Credit: ESPI "Wir haben nicht den Mond entdeckt, sondern die Erde", meinten die Astronauten von Apollo 10. Mehr als 40 Jahre später ging die Konferenz "European Identity through Space" der Frage nach: "Finden wir über das All zu Europa?"

 Credit: ESPI
 Credit: ESPI
 Credit: ESPI

"Der Weltraum hat eine Telefonnummer", erklärte Jean-Jacques Dordain, Generalsekretär der ESA, in seiner Eröffnungsrede, "nämlich die der ESOC in Darmstadt." Dort rufen alle an, die irgendein Problem mit einem Satelliten haben, gleichgültig welche Nation diesen Satelliten betreibt.

Veranstalter der Konferenz war das European Space Policy Institute (ESPI) in Wien. Die Identifikation der Bewohner mit Europa ist nicht besonders stark ausgeprägt. Schon an der Definition von Europa scheiden sich die Geister. Bei der fächerübergreifenden Konferenz "European Identity through Space" gingen Weltraumexperten, Kultur- und Geisteswissenschaftler der Frage nach, ob und wie Raumfahrt diese Identität stärken könnte.

Die europäische Raumfahrt erfreut sich keiner mit jener der NASA vergleichbaren Bekannt- oder Beliebtheit. Während der Durchschnittsbürger hierzulande der amerikanischen Luft- und Raumfahrtagentur Dinge zutraut, die weit über ihre tatsächlichen Leistungen und Kompetenzen hinausgehen, ist vielen Europäern gar nicht bewusst, dass auch Europa eine Raumfahrtagentur hat, geschweige denn dass er, wenn er über deren Leistungen befragt wird, mit wesentlich mehr als Schulterzucken und einem nichtssagenden Blick antworten kann. Nur 20 Prozent der EU-Bürger finden Raumfahrt wichtig.

Dabei hätten die Europäer durchaus allen Grund auf ihre Leistung im All stolz zu sein. Bei Forschung und Erdbeobachtung führt die ESA vor allen anderen Raumfahrtagenturen. Oder ein anderes Beispiel: die Internationale Raumstation, an der die ESA ist mit 8 Prozent beteiligt ist. Wenn man dort arbeitet, berichtet der Astronaut Thomas Reiter, Stargast der Konferenz, der selbst ein halbes Jahr auf der ISS verbracht hat, so hat man in Anbetracht der Menge an in Europa gefertigter Hardware den Eindruck, die Beteiligung wäre wesentlich größer. Dabei beträgt das Jahresbudget der ESA nur einen Bruchteil dessen der NASA. Was das Preis-Leistungsverhältnis betrifft, ist Europa hervorragend, meint Thomas Reiter.

Genau genommen ist dem Durchschnittsbürger gar nicht klar, wozu Raumfahrt denn nun gut sein sollte. Dazu erklärt Jean-Jacques Dordain, er wünsche sich einen Tag ohne Raumfahrt, und fährt fort: "Kein Pariser Taxifahrer kann ohne Raumfahrt leben!" Denn ohne Satellitennavigation wären Taxifahrer im Großstadtdschungel verloren, lautet die Behauptung. Wettervorhersage, Erdbeobachtung, Erkenntnisse über den Aufbau ferner Planeten - das alles gäbe es ohne Raumfahrt nicht.

In einem Punkt unterscheidet sich die europäische Raumfahrt deutlich von der amerikanischen: sie hat ausschließlich zivile Ziele, keine militärischen. So kann man auch die europäischen von den amerikanischen Schwerpunkten unterscheiden: während bei den Amerikanern Sicherheit im Vordergrund steht, ist den Europäern vor allem Armutsbekämpfung wichtig, wobei sie Ressourcenmanagement und Konfliktvermeidung für unumgänglich erachten. So ist es auch naheliegend, dass die ESA umfangreiche Erdbeobachtungsprogramme betreibt, die für Umweltarbeit und Lösungen für das Problem des Klimawandels nötig sind.

Sowohl Europa als auch Weltraum sind schwer greifbare Begriffe. Doch europäische Identität kann nicht durch Diskussionen erzeugt werden, sondern "muss einfach gemacht werden", resümiert einer der Sprecher. Und Dordain geht einen Schritt weiter: wir brauchen eine "Planet-Earth-Identity", meint er, "daran führt kein Weg vorbei."

Die einzelnen Reden sind im Archiv des ESPI nachzulesen
Bericht im Standard

Nox