Missionslogo NROL-66 CR NROAm 6. Februar wurde ein Technologiesatellit des National Reconnaissance Office (NRO) mit unbekannter Aufgabenstellung von einer Orbital Sciences Minotaur 1 Trägerrakete erfolgreich in einen Erdorbit gebracht. Das Raumfahrzeug trägt den Codenamen NROL-66, eine Zählnummer, die nichts über den Einsatzzweck des Raumfahrzeugs offenbart. Militärischen Stellen bezeichnen das Fahrzeug auch als RPP, ein Kürzel für die Bezeichnung „Rapid Pathfinder Program“.

Ein Sprecher des NRO gab lediglich bekannt, dass der Satellit Technologien erproben soll, die es der US-Regierung erlauben, geheimdienstliche Informationen besser und schneller zu erhalten. Welche Techniken und welche Sensoren getestet werden sollen, wurde nicht bekannt gegeben. Auch über die Kosten der Nutzlast gab es keine Auskunft.

Das NRO gibt nur in wenigen Ausnahmefällen die wirkliche Bezeichnung eines Satelliten oder seine Aufgabenstellung bekannt. Diese Ausnahmen waren beispielsweise das STEX Technologie-Experiment im Jahre 1998 und das GeoLITE Kommunikationsexperiment im Jahre 2001.

Die Minotaur 1 ist der kleinsten Träger, den das NRO jemals eingesetzt hat. Das Nutzlastvolumen an der Spitze dieser Rakete beschränkt sich auf die Größe eines Kühlschranks. Sie kann 330 Kilogramm auf eine 750 Kilometer-Kreisbahn mit einer Bahnneigung von 99 Grad zum Äquator bringen. Dies sind die Werte einer typischen sonnensynchronen Umlaufbahn.

Die Minotaur startete um 13:36 Uhr mitteleuropäischer Zeit von der Luftwaffenbasis Vandenberg in Kalifornien. Vor Ort brach da gerade die Morgendämmerung an. Die sechs Stockwerke hohe Rakete beschleunigte schnell und durchbrach bereits 30 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe die Schallmauer. 100 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe, noch in der Brennphase der zweiten Stufe, wurde auf Anforderung des Kunden die Übertragung vom Start beendet. Somit war unmittelbar danach zunächst nichts über Erfolg oder Misserfolg des weiteren Verlaufs der ersten Flugphase bekannt.

Das NRO berichtete jedoch tags darauf, dass der Start erfolgreich verlaufen sei. Über die Bahnparameter verlautete nichts, doch war für Beobachter klar erkennbar, dass die Minotaur von Vandenberg aus genau nach Süden flog, was auf eine polare Umlaufbahn hindeutet.

Die erste und die zweite Stufe der Minotaur 1 stammen von Lagerbeständen außer Dienst gestellter Minuteman 2-Interkontinentalraketen. Die Orion 50XL Drittstufe und die Orion 38 Viertstufe kommen dagegen von der Pegasus XL, einem geflügelten Träger für Kleinnutzlasten, den ebenfalls Orbital Sciences anbietet. Das Zusammensetzen von bereits vorhandenen Raketenstufen aus Regierungsbeständen und kommerziell erhältlichen Oberstufen macht die Minotaur 1 zu einem relativ preisgünstigen Träger.

Die Minuteman II führte ihren Erstflug im September 1964 durch. Der letzte Einsatz, eine Übungsmission für die strategischen Raketentruppen, erfolgte im November 1987. Im Rahmen des Entwicklungsprogramms wurden 48 Raketen gebaut. Danach folgte die Produktionsphase, in der 620 Einheiten hergestellt wurden. Insgesamt wurden im Rahmen des Testprogramms und der Einsatzübungen 181 Minuteman 2 gestartet, alle in das Zielgebiet im Kwajalein-Atoll. Vier dieser Flüge endeten als Fehlschlag.

Für die Minotaur 1 gibt es zwei Größen von Nutzlastverkleidungen: Die Standard-Fairing mit einem Durchmesser von 1,27 Metern und eine vergrößerte Verkleidung mit einem Durchmesser von 1,55 Metern. Für diesen Flug wurde die Standardgröße verwendet, wie sie auch in der Pegasus XL Anwendung findet.

Der nächste Flug einer Minotaur 1 ist für den Mai geplant. Dann soll ein Träger dieses Typs von Wallops Island, in Virginia, aus starten. Die Nutzlast wird ein ebenfalls geheimer Satellit des "Operationally Responsive Space" Programms des Pentagons sein. Der Satellit trägt den Namen ORS 1, und man geht davon aus, dass er elektro-optische und infrarot-Sensoren an Bord hat mit dem das US Zentralkommando direkt Aufklärungsdaten aus dem Gefechtsfeld übermittelt bekommen kann.