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GonetsDie nach einem Fehlstart im letzten Jahr „gegroundete“ russische Kleinträgerrakete Rokot meldete sich am 28. Juli 2012 mit einer erfolgreichen Mission wieder im aktiven Dienst zurück. Der Start erfolgte von der Startrampe 133/3 auf dem nordrussischen Kosmodrom von Plesetzk. Bei diesem Flug wurde zwei Kommunikationssatelliten des Typs Gonets-M, der Militärsatellit Rodnik und die Technologie-Nutzlast MiR auf einem fast polaren Orbit abgeliefert.

Die Rokot war seit einem Fehlstart am 1. Februar 2011 nicht mehr im Einsatz gewesen. Damals hatte ein vorzeitiger Brennschluss der Briz KM-Oberstufe dazu geführt, dass die damals an Bord befindlichen Satelliten auf einem zu niedrigen Orbit abgeliefert wurden und in der Folge nicht mehr verwendet werden konnten.

Die Rokot ist eine für zivile Zwecke modifizierte Interkontinentalrakete vom Typ UR-100N. Die NATO-Bezeichnung für diesen Träger lautet SS-19 „Stiletto“.  Der Träger ist in dieser Version zweistufig und wird in beiden Stufen mit Hydrazin und Stickstofftetroxid betrieben, eine Kombination die für militärische Zwecke gerne gewählt wird, weil sie lange bei Raumtemperatur lagerbar ist. Damit kann die Rakete im militärischen Einsatz im betanktem Zustand in den Silos bleiben.

Für den zivilen Einsatz erhielt die Rokot nicht nur einen entmilitarisierten Namen sondern auch eine leistungsfähige Oberstufe, die aus der auch im Sojus-Programm verwendeten Briz M abgeleitet wurde. Mit dieser Oberstufe, hier als Briz-KM bezeichnet kann die Rokot eine Nutzlast gut etwa zwei Tonnen in eine niedrige Erdumlaufbahn und etwa 1.200 Kilogramm auf einen sonnensynchronen Orbit bringen. Sie liegt damit in der selben Leistungsklasse wie die europäische Vega.

Insgesamt wurde die Rokot bislang 19mal als Satellitenträger eingesetzt. Davon 17mal erfolgreich.

Die Gonets-Satelliten umkreisen die Erde in einer Höhe von etwa 1.500 Kilometern und dienen vor allem der Kommunikationsverbindung mit nördlichen Breiten. Sie speichern die Informationen zunächst und geben sie dann, sobald sie den Empfänger überfliegen, wieder ab. Diese Form der Kommunikation wird als „store and dump“ bezeichnet.  Diese Methode wirkt heutzutage etwas ungewöhnlich hat sich aber gerade in den abgelegenen Gegenden Russlands bewährt

Gonets Satelliten sind seit 1993 im Dienst. Sie wurden vom militärische System Strela abgeleitet, das seit den 60iger Jahren in Betrieb war aber nach dem Zerfall der Sowjetunion ebenfalls zerfiel. Derzeit ist nur ein einzelner operationeller Satellit (er wurde im September 2010 gestartet) im Orbit. Das Gonets-System soll aber zukünftig, man spricht von 2015, aus 12 operationellen Satelliten bestehen.

Die neueste Version, Gonets 1DM haben eine Startmasse von 280 Kilogramm und verfügen jeweils über 16 Uplink- und Downlink-Kanäle. Zu ihren Aufgaben gehören Sprach- und Datendienste wie Email, Fax und Telex. Die Satelliten können aber auch Daten von Einbruchs- und Brandmeldeanlagen sowie von Umweltsensoren entgegennehmen und weiterleiten. Gesendet wird im A- bzw. B-Band (UHF/VHF) mit Übertragungsraten von bis zu 64 Kilobit pro Sekunde. Der Speicher an Bord leistet acht Megabyte, die Sendeleistung  beträgt10 Watt.

Bei Rodnik handelt es sich im Prinzip ebenfalls um einen Gonets-Satelliten, der allerdings militärisch genutzt wird. Er wird Bestandteil der militärischen „Strela“-Konstellation werden und bekam die Bezeichnung Kosmos 2481.

Yubileiniy 2, auch MiR genannt, ist ein russischer Technologie-Satellit. Studenten und Absolventen der Sibirischen Staatlichen Universität für Luft- und Raumfahrt Krasnojarsk haben dieses Raumfahrzeug mit einem Laserreflektor, einer Kamera zur Fernerkundung, zwei Webcams und einem neuartigen Schaltnetzteil ausgerüstet. Zudem arbeitet er mit neuen Elektronik-Komponenten und funkt im Amateurbereich.

In diesem Jahr sind noch zwei weitere Rokot-Starts geplant, im September mit drei russischen Militärsatelliten und im November mit drei den Satelliten der Swarm-Konstellation der ESA.