Im Oktober 2006 fand der erste X-Prize-Cup statt. Zentrales Ereignis der Veranstaltung war die Northrop Grumman Lunar Lander Challenge. Knapp 30.000 Menschen waren an den beiden Wettbewerbstagen nach Las Cruces in New Mexico gekommen, um die ersten Schritte der privaten Raumfahrtindustrie mitzuerleben.

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Inhalt dieses Artikels:

Fünf Monate vor dem Wettbewerb 2007: Die Teams
Sechs Wochen vor dem Wettbewerb: Die neue Situation
Was ist der X-Prize Cup? Die Regeln
Die Internetseiten der Teams

Vier Teams hatten sich für die Lunar Lander Challenge gemeldet: Acuity Technologies, Armadillo Aerospace, Masten Space Systems und Micro-Space. Tatsächlich antreten konnte letztendlich nur Armadillo und dieses Team verfehlte am Ende nur denkbar knapp den Gewinn des Preisgeldes.

Es zeigte sich, dass die Zeit zwischen der Ankündigung des Wettbewerbs im Mai und der Durchführung im Oktober zu kurz gewesen war. Zu Beginn des X-Prize-Cups hatte von den vier Bewerbern lediglich einer sein Wettbewerbsvehikel fertig, nämlich Armadillo Aerospace. Die Teams von Acuity, Micro-Space und Masten brachten aber ihre Fahrzeuge mit, um sie den Zuschauern zumindest zeigen zu können. Masten führte sogar einige Standläufe mit dem Triebwerk durch.

Die Augen aller Teams und natürlich der Zuschauer richteten sich somit gespannt auf die Crew von Armadillo, als sie ihr Fahrzeug, den "Pixel" für den ersten Flug vorbereiteten.

Auch Armadillo hatte unter enormem Zeitdruck gearbeitet. Die Crew hatte ihre Starterlaubnis von der Federal Aviation Administration (FAA) erst wenige Tage zuvor erhalten. Es war dies erst die zweite Zulassung für ein privat gebautes Raketenfahrzeug überhaupt. Das erste war für SpaceShipOne im Jahre 2003 ausgestellt worden. Die Abnahmeflüge fanden weniger als 24 Stunden vor dem Beginn des X-Prize-Cups statt.

Das Armadillo-Team erhielt während des zweitägigen Events vier Startfenster zugewiesen. Die Crew musste den ersten Termin verstreichen lassen, um die Änderungen umzusetzen, die aus der Auswertung des Tags zuvor erfolgten Abnahmefluges notwendig geworden waren. Zu Beginn des zweiten Startfensters war das Team dann bereit. Pete Worden, der Direktor des NASA Ames Research Center, gab den Start frei. Eine Stunde später war Pixel betankt und flugbereit. John Carmack zündete per Fernsteuerung aus seinem Kontroll-Container das Triebwerk. Mit ohrenbetäubendem Röhren und Fauchen schoss das Vehikel zum ersten Versuch der Level 1 Lunar Lander Challenge in die Höhe.

Pixel blieb für einige Sekunden in geringer Höhe in der Luft stehen, während er unter sich eine gewaltige Staubwolke aufwirbelte. Während dieser Zeit wurden Kalibrierungen vorgenommen. Dann stieg er mit überraschender Grazie auf die geforderten 50 Meter. In dieser Höhe war Pixel hoch genug, um keinen Staub mehr aufzuwirbeln oder unbeabsichtigt ein Buschfeuer zu entzünden.

