Der zweite Teststart war erfolgreich. Nach dem „Beinahe-Erfolg“ vom 25. Mai letzten Jahres verlief dieses Mal der Start einer Rocketlab Electron über alle Phasen perfekt. Die Mission begann um 2:43 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Rocketlab-Startgelände auf der Māhia Halbinsel an der Ostküste der neuseeländischen Nordinsel. Die Vorbereitungen für diesen zweiten Start waren aber nicht problemlos gewesen. Eine erste Startkampagne im Dezember hatte nach mehreren Versuchen erfolglos beendet werden müssen, und auch während der zweiten Kampagne war es immer wieder aus unterschiedlichen Gründen zu Verzögerungen gekommen.

Rocketlabs Electron ist eine Klein-Trägerrakete mit der das schnell wachsende Segment der Nano- und Mikrosatelliten bedienen werden soll. Andere Wettbewerber in diesem Segment sind der Launcher One von Virgin Orbit, der ebenfalls in diesem Jahr seinen Erstflug durchführen soll, und die noch namenlose Rakete von Vector-Space. Bislang waren Cubsats und andere Kleinsatelliten auf Mitfluggelegenheiten bei größeren Nutzlasten angewiesen, hatten dort stets den Status von “Kunden zweiter Klasse” und mussten sich häufig auf Bahnen absetzen lassen, die für ihren Forschungs- oder Einsatzzweck nur bedingt geeignet waren.

Das soll sich nun mit Raketen wie die Electron ändern. Mit einem Startpreis von unter fünf Millionen Dollar kostet sie nur ein Sechstel bisher eingesetzter Träger für kleine Nutzlasten wie die Orbital Sciences Pegasus. Sie verbindet modernste Fertigungstechnologie mit technologischen Neuheiten, die zum ersten Mal in der Raumfahrt eingesetzt werden. Die Elektron verwendet beispielsweise als einzige Trägerrakete weltweit für ihre Triebwerke batteriebetriebene Turbopumpen. Die Raketenmotoren entstehen weitgehend im 3D-Druckverfahren und es braucht nur 24 Stunden, um ein einzelnes Triebwerk zu produzieren. Die Entwicklung der Rakete wurde vollständig privat finanziert und dürfte weniger als 100 Millionen Dollar gekostet haben.

Entsprechend ihrem Einsatzzweck ist diee Rocketlab Electron sehr klein. Wobei „klein“ für einen Orbitalträger immer relativ ist. Sie wiegt 12,55 Tonnen, ist 17 Meter hoch und hat einen Durchmesser von nur 1,2 Metern. Damit ist sie die zweitkleinste jemals als Satellitenträger eingesetzte Rakete (den bisherigen Rekord hielt die US-Rakete Vanguard in den späten fünfziger Jahren mit 10,1 Tonnen). Die Triebwerke des Vehikels sind eine Eigenentwicklung von Rocketlab. Sie tragen die Bezeichnung “Rutherford” (nach dem neuseeländischen Ernest Rutherford Physiker). Neun Stück davon treiben die erste Stufe an und produzieren dabei einen Startschub von 157 Kilonewton. Ein einzelnes Rutherford-Triebwerk treibt die zweite Stufe an. Als Treibstoff verwendet die Rakete Kerosin, als Oxidator flüssigen Sauerstoff. Die Rakete ist in der Lage etwa 250 Kilogramm Nutzlast in einen niedrigen Erdorbit zu bringen oder etwa 150 Kilogramm auf eine 500 Kilometer hohe, sonnensynchrone Umlaufbahn. Bei der aktuellen Mission wurde ein Perigäum von 288 Kilometern, ein Apogäum von 533 Kilometern und eine Bahnneigung zum Äquator von 82,93 Grad erreicht.

An Bord der Rakete befanden sich drei Kleinsatelliten. Zwei Lemur-Raumfahrzeuge von Spire Global und ein einzelner Dove-Satellit mit der Bezeichnung „Dove-Pioneer“ der Planet Labs. Man kann davon ausgehen, dass dieses drei „Pfadfinder“ bei dieser Mission kostenlos transportiert wurden. Zukünftig werden beide Unternehmen aber zu den reguläre zahlenden Stammkunden der Electron zählen. Zusätzlich zu Dove und Lemur gab offensichtlich noch mindestens zwei Dummy-Nutzlasten an Bord, über die aber nichts bekannt gemacht wurde. Insgesamt wurden sechs Objekte der in der Umlaufbahn festgestellt.

Bild: Die Electron wird für den Start vorbereitet; Credit: Rocketlab