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Credit: Olivia Haider / ÖWF Der 12. April ist vielleicht für einen Großteil der Menschen ein Tag wie jeder andere, und wohl nur wenige wissen, auf der Straße angesprochen, welches Ereignis es an diesem Tag zu feiern gibt, aber den wenigen, die es wissen, bedeutet dieser Tag dafür umso mehr. Am 12. April brach der Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltraum auf und kehrte heil wieder zur Erde zurück.

Rund um den Globus wird dieses Ereignis inzwischen gefeiert. Am 12. April, dem "Cosmonaut's Day" oder "Yuri's Night", wurden 2010 stolze 222 Parties in 67 Ländern gefeiert.

 Credit: Olivia Haider/ÖWF
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 Credit: Daniela Scheer/ÖWF
 Credit: Daniela Scheer/ÖWF

In Österreich fand Yuri's Night dieses Jahr im Museumsquartier im Raum D des quartier 21   statt, den uns die Künstlergruppe monochrom freundlicherweise zur Verfügung stellte. Die Besucher, die an diesem Abend dem strömenden Regen trotzten, wurden mit einem recht exklusiven Programm belohnt. Wir zeigten den Film "Orphans of Apollo", im Anschluss konnten die Gäste via Skype dem Produzenten der Dokumentation Fragen stellen, und der ESA-Astronaut Gerhard Thiele berichtete über seine persönlichen Erfahrungen sowie über Vergangenheit und Zukunft der Raumfahrt.

Nicht immer ist Zeitzeugen klar, welche Bedeutung ein Ereignis oder eine Errungenschaft in der Geschichte einnehmen wird. Dass die Mondflüge des Apollo-Programms eine großartige Leistung waren, das wussten die Leute schon damals. Doch wie gewaltig die unternommene Anstrengung tatsächlich war, das wurde erst nach und nach klar, als in der Raumfahrt keine weiteren vergleichbaren Schritte gesetzt wurden. Je mehr Zeit verging, desto höher stieg die Zahl derjenigen, die laut fragten, ob die Mondlandungen angesichts dessen, dass sie nicht wiederholt wurden, denn tatsächlich stattgefunden hätten.

In der damaligen Zeit lösten die Flüge eine so große Begeisterung für Raumfahrt aus, dass viele junge Menschen sich dem Studium der Ingenieurswissenschaften widmeten, um später einmal an vorderster Front mitarbeiten zu können. Aber es kam nichts Vergleichbares nach. Eine Gruppe einflussreicher Menschen wollte diese Entwicklung nicht so einfach hinnehmen. Sie empfanden sich als Waisenkinder des Apollo-Programms, als "Orphans of Apollo".

Aus diesem Geist heraus bildete sich eine Gruppe, aus der die MirCorp hervorging. Mit dem nicht ehrgeizig, sondern eher aberwitzig erscheinenden Ziel, die Raumstation MIR zu kommerzialisieren. Dieses Vorhaben wirbelte eine Menge Staub auf, und auch wenn die MIR schließlich doch zum Absturz gebracht wurde, so blieb doch das Wissen um eine großartige Leitung zurück.

In seinem Film "Orphans of Apollo" interviewte der Produzent Michael Potter einige der Drahtzieher im MirCorp-Projekt und schilderte die Geschehnisse, die zur Gründung führten. Für Yuri's Night in Wien stellte er den Film zur Verfügung und beantwortete iim Anschluss in einer Skype-Konferenz Fragen des Publikums, wobei er aus dem Nähkästchen über die Entstehung des Filmes plauderte. Dieser Film zeigte allen Besuchern, selbst jenen, die in der Raumfahrt sehr bewandert sind, einige bisher unbekannte Facetten dieses Projektes.

Stargast des Abends war der Astronaut Gerhard Thiele, der 2000 an der Mission STS-99 mit dem Spaceshuttle Endeavour teilnahm und lange Zeit das Astronautenzentrum der ESA in Köln leitete. Bei Yuri's Night in Wien erzählte er von seinem Werdegang, seinen Erfahrungen in der Raumfahrt, aber auch über seine persönlichen Ansichten. Mir persönlich gefiel sein Einwand die Raumfahrt mit der Entdeckung Amerikas zu vergleichen - er meinte, die Ureinwohner würden dieses Ereignis weitaus weniger positiv sehen als wir das tun.

Noch lange nach dem Ende des offiziellen Teils war Gerhard Thiele mit Gästen in intensive Gespräche verwickelt - wir alle haben uns über seinen Besuch als Vertreter einer der wenigen, die über eigene Erfahrungen berichten können, gefreut.

Im Rahmen von Yuri's Night wird der Polarstern Preis durch das Österreichische Weltraum Forum verliehen, worüber ich diesmal ausnahmsweise nicht berichten möchte. Wer mehr dazu wissen möchte, findet alle Informationen hier.

Und wie es sich für eine richtige Yuri's Night gehört, wurde am Ende des Tages natürlich auch noch ausgiebig gefeiert. Den besonderen Flair brachte die Coctail Factory mit einer Bar in den Raum D, an der man aus einer wirklich umfangreichen Karte frisch zubereitete Cocktails auswählen konnte.

Wer nach der Veranstaltung immer noch nicht genug von der Raumfahrt oder dem Weltall hatte, der konnte sich an diesem Abend ein Stückchen davon in Form eines oder zweier Bücher mit nach Hause nehmen, denn unter den Gästen waren auch zwei Buchautoren, die ihre Bücher signierten.

Der "Science Buster" Heinz Oberhummer hatte einige Exemplare seines Buches "Kann das alles Zufall sein", in dem er leicht verständlich und unterhaltsam den Aufbau unseres Universums erklärt.

Über Raumfahrt, insbesondere die russische, sind im deutschsprachigen Raum nur wenige umfassende Bücher erhältlich. Umso positiver fällt in der Literaturliste das Buch "Aufbruch in den Weltraum" von Gerhard Hertenberger auf, der akribisch und dabei sehr unterhaltsam die Stern- und Schreckensstunden der russischen Raumfahrt bis zum Ende der Sowjetunion schildert - kein leichtes Unterfangen, war doch alles, was vor dem Fall des Eisernen Vorhangs geschah, von strengster Geheimhaltung begleitet.

Wer keine Gelegenheit hatte persönlich zu Yuri's Night zu kommen, kann die Bücher und den Film "Orphans of Apollo" auch im Internet bestellen:

Orphans of Apollo (14,93 gut investierte Dollar!)
Aufbruch in den Weltraum (Kichern inklusive)
Kann das alles Zufall sein? (Versteht jeder!)

Wer nicht kommen konnte, hatte die Möglichkeit die Veranstaltung über einen Livestream mitzuverfolgen - der britische Wissenschafts-Filmemacher Phil Moran machte es möglich. Einige haben die Gelegenheit auch genützt. Die Videos sind weiterhin online.

 Flyer Yuri's Night; www.meta-physik.com Flyer Yuri's Night; www.meta-physik.com

Zuletzt möchte ich noch einen Ausblick auf das Jahr 2011 wagen, in dem wir zum 50. Mal Yuri's Night feiern werden: freuen Sie sich mit uns auf ein hoffentlich würdiges Ereignis - und lassen Sie sich überraschen! Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Ankündigung MQ
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