Im Kommandocontainer steuerte John Carmack, ein Software-Genie, der Computerspiele wie “Doom” und “Quake” entwickelt hat, das Vehikel mittels Joystick. Nach nur wenigen Sekunden war Pixel schon über der Landestelle angekommen. Damit war erst viel weniger Zeit verstrichen, als die geforderten mindestens 90 Flugsekunden für die erste Teilstrecke. Carmack hielt das Vehikel deshalb über dem Lande-Pad in der Luft und wartete ab. Pixel hing regungslos aber ohrenbetäubend laut auf einem mehrere Meter langen Flammenstrahl im blauen Himmel. Als die 90 Sekunden vorbei waren, ließ Carmack das Vehikel absinken. Dabei wirbelte er wieder viel Staub auf, wodurch die Landestelle für die Videokameras an Bord von Pixel nicht mehr erkennbar war. Die Landung erfolgte zu heftig, wie sich zeigte. Alle vier Landebeine knickten weg. Das war's damit für diesen Tag. An einen Rückstart war nicht zu denken.

Mit heroischen Anstrengungen gelang es dem Armadillo-Team, Pixel über Nacht wieder zusammen zu flicken. Damit stand die Entscheidung an: Wird mit der kampferprobten Pixel weitergemacht oder mit dem noch ungetesteten Schwesterfahrzeug Texel. Am Ende entschied sich das Armadillo-Team bei dem Fahrzeug zu bleiben, das sie hierher gebracht hatte und machte Pixel für das Startfenster am Morgen bereit.

Zunächst ging alles nach Plan. Pixel startete eindrucksvoll und die Zuschauer hielten den Atem an, als das Gerät zur Landung herabkam. Doch wieder war das Aufsetzen zu hart erfolgt. Eines der Landebeine war erneut gebrochen. Die Armadillo-Crew arbeitete fieberhaft um Pixel klar zu bekommen. 45 Minuten nach der harten Landung war das Bein provisorisch geflickt. Einige Ersatzteile wurden unter den Rumpf geschoben, um das Vehikel zusätzlich neben dem schwachen Bein abzustützen. Jetzt ein erfolgreicher Rückflug zur Startstelle und Pixel würde 350.000 Dollar gewinnen und einen Platz in der Geschichte.

Im Kontrollwagen drückte Carmack den Startknopf zum letzten Flug im 2006er X-Prize-Cup und seiner letzte Chance, in diesem Jahr noch einen Teil des Preisgeldes aus der Northrop Grumman Lunar Lander Challenge zu gewinnen. Allein, es sollte nicht sein. Als das Raketentriebwerk hochfuhr, stoben die Ersatzteile, die gestützt hatten davon, und in dem Moment, grade bevor das Vehikel vollständig vom Schub des Raketentriebwerks getragen wurde kippte es einen kurzen Moment lang über das kaputte Landebein ab. Pixel hob noch kurz ab, der Sensor an Bord bemerkte die abnormale Orientierung des Vehikels und schaltete daraufhin das Triebwerk ab. Das Vehikel plumpste zu Boden und vorbei war es mit den Hoffnungen des Armadillo-Teams.

 

Fünf Monate vor dem Wettbewerb 2007

Obwohl also im letzten Jahr kein Preis vergeben wurde, und obwohl nur einer der Anwärter tatsächlich Flüge durchführte war der Wettbewerb dennoch spannend und wurde allgemein als großer Erfolg gefeiert. Und obwohl das Schlussresultat für die Crew von Armadillo ein wenig enttäuschend war, wurden sie doch gefeiert, schüttelten viele Hände und gaben zahlreiche Autogramme. Die Entwicklung von Pixel war in weniger als sechs Monaten für nur wenige hunderttausend Dollar erfolgt.

Dieses Jahr machte es zunächst den Eindruck, als würde sich das Bewerberfeld ganz anders darstellen. Die Truppe von Armadillo, die erneut antreten wird, sah sich erheblicher Konkurrenz ausgesetzt.

