Die United Launch Alliance (ULA) brachte am 20. Januar mit einer Trägerrakete des Typs Atlas 5 einen Frühwarn-Satelliten des „Space-Based Infrared Systems (kurz: SBIRS) der US-Luftwaffe in eine geostationäre Transferbahn. Der Start erfolgte vom Space Launch Complex 41 der Luftwaffenbasis Cape Canaveral. Es war der zweite Start einer Rakete der ULA im Zeitraum einer Woche.

Die Mission war die insgesamt 125. Mission unter der Leitung der ULA und der 75. Einsatz einer Atlas 5 seit dem Jahre 2002. Alle Missionen waren verliefen erfolgreich. Der Flug am 20. Januar begann um 1:48 Uhr mitteleuropäischer Zeit (19:48 Uhr US-Westküstenzeit am Vortag). Der Satellit wurde 42 Minuten und 32 Sekunden nach dem Liftoff von der Centaur-Oberstufe abgesetzt. Die Bahn wies zu diesem Zeitpunkt ein Perigäum von 185 Kilometern, ein Apogäum von 35.850 Kilometern und eine Bahnneigung zum Äquator von 16,88 Grad auf. 32 Minuten später führte die Centaur ein Deorbit-Manöver durch und begann sich kurz darauf zu passivieren. Neun Stunden und 24 Minuten nach dem Liftoff verglühte die Stufe über dem Südpazifik.

Bei dem Raumfahrzeug handelt es sich um SBIRS-GEO 4, den vierten Satelliten des Systems, der in einem geostationären Orbit eingesetzt werden soll. Die drei vorausgegangenen Einheiten des geostationären Segments wurden im Mai 2011, im März 2013 und im Januar 2017 gestartet.Die Trägerrakete flog in der relativ selten eingesetzten Version 411, mit einer vier Meter durchmessenden Nutzlastverkleidung, der kleinsten verfügbaren für die Atlas, und einem einzelnen Feststoffbooster zur Startunterstützung, was der Rakete einen eigenartig unsymmetrischen Eindruck verleiht. In dieser Version ist die Rakete theoretisch in der Lage, eine Nutzlast von 12.150 Kilogramm auf einen niedrigen Erdorbit zu bringen, oder 5.950 Kilogramm in einen geostationären Transferorbit.Es ist das erste Mal, dass diese Variante der Atlas 5 im SBIRS-GEO Programm eingesetzt wird. Bei den drei vorausgegangenen Einsätzen wurde die Basisversion der Atlas 5 ohne zusätzliche Booster verwendet. Mit dem zusätzlichen Antriebsaggregat verbleibt so viel Treibstoff in der Centaur-Oberstufe, dass sie zum einen Inklination abbauen kann, und damit die Treibstoffreserven des Satelliten für das Transfermanöver in den geosynchronen Orbit schont, und sich – anders als bei den drei vorhergehenden Missionen – sofort nach dem Absetzen des Satelliten wieder auf eine Eintrittsbahn in die Erdatmosphäre zurückbringen kann.

Das SBIRS-Programm ist das Nachfolgevorhaben des Defense Support Programms. Es wird in seiner endgültigen Ausbaustufe aus sechs Satelliten im geostationären Orbit und zwei in einem hochelliptischen, so genannten Molnija-Orbit bestehen. Diese beiden Satelliten, sie werden als SBIRS-HEO 1 und HEO-2 bezeichnet, sind bereits seit neun und elf Jahren im Einsatz. De facto handelt es sich dabei aber um Air Force-Nutzlasten, die sich auf zwei Trumpet-Satelliten des National Reconnaissance Office befinden.

Die SBIRS-GEO Satelliten werden von Lockheed und Northrop Grumman (Nutzlast) gebaut. Sie basieren auf der Plattform 2100 von Lockheed, weisen ein Startgewicht von etwa 4.500 Kilogramm auf und sind für eine Lebensdauer von mindestens 12 Jahren ausgelegt. Das SBIRS-Programm ist berüchtigt für die dramatischen Kostensteigerungen, die es im Laufe seines Lebens erfuhr. Ursprünglich sollte das gesamte System mit allen Bodenelementen zusammen vier Milliarden Dollar kosten, inzwischen sind es mehr als 17 Milliarden. Alleine die letzten beiden Satelliten, GEO-5 und  6 kosten jeweils mehr als eine Milliarde Dollar pro Stück.

Bild: Missioslogo; Credit: US-Air Force