Nur wenige Tage nach dem erfolgreichen Start der kleinsten Trägerrakete der Welt gab auch die - zumindest bis zum nächsten Jahr - größte Trägerrakete der Welt ihr fast vollständig erfolgreiches Debut. Schon aufgrund der schieren Masse, und der ungeheuren Menge an Energie, die in dieser Rakete mit ihren 1.400 Tonnen Startgewicht gebunden ist, war die Mission der Falcon 9 "Heavy" vom Grad der Gefährlichkeit her aber in eine ganz andere Kategorie. Der Flug war voll von Unwägbarkeiten, die sich im Vorfeld nicht durch Berechnung und Bodentests ausräumen lassen. Auch im Windkanal sind keine vollständig realistischen Daten über das Resonanzverhalten der drei über Streben verbundenen Boostern mit ihren insgesamt 27 Triebwerken zu gewinnen, genausowenig wie Informationen über das wahre Strömungsverhalten der Luft um die Rakete im schallnahen Bereich. Auch die Auswirkungen der Kräfte während der Phase der maximalen dynamischen Belastung, der Dynamik der Boostertrennung oder möglicherweise auftretender Pogo-Effekte lassen sich nicht exakt berechnen oder simulieren. Die Beobachtungen des Rückstroms der heißen Gase im Triebwerksbereich, in dem sie sich fangen und zu Bränden führen können, ist auch nur in einer realen Mission feststellbar.

Angesichts dieser vielen Unbekannten setzte Elon Musk auch seine Erwartungen relativ niedrig an. Bei der Pressekonferenz nach dem Start scherzte er, vor dem Flug die Vorstellung eines katastrophalen Fehlschlags gehabt zu haben. “Ich hatte dieses Bild einer gigantischen Explosion auf der Startrampe vor Augen. Und danach hüpfte ein Rad die Straße hinunter, und schließlich fiel auch noch ein Tesla-Logo irgenwo aus dem Himmel und fiel klirrend auf den Boden“, erzählte er grinsend den Reportern. "Das ist aber gottseidank nicht passiert". Eine Explosion der Rakete auf der Rampe hätte ernsthafte Konsequenzen gehabt, nicht nur finanzieller Art. Der Neuaufbau der Anlage würde ein Jahr oder länger dauern, aber noch in diesem Jahr will Musk im Auftrag der NASA mit den bemannten Flügen des Crew Transport Programms beginnen. Und diese Missionen sind nur von der Startrampe 39A aus möglich.

So interessant wie die Rakete selbst war auch ihre Nutzlast und deren Ziel im Weltraum. Bei der Fracht handelte es sich um Elon Musks roten Tesla Roadster. Der Elektro-Autohersteller Tesla befindet sich ja bekannterweise weitgehend im Besitz von Elon Musk. In diesem Roadster saß eine in einen SpaceX-Raumanzug gekleidete Puppe, die den Namen "Starman" erhalten hatte. Der Grund für diese sonderbare Nutzlast war klar: Zum einen natürlich maximale mediale Aufmerksamkeit für die Mission. Zum anderen aber brauchte man ohnehin einen Gewichtsdummy, denn eine teure kommerzielle oder wissenschaftliche Nutzlast wollte bei diesem gefährlichen Testflug niemand riskieren. Neben dem Auto mit "Starman" und Ballastgewichten gibt es noch zwei weitere erwähnenswerte Nutzlasten, nämlich eine Erinnerungsplakette mit den Unterschriften von mehr als 6.000 SpaceX-Mitarbeitern und ein "Datenkristall" mit Isaac Asimovs Foundation Trilogie.

Der Start erfolgte von der historischen Startanlage 39A aus. Von diesem Launch Pad erfolgten, fast alle Mondflüge des Apollo-Programms, und von hier aus begannen auch die meisten Shuttle-Missionen. Die erste Falcon 9 Heavy trat ihre Reise ins All um 21:45 Uhr mitteleuropäischer Zeit (15:45 Uhr Florida-Ortszeit) an. Der Start war zuvor um mehr als zwei Stunden verschoben worden, weil starke Höhenwinde den Einsatz der Rakete zunächst zu gefährden drohten.

Die Mission diente gleichzeitig auch als Qualifizierungsflug für spätere Nutzlasten des Verteidigungsministeriums, und dafür mussten eine Reihe von Leistungsnachweisen erbracht werden. Unter anderem die Fähigkeit, die Oberstufe in einem Zeitraum von sechs Stunden mehrmals wiederzünden, und einen Nachweis für die Strahlungsresistenz der Bordelektronik. Diesem Ziel passte sich das Flugprofil bei diesem Jungfernflug an, ohne dabei allerdings die medienwirksamen Ziele von SpaceX und Elon Musk aus den Augen zu lassen.

Der gesamte Start verlief perfekt. Die beiden großen Booster, nichts anderes als zwei Falcon 9-Erststufen, trennten sich wie vorgesehen zwei Minuten und 30 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe von der Zentralstufe der Rakete und traten dann den Rückflug nach Cape Canaveral an. 35 Sekunden später trennte sich auch die Zentralstufe von der Zweitstufe und der Nutzlast. Danach steuerte die zweite Stufe mit dem roten Roadster und „Spaceman“ einen ersten Übergangsorbit an, der nach acht Minuten und 30 Sekunden erreicht war. Daraufhin erfolgte eine Freiflugphase, bis 28 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe das MVac-Triebwerk erneut zündete, und die Kombination aus Stufe und Tesla-Roadster auf eine elliptische Umlaufbahn mit einem Perigäum von 180 Kilometern und einem Apogäum von knapp unter 7.000 Kilometern brachte. In dieser Flugphase hielt sich die Stufe mehrere Stunden in der Kernzone des unteren Van Allen Gürtels auf. Sechs Stunden nach dem Start erfolgte die dritte Zündung, mit welcher Stufe und Nutzlast in eine heliozentrische Bahn beschleunigt wurden, die bis zur Marsbahn führen wird.

Besonders spektakulär war die Landung der beiden Booster, die ihren Rückflug nach Cape Canaveral in einem perfekten Weltraumballet antraten,  und am Ende mit einem zeitlichen Abstand von nur etwa zwei Sekunden und in einem räumlichen Abstand von nur etwa 280 Metern nebeneinander in der Landing Zone 1 aufsetzten.

Die Bergung der Zentralstufe misslang allerdings, wobei auch hier der Landeanflug bis auf die letzte Phase perfekt verlief. In der Schlussphase des Landeabstiegs sollten aber neben dem Zentraltriebwerk auch zwei der Außentriebwerke gezündet werden. Das misslang, weil - wie Elon Musk in der Pressekonferenz nach dem Flug schilderte - die Zünderflüssigkeit (Triethylaluminum/Triethylboran, kurz TEA/TEB) verbraucht war. Die Stufe konnte damit ihren Fall nicht genügend verzögern und stürzte mit einer Geschwindigkeit von etwa 500 Kilometern pro Stunde etwa 100 Meter neben dem Bergungsschiff ins Wasser.

Bild: Elons Musks roter Tesla Roadster in der Erdumlaufbahn; Credit: SpaceX