Vier Monate vor dem Wettbewerb waren nicht weniger als neun Wettbewerber gemeldet. Ich habe mir damals die Teams genauer angesehen: Meine Bewertung aus dieser Phase, in einem Artikel in Raumfahrt Concret festgehalten, war die folgende:

1. Acuity Technologies

Die Männer von Acuity sind keine heurigen Hasen. Sie waren letztes Jahr schon gemeldet, konnten ihr Vehikel aber nicht mehr rechtzeitig klar bekommen. Das wird in diesem Jahr anders sein. Sie arbeiten schon fünfzehn Jahre in der Luft- und Raumfahrtindustrie und sind auf die Entwicklung und den Bau kleiner Drohnen spezialisiert. Ihr Fahrzeug, der X-Hopper wird für beide Wettbewerbs-Level gemeldet.

Das Vehikel wird für Level 1 ein Leergewicht von ungefähr 40 Kilogramm und ein Startgewicht von etwa 220 Kilogramm aufweisen. Für Level 2 sind es 60 Kilogramm und 380 Kilogramm. Beide Fahrzeuge sind in etwa gleich groß: Bei einem Basisdurchmesser von gut 1,7 Metern haben sie eine Höhe von 2,5 Metern.

Angetrieben wird der X-Hopper mit Isopropylalkohol und Wasserstoffsuperoxid. Der X-Hopper kann autonom oder ferngesteuert agieren. Das Vehikel wird übrigens noch einen "Kampf"-Namen bekommen. Adam oder Jamie sind momentan die Favoriten. Die Tests laufen schon recht erfolgreich.

Meine Bewertung: Ernst zu nehmender Bewerber.

2. Armadillo Aerospace

Geniale Amateurtruppe mit Kultstatus, die inzwischen die meisten Profis in die Tasche steckt. Wird finanziert vom IT-Multimillionär John Carmack, der aber nicht nur sein Geld reinsteckt sondern auch selber schraubt und mitmischt. Trotz des Status als Freizeit-Truppe ein heißer Favorit auf den Gewinn des Lunar Lander Contests. Scheiterte letztes Jahr nur denkbar knapp. Sie fliegen das X-Prize Profil seit Monaten regelmäßig und mit Präzision.

Ihr Wettbewerbsvehikel für Level 1 und 2 ist der "Pixel". Für alle Fälle führen sie ein Reservefahrzeug mit, den "Texel. Texel kann allerdings nur den Level 1 Wettbewerb bewältigen. Aus diesem Grund ist Pixel das Primärfahrzeug für beide Wettbewerbe.

Pixel gehört zu den größeren Fahrzeugen des Cups. Er wiegt leer gut 300 Kilogramm und voll betankt fast 1,3 Tonnen. Der Durchmesser über die Kreuzförmig angeordnete Tank-Konstruktion beträgt etwa zwei Meter, und das ist in etwa auch die Höhe des Vehikels. Betrieben werden Pixel und Texel mit flüssigem Sauerstoff als Oxidator und Äthylalkohol als Treibstoff.

Meine Bewertung: Top Favorit

3. Bon Nova

Ein neues Team um den Crew Chief Allen Newcomb, der von Scaled Composites kam, und bereits an SpaceShipOne mitgearbeitet hat. Das Team besteht aus ganzen vier Leuten. Allerdings absoluten Spitzenkräften mit zum Teil jahrzehntelanger Erfahrung. Er will mit zwei verschiedenen Vehikeln beim Contest antreten: Lauryad 1 und 2, die beide recht spacig aussehen.

Die technischen Daten der Lauryads sind noch geheim, lassen wir uns also beim Wettbewerb überraschen. Fakt ist aber dass die beiden Vehikel relativ groß sind (Durchmesser über fünf Meter bei einer Höhe von zwei Metern). Ein erster Triebwerkstest lief bei Bon Nova im Juli recht erfolgreich, trotzdem…

Meine Bewertung: Außenseiter

4. Masten Space Systems

Kleines Start-up-Unternehmen um David Masten, der schon in einer Reihe von kleineren Raumfahrtunternehmen in leitender Position tätig war. Masten wollte letztes Jahr schon teilnehmen, bekam sein Fahrzeug allerdings nicht rechtzeitig startklar. Heuer dagegen sieht es gut aus. Die Tests verlaufen erfolgversprechend und Masten wird an den Start gehen.

