Gut zwei Minuten nach dem Abheben vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan kam es zu einer noch ungeklärten Anomalie in der zweiten Stufe des Trägers, die zu einer Zerstörung des Trägers und der Nutzlast, einem japanischen Kommunikationssatelliten, führte.

 

Die mächtige Proton M verließ die Startrampe um 0:43 Uhr mitteleuropäischer Zeit und sollte damit den insgesamt sieben Stunden dauernden Transport in die geostationäre Transferbahn einleiten.

Die sechs mit Hydrazin und Stickstofftetroxid betriebenen Triebwerke der ersten Stufe arbeiteten einwandfrei, die Rakete war mithilfe der Langstrecken-Bahnverfolgungskameras am Nachthimmel über Kasachstan klar zu erkennen. Dann erwarteten die Beobachter auf dem Boden die Stufentrennung. Dieses Ereignis ist mit einer Reihe von pyrotechnischer Vorgängen verbunden und vermittelt dem Beobachter ein spektakuläres Feuerwerk, wenn die erste Stufe abgetrennt wird, und die Motoren der zweiten Stufe zünden.

Nichts davon in dieser Nacht. Kein Aufflackern der Trennmotoren, keine Zündung der zweiten Stufe. Möglicherweise war der gesamte Absprengvorgang der ersten Stufe nicht erfolgt.

Über die Fehlerursache kann derzeit nur spekuliert werden. Die zweite Stufe arbeitet mit drei Triebwerken des Typs RD-210 und einem des Typs RD-211. Das RD-211 trägt dabei den Gasgenerator für alle vier Triebwerke, ansonsten sind die Triebwerke identisch. Das RD-211 liefert auch durch den Gasgenerator auch das Druckgas für die Druckbeaufschlagung der Tanks. Die zweite Stufe hat eine Länge von knapp 11 Metern und wiegt voll betankt 135 Tonnen.

Die Proton ist schon mehr als vierzig Jahre im Einsatz, und weist, über alle Varianten gesehen, eine recht gemischte Bilanz auf. Bis in die frühen siebziger Jahre war der Träger extrem zuverlässig, hat aber danach einen – für die damalige Zeit - annähernd normalen Standard erreicht. Dieser Standard wurde aber nie sonderlich überschritten. Die Zuverlässigkeitsquote der Proton liegt bis auf den heutigen Tag um die 90 Prozent. Moderne westliche Träger haben Zuverlässigkeitsquoten von 95-98 Prozent. Von den 42 Starts für International Launch Services (dem Provider auch dieses Fluges) seit 1996 misslangen vier. Drei davon waren auf Probleme mit der Oberstufe zurückzuführen. Die Basisstufen funktionierten stets einwandfrei. In den letzten Jahren hatte es allerdings ein größeres Modifizierungs- und Modernisierungsprogramm für die Proton gegeben. Der heutige Start war erst der zweite mit dem überarbeiteten Design. Insgesamt hat die Proton seit dem Jahre 1965 schon 327 Missionen durchgeführt.

Die Fehlstarts der letzten zehn Jahre waren dabei eher auf schlampiges Arbeiten der Bodencrews zurückzuführen und weniger auf eine fehlerhafte Konstruktion. So wurden bei früheren Fehlstarts kontaminierter Treibstoff verwendet, oder Fremdpartikel, die bei der Fertigung der Turbinen in den Aggregaten verblieben werden führten zum Versagen der Teile.

Beim heutigen Start wurde der japanische Kommunikationssatellit JCSAT 11 zerstört. Es ist dies der erste japanische ComSat überhaupt, der mit einer Proton transportiert werden sollte.

JSCAT 11 wurde von Lockheed Martin gebaut, basiert auf dem modernen A2100-Bus von Lockheed, der weitgehend aus Composit-Materialien besteht, wiegt gut vier Tonnen und sollte mit 30 Ku-Band-Transpondern und 12 C-Band Sende- und Empfangseinheiten den asiatischen Raum mit Telekommunikationsdiensten versorgen.

Der Unfall der Proton M ist jetzt schon der zweite Startunfall eines Satelliten-Standardträgers in diesem Jahr. Im Januar explodierte eine Sea Launch Zenit 3SL noch auf der Startrampe. Alle Starts der Sea Launch wurden daher auf unbestimmte Zeit abgesagt. Ähnlich wird es nun auch bei der Proton sein. Das bedeutet, dass es langsam eng wird auf dem Markt für Satellitenträger, denn eine immer größere Anzahl von Nutzlasten wartet auf ihren Transport ins All.

Astra