Der Sonntag, 2. September 2007, war ein Tag der Erleichterung für Indiens Weltraumprogramm. Die stärkste Trägerrakete des Landes kehrte gestern Nachmittag in den aktiven Dienst zurück, nachdem ein Triebwerksversagen an einem der vier Booster im letzten Jahr für eine Einsatzunterbrechung gesorgt hatte.

Das Geosynchronous Satellite Launch Vehicle (GSLV) startete um 14:50 Uhr mitteleuropäischer Zeit, exakt in der Minute des Sonnenuntergangs am Startort, dem Satish Dhawan Space Center auf der Insel Sriharikota zur insgesamt fünften Mission seit ihrem Debüt im Jahre 2001. Die 48 Meter hohe Rakete schwenkte nach dem Liftoff ostwärts über den Golf von Bengalen, um den Kommunikationssatelliten INSAT 4CR in den vorgesehenen Orbit zu bringen.

Der Start hatte sich um zwei Stunden verzögert. Bei der ersten Countdown-Sequenz hatte sich nur drei Sekunden vor dem Abheben ein technisches Problem ergeben, das aber rechtzeitig noch innerhalb des Startfensters hatte behoben werden können.

17 Minuten nach dem Abheben gab die mit Sauerstoff und Wasserstoff betriebene Oberstufe der GSLV den Satelliten frei. INSAT 4CR wurde in einem elliptischen Transferorbit abgesetzt, der ein Perigäum von 170 Kilometer und ein Apogäum von 34.510 Kilometern aufweist. Die Bahnneigung zum Äquator betrug 20,7 Grad. Damit war die Apogäumsmarke um 1.230 Kilometer niedriger als vorgesehen, während die Inklination um ein Grad geringer ausfiel als vorausberechnet. Diese seltsame Abweichung deutet eher auf einen Software-Fehler der Flugsteuerung hin, als auf einen technischen Defekt in der Hardware.

Bei einem westlichen Träger würde man bei einer derartigen Ungenauigkeit des Bahneinschusses lediglich von einem Teilerfolg sprechen, die indischen Offiziellen bezeichneten den Start aber als vollen Erfolg. Es kann allerdings tatsächlich davon ausgegangen werden, dass der Satellit die Ungenauigkeit des Bahneinschusses ohne Minderung seiner Einsatzlebensdauer selbst ausgleichen kann, da sich energietechnisch die beiden Fehler in etwa wieder aufheben dürften.

Die Programm-Manager der ISRO gaben außerdem bekannt, dass INSAT 4CR seine beiden Solarzellen-Panele wie vorgesehen entfaltet hat. Nach vollständiger Öffnung, wenn der endgültige Orbit erreicht ist, werden sie von einem Ende zum anderen eine Spannweite von 10 Metern aufweisen.

Der letzte Flug der dreistufigen GSLV, im Juli 2006, hatte nach einer Flugminute im Desaster geendet. Die Untersuchungskommission fand heraus, dass der Fehler in einem defekten Treibstoff-Regelventil an einem der vier Booster zu suchen war. Der Regler hatte einen zu hohen Treibstoffdurchfluss erlaubt, was dazu führte, dass Triebwerksdrücke und Temperaturen im Inneren des Triebwerkes das zulässige Limit überschritten. Dies führte zu einer Sicherheitsabschaltung des Motor nur Momente nach dem Start.

Das Steuerungssystem der Rakete funktionierte jedoch einwandfrei und es gelang ihm, den Träger mit nur drei arbeitenden Boostern auf Kurs zu halten. Erst als im Bereich der Schallgeschwindigkeit, nach etwa 55 Sekunden, die dynamischen Lasten zu groß wurden, brach die Rakete auseinander. Die vier Booster arbeiten für zweieinhalb Minuten und werden mit Hydrazin und Stickstofftetroxid betrieben. Sie sind ringförmi um eine zentrale Feststoff-Stufe angeordnet. INSAT 4CR ist der Ersatz für INSAT 4C, der beim Fehlstart im letzten Jahr verloren ging.

Der 2.140 Kilogramm schwere Satellit wird nun mit seinem Bordtriebwerk den Orbit anheben und die Inklination reduzieren. Schließlich wird er in einer Höhe von 35.750 Kilometer in einem geostationären Orbit über dem indischen Ozean stationiert.  

INSAT 4CR soll seinen Dienst für eine Zeitspanne von mindestens 10 Jahren versehen. Er wird Fernsehsendungen direkt an die Haushalte abstrahlen, Videobilder übertragen und digitale Nachrichtenservices unterstützen. INSAT 4CR trägt 12 Ku-Band Transponder die ganz Indien abdecken können.

INSAT 4CR ist der 11. Kommunikationssatellit der INSAT-Flotte. Mit „INSAT“ werden sowohl Kommunikations- wie auch Wettersatelliten der ISRO bezeichnet.

Astra