Masten nimmt an beiden Levels des Lunar Lander Challenge teil. Mit der XA-02 am Level 1-Wettbewerb, und mit der XA-02B am Level 2-Contest. Beide Fahrzeuge sind relativ groß, dreieinhalb Meter hoch bei einem Basisdurchmesser von 1,3 Metern. Das Gewicht liegt leer bei ungefähr 450 Kilogramm und mit voller Tankladung bei 900 Kilogramm für den Level 1-Flug und etwa 1,3 Tonnen für den Level 2-Flug. Als Treibstoff wird flüssiger Sauerstoff und Isopropylalkohol verwendet.

Meine Bewertung: Gut für Platz zwei oder drei

5. Micro-Space

Mini-Team um Richard Speck, der sich als Konstrukteur kleinerer Raketen-Technologieträger einen gewissen Namen gemacht hat. Was bei klassischen Raketen funktioniert scheint bei seinem Projekt Crusader noch nicht so erfolgreich zu sein. Obwohl Richard Speck bereits im letzten Jahr teilgenommen hat, entsteht der Eindruck, als sei dieses Team in den letzten zwölf Monaten nicht recht vorangekommen.

Micro-Space nimmt nur am Level 1-Wettbewerb teil. Dort allerdings mit zwei Fahrzeugen, der Crusader LL 1 und 2. Die beiden Fahrzeuge sind jeweils etwa 2,5 Meter hoch, haben einen Rumpf-Durchmesser von 60 Zentimeter und eine Spannweite über die Landebeine von 1,8 Metern. Leer wiegen sie etwa 65 Kilogramm, voll betankt etwa 140 Kilogramm. Als Treibstoff wird Methylalkohol benutzt, als Oxidator Wasserstoffperoxid.

Ihr Testprogramm macht derzeit (Ende Juli 2007) keinen sonderlich fortgeschrittenen Eindruck und daher

Meine Bewertung: Chancenlos

6. Paragon Labs

Team-Chef Kevin Sagis kommt von Lockheed und arbeitet dort für die NASA. Seine Firma Paragon besteht seit sieben Jahren und der Arbeitsschwerpunkt des kleinen Unternehmens sind Raumfahrtantriebe. Mit ihrem Volkon - Vehikel beteiligen sie sich ausschließlich am Level 1-Wettbewerb.

Der Volkon ist knapp über einen Meter hoch, und hat einen Durchmesser von 1,8 Metern. Ohne Treibstoff wiegt er knapp 300 Kilogramm, voll betankt sind es gut 800. Als Treibstoff verwendet der Volkon flüssigen Sauerstoff und Äthylalkohol.

Volkon sieht eigenartig aus, um es milde auszudrücken. Eine fast amorph aussehende Anhäufung von Tanks die an ein Molekülmodell erinnern. Trotzdem, die Tests laufen, wenngleich weniger fortgeschritten als bei der Konkurrenz.

Meine Bewertung: Außenseiterchance

7. Speed up

Fünf sympathische Jungs mit dem Traum von der Raumfahrt. Sie haben allesamt das Studium noch nicht lange hinter sich, und müssen ihre Erfahrungen - auch die negativen - erst noch machen. Und dafür wir für Speed up wohl dieser Wettbewerb herhalten müssen. Crewchef Robert Steinke ist immerhin schon seit 2001 mit der Ausbildung fertig und machte sich schon einen Namen als er Software für die Mars Exploration Rover der NASA schrieb.

Im Juli hatten sie es leider noch nicht mal zum Static Firing ihres Triebwerks gebracht und deshalb, so fürchte ich, wird ihre Laramie Rose nicht rechtzeitig fertig sein, um in den Wettbewerb eingreifen zu können. Immerhin waren sie schon einsichtig genug, sich nur für den Level 1-Wettbewerb zu melden.

