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Volkssternwarte Wuerzburg, Credit: Peter Schramm Eine Zeitreise zur Entdeckung der Jupitermonde im Januar 1610 gibt es dieses Wochenende in der Volkssternwarte Würzburg. Den nachfolgenden Beitrag zur Einführung in das Thema hat der Amateurastronom und zweite Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Raumfahrt, Peter Schramm, verfasst.

Galileo Galilei entwickelte im Jahre 1609 sein selbstgebautes Fernrohr mit einer Vergrößerung von anfangs Faktor 10 bis hin zum Faktor 30 im Endausbau. Er beobachtete zuerst den Erdmond und die Venusphasen, die ein erster Beleg für die Richtigkeit des kopernikanischen Weltbildes mit der Sonne im Zentrum waren.

Vermutlich nach einer längeren Schlechtwetterperiode mit bedecktem Himmel in Florenz begann Galilei am 7. Januar 1610 erstmals sein Fernrohr auf den Jupiter zu richten. Ein Sternenhimmel-Simulationsprogramm bringt die Gäste in einer Zeitreise 400 Jahre zurück zum Beginn der modernen Astronomie. Sie können die handschriftlichen Aufzeichnungen Galileis verfolgen und sehen parallel dazu den Sternenhimmel. Täglich werden die Notizen umfangreicher. Mal sind zwei dann drei Monde zu sehen. Mit Galileis einfachen Mitteln konnte er die gegen­seitige Bedeckung der Monde noch nicht erkennen. Die Sternenkarte zeigt das reale Bild, gegenüber gestellt ist das Beobachtungstagebuch aus dem Januar 1610.

Dann, am 15. Januar passen erstmals alle 4 Monde in den kleinen Bildausschnitt des ersten astronomischen Teleskops. Galilei benennt sie mit fortlaufenden Zahlen Jupiter 1 bis Jupiter 4. Durch die günstige Stellung des Planeten zu dieser Zeit erkennt er sogar, dass nicht alle Monde genau auf einer Linie stehen, sondern die Bahnen unterschiedlich geneigt sind. Die uns heute bekannten Bezeichnungen Io, Europa, Ganymed und Callisto propagierte Simon Marius aus Gunzenhausen, der nur einen Tag später als Galileo seine ersten Jupiter-Beobachtungen machte. So trennen nur wenige Stunden der zeitlich versetzten Beobach­tung den berühmten Astronomen vom undankbaren zweiten Platz.

Die Namen der Monde sind der griechischen Mythologie entnommen und es handelt sich um Geliebte des Göttervaters Zeus, römisch Jupiter. So ist Io eine Tochter des Flussgottes Inachos. Der Europa erschien Zeus in Gestalt eines Stieres und den Jüngling Ganymed wählte er persönlich als Mundschenk aus und trug ihn als Adler mit mächtigen Flügelschlägen hinauf in den Olymp. Callisto ist eine Jägerin im Gefolge der Jagdgöttin Artemis. Ihr Techtel­mechtel mit Zeus machte seine Frau Hera sehr zornig, weshalb sie Callisto aus Rache in eine Bärin verwandelte, die Jahre später von ihrem eigenen Sohn Arkas gejagt wurde. Gerade noch rechtzeitig bevor er sie mit dem Speer durchbohren konnte, versetzte Zeus beide als Sternbilder an den Himmel, weshalb uns Callisto in zweifacher Weise am Sternenzelt erscheint: Als Jupitermond und als das Sternbild großer Bär, das genaugenommen eine große Bärin ist.

Die Beobachtung der Jupitermonde und ihr zeitweises Verschwinden hinter dem Planeten ist deshalb von so großer Bedeutung, weil nach dem geozentrischen Weltbild alles, wirklich ALLES um die Erde kreisen sollte. Aber jetzt, da es einen handfesten Beleg dafür gibt, dass Objekte auch um andere Himmelskörper kreisen können, eröffnet sich eine völlig neue Sicht. Das geozentrische Weltbild ist vom Sockel gestoßen.

Detailreiche Bilder von den Monden beschließen den Vortrag. Nicht von Galileo dem Astro­nomen sondern von Galileo dem Raumfahrzeug aufgenommen: Von Io dem Vulkan­mond und Europa dem Mond mit seinem riesigen globalen Ozean unter einem 100 m dicken Eispanzer, dem wahrscheinlichsten Platz für außerirdisches Leben in unserem Sonnen­system.

Eine außergewöhnliche Führung von Josef Laufer im Januar dieses Jahres. Besucher sind herzlich willkommen, die Führungen an den genannten Terminen mitzuerleben und mit etwas Glück auch live die Jupitermonde durchs Teleskop zu beobachten.

Termin: Samstag, 23. Januar 2010, 17.30 Uhr bei jedem Wetter

Volkssternwarte Würzburg e.V.
Johannes.-Kepler-Str.
Keesburg/Frauenland
97074 Würzburg
www.sternwarte-wuerzburg.de