitieren vom 75. erfolgreichen Start in Folge konnte der von Ball Aerospace gebaute Satellit WorldView 1. Er wird die Erde in einem polaren Orbit in etwa 540 Kilometern Höhe alle 95 Minuten einmal umkreisen. Das Auflösungsvermögen seiner Kameras ist so hoch wie bei keinem Zivilsatelliten zuvor.

Trotz der beträchtlichen Entfernung zur Erdoberfläche wird der WorldView 1 in der Lage sein, Oberflächendetails von nur 50 Zentimeter Größe zu identifizieren. Mit dieser Auflösung wird der Satellit aber trotzdem in der Lage sein, fast 500.000 Quadratkilometer täglich zu erfassen. Ein ungeheures Datenvolumen.

Diese Fähigkeit hat selbst die US-Regierung auf den Plan gerufen, und will als Kunde die Dienstleistungen dieses Satelliten in Anspruch nehmen. Neben den militärischen Bedeutung und der Bedeutung für das weltweite Desaster-Monitoring wird der Satellit vor allem auch für Stadt- und Landschaftsplanung, Landerschließungsmaßnahmen und den Umweltschutz eingesetzt werden.

DigitalGlobe, der in Longmont, Colorado, ansässige Betreiber des Satelliten, hat seit sechs Jahren bereits den Satelliten QuickBird in Betrieb. Quick-Bird kann Oberflächenmerkmale bis zu 60 Zentimetern Größe erkennen, hat aber eine wesentlich geringere Bildübertragskapazität. Sie liegt nur bei einem Fünftel des Wertes von WorldView 1.

Die beiden Raumfahrzeuge werden auf abgestimmten Bahnen eingesetzt und fliegen jetzt quasi "im Tandem". Damit kann sichergestellt werden, dass jeder gewünschte Punkt auf der Erde mindestens einmal täglich fotografiert werden kann. Momentan liegt die so genannte "revisit-rate", eine wichtige Kenngröße bei Erdbeobachtungssatelliten, bei drei bis fünf Tagen mit dem solo fliegenden QuickBird.

WorldView 1 ist darüber hinaus wesentlich beweglicher als sein Vorgänger. Für die Raumlagekontrolle werden zum ersten Mal bei einem kommerziellen Erdbeobachtungssatelliten so genannte "Momenten-Gyros" eingesetzt, schnell drehende Lagekontrollkreisel, um die herum der Satellit räumlich ausgerichtet werden kann. Mit diesen Kreiseln kann sich WorldView1 zehnmal schneller in Position bringen als QuickBird.

Die ersten Testbilder werden innerhalb von vier bis fünf Wochen erwartet, gerade rechtzeitig, um damit auch den sechsten Jahrestag des Starts von QuickBird zu feiern, der seinerzeit ebenfalls auf einer Delta 2 von Vandenberg aus in den Orbit gebracht wurde.
Seine volle Einsatzbereitschaft soll WorldView 1 gegen ende des Jahres erreichen.

DigitalGlobe geht davon aus, dass QuickBird noch mindestens weitere zwei Jahre funktionsfähig bleibt. Der neue WorldView 1 hat eine Lebenserwartung von siebeneinhalb Jahren. Auch diesen Satelliten wird Ball Aerospace bauen. Der Start soll gegen ende des nächsten Jahres mit einer der restlichen noch unverkauften Delta 2-Raketen erfolgen.

Astra