Die Laramie Rose ist recht groß. Gut 2,5 Meter hoch, mit einem Rumpfdurchmesser von 90 Zentimeter und einer Spanne über die Landebeine von mehr als drei Metern. Sie fliegt mit 90-prozentigem Wasserstoffsuperoxid, das in einer katalytischen Reaktion aktiviert wird,

Meine Bewertung:  Wir sehen sie wahrscheinlich - dann nicht mehr ganz so grün hinter den Ohren - in den nächsten Jahren bei weiteren Wettbewerben des X-Prize-Cups. Für dieses mal aber: chancenlos.

8. Unreasonable Rocket

Das kleinste Team von allen. Ein wirkliches Familienunternehmen. Paul T. Breed, ein Luftfahrt-Systemingenieur, sein Sohn Paul, zwei Freunde und nicht zu vergessen Mary Ellen Breed, die den Jungs den psychologischen Support, prima Mahlzeiten und die Getränke zur Verfügung stellt. Eine Garagenklitsche reinsten Wassers. Extrem sympatisch. Extrem chancenlos. Trotzdem haben sie sich mutig für beide Levels des Wettbewerbs angemeldet. Mit dem Burning Splinter 90 für den Level1-Contest und mit dem Burning Splinter 180 für Level 2.

Die Ziele, die dem erfolgreichen Gewinn des Lunar Lander Challenge noch entgegenstehen sind (leider, leider): Ein erfolgreicher Einzel-Triebwerkstest, ein erfolgreicher Test aller vier Triebwerke, ein erfolgreicher Test des Burning Splinter. Irgendein Test hat.

Meine Bewertung: Nicht locker lassen, Jungs, auch wenn die Preise von den anderen abgeräumt werden. Dabei sein ist alles

9. Das Mystery Team

Nein, die Mannschaft heißt nicht so, die Truppe ist tatsächlich noch geheim. Die Regeln des Lunar Lander Challenge erlauben es, dass ein Team auf eigenen Wunsch bis 60 Tage vor dem Start nicht genannt zu werden braucht.

Sollte dieses Mystery Team aber die Mannschaft von Blue Origin sein (was die anderen Bewerber fürchten), dann hat man damit auch neben Armadillo den heißesten Titel-Aspiranten. Und das professionellste Team. Und das größte Fahrzeug, denn wenn Blue Origin teilnimmt, dann wahrscheinlich mit dem mehrere Tonnen schweren Blue Shepard, der schon etliche geheime (und einen einzigen öffentlichen) Testflug absolviert hat, und für den die Anforderungen des Lunar Lander Challenge keinerlei Problem darstellen dürften

Meine Bewertung: Wenn es Blue Origin ist, dann teilt sich dieses Team den Sieg mit Armadillo.

Sechs Wochen vor dem Wettbewerb

Sechs Wochen vor dem Wettbewerb sah die Situation ganz anders aus. Zunächst ließ das  Mystery-Team einen der Pflicht-Meilensteine, das offizielle Anmelde-Meeting, ohne Begründung verstreichen, was entsprechend den Regeln den Ausschluss vom Wettbewerb bedeutet. Somit werden wir - zumindest für diesmal - nicht erfahren, wer der geheimnisvolle Mitbewerber war. Beim selben Meeting fehlte auch das Micro-Space Team, die damit ebenfalls draußen waren. Richard Speck will aber, wie er in einem späteren Statement bekanntgab, außerhalb des Wettbewerbs trotzdem teilnehmen. Was von dieser etwas seltsamen Aussage zu halten ist, wird sich zeigen.

