<meta name=">
Astronomie
: : : Der Orion : : :
Zurück

Zum Inhalt

Über uns

Newsletter

Webmaster

Planetensystem bei Gliese 581; Credit: ESO Bericht auf YouTube

25.4.2007: Erdähnlicher Planet entdeckt!
Pressemeldungen (Auswahl): Der Spiegel, Kurier, Der Standard

Bizarre Eckdaten kennzeichnen den neu entedeckten Exoplaneten Gliese 581c: Die lokale Sonne leuchtet tiefrot und erscheint, wenn man zum Himmel blickt, 20 Mal größer als unser Mond. Ein Jahr dauert nur 13 Erdentage. Der Planet befindet sich nämlich 14-mal näher an seinem Stern Gliese 581 als die Erde an der Sonne. Fast fühlt man sich an den Planeten des kleinen Prinzen erinnert. Und tatsächlich wäre Leben auf diesem Planeten theoretisch möglich. Denn trotz der geringen Entfernung zu seinem Stern könnte nämlich Wasser in flüssiger Form darauf vorkommen.

Erst 15 Jahre ist es her, seit der erste Exoplanet nachgewiesen werden konnte. Seither hat sich die Suche nach "außerirdischen Planeten" aus ihrer Nische befreit. Die ersten Exoplaneten, die gefunden wurden, hatten jedoch allesamt einen "Schönheitsfehler": sie waren riesengroß und umkreisten ihre Heimatsterne häufig in nur sehr knapper Distanz; somit sind diese früh entdeckten Planeten großteils wahre Gluthöllen mit beschränkter Lebensdauer, weil ihre Gashüllen in der Nähe der Sterne rasch verdampfen. Dieser Umstand lag nicht zuletzt daran, dass mit den damals verfügbaren Methoden keine kleineren Planeten gefunden werden konnten.

Planetensuche mittels Messung der Radialgeschwindigkeit; Credit: ESOInzwischen wurden die Suchmethoden verfeinert. An der Europäischen Südsternwarte steht den Astronomen HARPS, der High Accuracy Radial Velocity for Planetary Searcher, zur Verfügung. Dieser ist der wahrscheinlich präziseste Spektrograph der Welt. Wie der Name schon sagt, kann man mit diesem Planetensucher kleinste Geschwindigkeitsabweichungen in der Rotation von Sternen messen. Wie klein? Sehr klein! Die gemessenen Abweichungen liegen in einem Bereich von etwa neun Kilometern pro Stunde, das entspricht etwa der Geschwindigkeit eines Joggers. Und die Genauigkeit der Messung ligt bei unter einem Meter pro Sekunde (3,6 km/h)! Bei den meisten Spektrographen liegen solche Werte unterhalb der Messgenauigkeit. Von den 13 bekannten Exoplaneten mit einer Masse von weniger als 20 Erdmassen wurden 11 mit HARPS gefunden - ein respektables Ergebnis!

Was hat er, was andere nicht haben?
Die Eckdaten von Gliese 581c: Sein Durchmesser beträgt das eineinhalbfache dessen der Erde, seine Masse aber immerhin das Fünffache. Er ist somit der kleinste bisher gefundene Exoplanet. Mit der Entdeckung eines so kleinen felsigen Planeten haben namhafte Planetensucher erst in einigen Jahren gerechnet. Dazu noch befindet sich der Planet in der habitablen Zone. Schon vor zwei Jahren wurde das Entdeckerteam, bestehend aus Wissenschaftern aus der Schweiz, Frankreich und Portugal, bei diesem Stern fündig: sie entdeckten damals einen Planeten etwa von der Größe Neptuns. Dieser Planet umkreist Gliese 581 in nur 5,4 Tagen. Schon damals gab es Hinweise auf einen weiteren Planeten - den nun entdeckten Gliese 581c. Doch das war noch nicht alles - es gibt bereits Hinweise auf einen dritten Planeten mit acht Erdmassen, der Gliese 581 in 84 Tagen umrundet.

Zauberwort Habitable Zone
Sterne sind bekanntlich sehr heiß; je weiter man sich von einem Stern entfernt, desto kühler wird es. In unserem Sonnensystem beispielsweise finden wir etwa auf der Höhe der Erde einen Temperaturbereich vor, in dem auf der Oberfläche Wasser in flüssiger Form vorkommt. Weiter draußen wird es dafür bereits zu kalt; auf einigen Monden des Jupiter gibt es jede Menge Wasser, jedoch in Form massiver Eispanzer, die ihre gesamte Oberfläche umschließen.

Jenen Bereich um einen Stern, in dem Wasser in flüssiger Form an der Oberfläche vorkommt, nennt man habitable Zone.

Gliese 581c befindet sich, obwohl er sehr nahe an seinem Stern steht, in seiner der habitablen Zone. Das liegt daran, dass der Stern Gliese 581 ein Roter Zwerg ist. Solche Sterne leuchten viel schwächer als die Sonne und sind somit auch kühler. Gliese 581 steht 20 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Waage. Seine Masse ist ein Drittel derer der Sonne. Rote Zwerge leuchten durchschnittlich 50-mal schwächer als die Sonne und sind die größte Klasse an Sternen in der Galaxis. Von den 100 sonnennächsten Sternen, zu denen auch Gliese 581 gehört, sind zirka 80 Rote Zwerge. Die habitable Zone dieser Sterne liegt viel näher am Stern als bei unserer Sonne oder noch größeren Sternen.

Nun heißt das alleine noch nicht allzu viel. Die Venus beispielsweise fällt ebenfalls knapp in den Bereich der habitablen Zone der Sonne. Zwei miteinander verknüpfte Umstände verhindern jedoch sehr effizient, dass sich dort Leben entwickeln kann: Ein Tag auf der Venus dauert länger als ein Venusjahr, daher rotiert die Venus scheinbar sehr langsam nach rückwärts, bezogen auf die anderen Planeten des Sonnensystems. Weiters besteht die Atmosphäre der Venus fast ausschließlich aus Kohlendioxyd, welches auf der Erde als Treibhausgas in Verruf geraten ist. Die langsame Rotation in Kombination mit der C02-Atmosphäre bewirkt, dass die Temperatur der Venus sowohl auf der Tag- als auch auf der Nachtseite zirka unglaubliche 460 Grad Celsius beträgt.

Hingegen wäre es durchaus denkbar, dass sich unter dem Eispanzer von zumindest einem der Jupitermonde, nämlich Europa, ein Ozean aus flüssigem Wasser befindet, in dem sich - in völliger Dunkelheit und durch die Eishülle vor der Strahlung Jupiters geschützt - Leben gebildet haben könnte.

Wir wissen also noch nicht, ob auf Gliese 581c tatsächlich Wasser in flüssiger Form vorkommt. Seine große Nähe zum Heimatstern könnte nämlich bewirken, dass er eine gebundene Rotation aufweist, ähnlich wie der Mond der Erde. Das würde bedeuten, dass immer die gleiche Seite beleuchtet ist. Unter diesen Umständen kann sich kaum Leben gebildet haben, denn dann wäre die Vorderseite permanent sehr heiß, wohingegen es auf der Nachtseite sehr kalt wäre. Genauere Informationen darüber können wir nur aus direkten Beobachtungen erhalten. Dennoch ist es an der Zeit, eine Schatzkarte für Planeten anzulegen, die möglicherweise Leben tragen - mit einem großen X an der Stelle von Gliese 581.