Die japanische Raumsonde SELENE wurde am frühen Freitagmorgen auf die erste Etappe ihrer Reise zum Mond gesandt. Das 380 Millionen Euro teure Raumfahrzeug hat den Auftrag, Antworten auf  fundamentale Fragen zur geheimnisvollen Geschichte des Erdtrabanten zu finden.

Die Raumsonde begann ihre Reise an der Spitze einer Trägerrakete des Typs H-2A. 45 Minuten nach dem Start war ein extrem stark elliptischer Erdorbit erreicht, und die zweite Stufe des Trägers gab die gut  3.000 Kilogramm schwere Raumsonde frei. Danach entfaltete SELENE die Solarzellenflächen und die Kommunikationsantennen.

Die anfängliche Bahn der Raumsonde ist ein Erdorbit in Form einer äußerst lang gestreckten Ellipse, deren Apogäum, also der bahnfernste Punkt, zirka 220.000 Kilometer von der Erde entfernt liegt. Die aktuell erreichten Bahndaten waren am Freitag noch nicht erhältlich. Aus dieser Übergangsbahn wird sich SELENE mit bordeigenen Mitteln auf den Weg zum Mond begeben.

Die Startsequenz begann am Freitag um 3:31 Uhr mitteleuropäischer Zeit mit dem Liftoff vom japanischen Startkomplex Yoshinobu auf der Insel Tanegashima. In Japan war das am späten Vormittag.

Der SELenological und ENgineering Explorer, kurz SELENE, ist der erste von vier Forschungsraumsonden die in den nächsten dreizehn Monaten gestartet werden sollen.

SELENE ist die erste japanische Mondsonde, seit ein Technologie-Demonstrator im Jahre 1993 auf der Mondoberfläche zum Absturz gebracht wurde.

SELENE wird die nächsten Wochen damit zubringen, die gegenwärtige Bahnellipse während zweier Triebwerks-Brennperioden bis zur Mondbahn hin auszudehnen. Das erste Brennmanöver wird nach zweieinhalb Erdumkreisungen erfolgen. Etwa 20 Tage nach dem Start wird die Sonde in einen elliptischen polaren Orbit um den Mond einschwenken.

Das Raumfahrzeug wird danach das Apolunäum, also den höchsten Punkt des elliptischen Mondorbits, langsam absenken. Nach einigen Wochen ist ein kreisförmiger Orbit von 100 Kilometern über der Mondoberfläche erreicht.

An Bord von SELENE befinden sich zwei Tochtersatelliten, die nach dem Erreichen des Mondes auf zwei unterschiedlichen Umlaufbahnen stationiert werden. Einer der kleinen Satelliten wird in einem Orbit mit einem Apolunäum von 2.300 Kilometern freigegeben, der andere wird in einer Bahnhöhe von etwa 800 Kilometern abgetrennt und danach ebenfalls eigenständig operieren.

Die beiden je etwa 50 Kilogramm schweren Subsonden tragen die Namen RSAT und VRAD. Sie werden mit SELENE zusammenarbeiten um die geheimnisvollen Massekonzentrationen im Gravitationsfeld des Mondes zu vermessen. Die kleinen Raumfahrzeuge werden außerdem dazu beitragen, die lunare Ionosphere mittels der Beobachtungen von Radio-Interferenzen zu erkunden.

Die Projektingenieure erwarten, dass SELENE etwa 40 Tage nach dem Start ihren Arbeitsorbit erreicht haben wird. Nach der Ankunft wird eine umfassende, zweimonatige Kalibrierung der 15 wissenschaftlichen Experimente durchgeführt. Erst danach beginnt die wissenschaftliche Kampagne der Raumsonde.

Danach ist ein mindestens zehnmonatiger Forschungseinsatz geplant. Allerdings hoffen die Wissenschaftler auf eine wesentlich längere Lebensdauer des Raumfahrzeugs. Die Sonde wird die Grundlagen für eine Reihe weitere Missionen zum Erdtrabanten schaffen.

Astra