Dann zeichnete sich ab, dass einige der Bewerber ihre technischen Probleme nicht mehr rechtzeitig für den Contest in Griff bekommen würden. Das Team von Unreasonable Rocket gab als nächstes auf. Sie waren zwar fast bis zum Stadium der Fesselflüge gekommen (Probeflüge an einem Kranhaken) konnten aber die Flugkontrollprobleme nicht rechtzeitig in den Griff bekommen.

Masten Space war bis zuletzt verbissen in der Testphase, aber die updates auf ihrer Homepage kamen zunehmend seltener, was zum einen auf intensive Arbeit, und zum anderen auf ungelöste Probleme hindeutet. Am 18. September kam schließlich die Meldung: Masten wird nicht teilnehmen. Begründung: Der Hersteller der Flugtanks kann nicht rechzeitig liefern.

Schließlich stürzte bei einem Flugversuch Texel, das Reservefahrzeug von Armadillo ab und wurde in einer spektakulären Explosion vollständig zerstört. Armadillo hat aber nach wie vor ihr Primärfahrzeug Pixel im Einsatz. Außerdem gelang es diesem Team auch in kurzer Zeit ein zweites Reservefahrzeug zu bauen, das den Namen Module 1 trägt. Bis zum Wettbewerb will Armadillo ein zweites Vehikel mit der Bezeichnung Module 2 fertiggestellt haben. Armadillo ist wirklich ein extrem professionelles Team, und ein Erfolg beim X-Prize-Cup wäre ihnen zu wünschen.

So bleiben jetzt, wenige Wochen vor dem Beginn des Wettbewerbs (diese Zeilen entstehen am 19. September) die Teams von Acuitiy (über deren Fortschritte fast nichts bekannt ist), Ben Bova (die einige Zündversuche über das Internet veröffentlichten) und Paragon Labs, die mit ihrem Volkon erstaunlich weit gekommen sind und einige originelle technische Lösungen präsentierten (Beispielsweise einen Aluminium-Raketenmotor und eine Schubkontrolle mittels beweglicher Scharniere im Triebwerk) und eben Armadillo.

Wenn auch die Konkurrenz nicht so stark ist, wie zunächst  angenommen, so wird doch zumindest die Zuschauerzahl gegenüber dem Vorjahr stark anwachsen. Die Veranstalter rechnen mit einer Vervierfachung gegenüber dem letzten Jahr. In den beiden Wettbewerbstagen werden 125.000 Menschen erwartet.

X-Prize Cup und Lunar Lander Challenge

Was ist der X-Prize Cup?

Der X-Prize-Cup ist das Ergebnis einer Partnerschaft zwischen der X PRIZE Foundation und dem amerikanischen Bundesstaat New Mexico. Er enstand in der Folge des X-Prize-Wettbewerbs, den bekanntlich Scaled Composites mit SpaceShipOne gewann.

Beim X-Prize-Cup handelt sich dabei um ein jährlich ausgetragenes Festival, eine  Schaubühne der privaten Raumfahrt bei der auch eine Reihe von Wettbewerben ausgetragen werden. Der Cup ist ein zweitägiges Ereignis und fand nach einer Probeveranstaltung im Jahre 2004 erstmals am 20. und 21. Oktober 2006 in vollem Umfang statt. Der diesjährige Wettbewerb findet am 27. und 28. Oktober statt. In diesem Jahr werden die Schwerpunkte auf die Lunar Lander Challenge, den Space Elevator Games (die mit 500.000 Dollar dotiert sind) und der Vorstellung der Flugzeuge für die neue Raketenflugzeug-Rennliga liegen.

Was ist die Lunar Lander Challenge?

