CZ-2D 1; Credit: ChinanewsWeltraumstart Nummer sieben in diesem Jahr in China. Am 24. August 2010 verließ eine Trägerrakete des Typs Langer Marsch 2D die Rampe 2 des Startkomplexes LA 4 auf dem Weltraumbahnhof Jiuquan, um den chinesischen Erdbeobachtungssatelliten Tian Hui 1 in den Orbit zu bringen.

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CZ-2D; Credit: ModGov

Der Start erfolgte um 9:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit, entsprechend 15:10 Uhr Ortszeit. Das Raumfahrzeug wurde von der Dong Feng Hong gebaut, einem Unternehmen der China Aerospace Science and Technology Corporation (CASC).  Die Bahn des Satelliten ist sonnensynchron und polar, mit einer Orbithöhe zwischen 490 und 505 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 97,35 Grad.

Tian Hui 1 besitzt zwei Kamerasysteme. Eines der beiden ist mit CCD-Sensoren ausgestattet und kann Bilder im Spektralbereich zwischen 0,51 und 0,69 Mikrometern mit einer Bodenauflösung von rund 5 Metern in 3 D und einem Sichtfeld von rund 25 Grad abbilden. Das andere erreicht eine Bodenauflösung von rund 10 Metern und arbeitet in den vier Wellenlängenbereichen zwischen 0,43 und 0,52 Mikrometern, zwischen 0,52 und 0,61 Mikrometern, zwischen 0,61 und 0,69 Mikrometern sowie zwischen 0,76 und 0,90 Mikrometern. Aus dem Arbeitsorbit des Satelliten können die Kamerasysteme rund 60 Kilometer breite Streifen abtasten.

Nach Angaben des chinesischen Verteidigungsministeriums dient der neue Satellit "wissenschaftlichen Experimenten". Außerdem soll er zur Beobachtung von Bodenschätzen und für Kartierungsaufgaben benutzt werden. Auch eine militärische Verwendung des Satelliten mit seiner Fähigkeit zur Anfertigung stereoskopischer Aufnahmen und einer Analyse der Erdoberfläche in unterschiedlichen Spektralbereichen ist denkbar.
Der Start war die siebte chinesische Orbitmission des laufenden Jahres und die 13. eines Trägers vom Typ Langer Marsch 2D seit Einführung im Jahre 1992. Sie ist zweistufig und wird von der Shanghai Academy of Spaceflight Technology gebaut. Die Rakete ist in der Lage etwa 3.500 Kilogramm Nutzlast in einen 200-Kilometer Orbit zu bringen und etwa 1.300 Kilogramm in den beschriebenen polaren Orbit.

Das in der südlichen Mongolei gelegene Startzentrum Jiuquan ist vor allem dadurch bekannt, dass von dort aus Chinas bemannte Missionen durchgeführt werden.

Im Zusammenhang mit dem neuen chinesischen Satellitenstart gibt es eine  ungewöhnliche Beobachtung des Bahnverfolgungszentrums des NORAD (North American Aerospace Defense Command): 24 Stunden nach dem Start wurde auf der Bahn von Tianhui-1nur ein einzelnes Objekt beobachtet. Bei einem Satellitenstart sind es normalerweise mindestens zwei, da die abgetrennte Oberstufe dem Satelliten folgt. Dies deutet darauf hin, dass der Satellit entweder nach wie vor mit der Oberstufe verbunden ist, oder dass die Oberstufe unmittelbar nach der Freigabe des Satelliten ein De-Orbit Manöver durchgeführt hat. Letzteres würde darauf hinweisen, dass die Nutzlast verhältnismäßig klein gewesen sein muss, und der Oberstufe dieses brennstoffintensive Manöver zu erlauben.

Astra