Die von Northrup Grumman mit einem Preisgeld ausgestattete Lunar Lander Challenge hat ein ganzes Bündel von Zielen. Zum einen soll es ein Schaukampf für die Fähigkeiten der gerade im Entstehen begriffenen privaten Raumfahrtindustrie sein, es soll aber auch - durchaus praxisnah - die Fähigkeit entwickelt werden, vertikal startende und startende Raumfahrzeug zu entwickeln, deren Wartungs- und Bereitstellungszeiten extrem kurz sind. Außerdem sollen natürlich Technologien entwickelt werden, die es kommerziell geschaffenen bemannten Raumfahrzeuge erlaubt, mit einem Bruchteil der Kosten der institutionellen Raumfahrt, aus dem Mondorbit zur Mondoberfläche abzusteigen und wieder zurück in die Mondumlaufbahn zu starten.

Wie hoch ist das Preisgeld?

Das Preisgeld der Lunar Lander Challenge beträgt insgesamt zwei Millionen Dollar und ist aufgeteilt in 500.000 Dollar für den Gewinn des Level1-Wettbewerbs und 1,5 Millionen Dollar für den Level2-Wettbewerb. Der Erstplatzierte des Level1 erhält 350.000 Dollar, der Zweitplatzierte 150.000 Dollar. Beim Level2-Wettbewerb erhält der Erstplatzierte 1.000.000 Dollar und der Zweitplatzierte 500.000 Dollar.

Wie sind die Regeln?

Der Wettbewerb ist in zwei Kategorien aufgeteilt: Level One, auch bekannt unter der Bezeichnung Vertical Rocket Challenge und Level2, die eigentliche Lunar Lander Challenge.

Bei beiden Wettbewerben müssen die Raketenvehikel mit einer vorgegebenen Nutzlast vertikal starten, danach auf eine vorgegebene Höhe steigen, zu einem Zielpunkt fliegen und dort vertikal auf einer Markierung landen. Innerhalb einer vorbestimmten Zeit muss das Vehikel von dort wieder starten, auf der vorgeschriebenen Höhe wieder zum Startpunkt zurückfliegen, und dort wieder vertikel und exakt auf dem Punkt landen.

Der Unterschied zwischen den beiden Levels besteht im Schwierigkeitsgrad. Die sind so gravierend, dass die Wettbewerber zu den beiden Bewerben mit unterschiedlichen Vehikeln starten dürfen, wenn sie das wollen. Bei Level2 beispielsweise ist eine doppelt so lange Flugdauer und eine doppelt so große Flughöhe gefordert wie bei Level1 und die Landung muss auf einem "mondähnlichen" Terrain mit Felsblöcken und unebenem Boden erfolgen.

Jedes Vehikel muss vor dem Beginn des Wettbewerbs zwei Abnahmeflüge durchführen, um seine Flugtauglichkeit unter Beweis zu stellen. Diese Flüge müssen für den Level1-Wettbewerb mindestens 90 Sekunden dauern, für den Level2-Wettbewerb mindestens 180 Sekunden. Die Flüge müssen innerhalb von maximal 24 Stunden absolviert werden und bestimmte vorgeschriebene Manöver enthalten.
Die Vehikel müssen eine definierte Nutzlast von mindestens 25 Kilogramm Gewicht mitführen, darin enthalten sind mindestens zwei Fernsehkameras, eine Telemetrie-Übermittlungsanlage und ein GPS-Receiver.

Es dürfen nur so genannten "Green Propellants" verwendet werden, also nur ungiftige Treibstoffe wie Alkohol, Kerosin, Wasserstoffsuperoxid, Sauerstoff, Methan, Butan und ähnlches. Verboten sind jegliche hypergole (also selbstzündende) Treibstoffkombinationen und dies, obwohl die NASA in ihren Mondfahrzeugen genau diese Art von Treibstoffen einsetzt.

Wo kann ich mich im Internet informieren:

1. Homepage X-Prize Cup. Hier wird im Herbst der Web-Podcast laufen
2. Homepage Acuity
3. Homepage Armadillo
4. Homepage Bon Nova
5. Homepage Masten Space
6. Homepage Micro Space
7. Unreasonable Rocket
8. Homepage Paragon Labs
9. Homepage Speedup
10. Das Mystery-Team?