Langsam aber sicher geht die Ära der Delta 2 zu Ende. Während vor einem Jahrzehnt noch fast jeden Monat eine Rakete dieses Typs startete, sind die Missionen des ehemaligen US-Standardträgers in den letzten Jahren sehr selten geworden. Die Rakete wird seit vielen Jahren nicht mehr produziert. Es werden lediglich nach und nach die „Altbestände“ aufgebraucht. Die Delta 2 wurde zum ersten Mal im Februar 1989 eingesetzt. Seither flog sie 153 Missionen von denen 151 erfolgreich verliefen. Der definitiv letzte Flug einer Delta 2 ist derzeit für den September 2018 geplant.

Am 18. November erfolgte nun der vorletzte Start einer Delta 2. Gleichzeitig war es der letzte in der Version 7920, der zweistufigen Variante mit neun Feststoffboostern zur Startunterstützung. Der Träger brachte am 18. November von der Luftwaffenbasis Vandenberg aus den Wettersatelliten JPSS-1 zusammen mit fünf kleinen Technologie- und Erdbeobachtungs-satelliten in den Orbit.

Der Flug begann um 10:47 Uhr mitteleuropäischer Zeit an der Startanlage 2W in der ersten Sekunde eines 62 Sekunden langen Startfensters. 57 Minuten und 30 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe und nach insgesamt zwei Brennmanövern gab die zweite Stufe JPSS-1 frei. Die erzielten Parameter ergaben ein Perigäum von 823 Kilometern, ein Apogäum von 837 Kilometern und eine Bahnneigung zum Äquator von 98,7 Grad. 75 Minuten nach dem Liftoff führte die zweite Stufe ein drittes Brennmanöver durch, um die vorgesehene Bahn für die Kleinsatelliten zu erreichen. Die wurden dann 81 Minuten und 40 Sekunden nach Beginn der Mission freigesetzt.

JPSS-1 wird nach seiner Indienststellung die Bezeichnung NOAA-20 erhalten, was ihn als neuestes Mitglied der Flotte von Wettersatelliten auf polaren sonnensynchronen Umlaufbahnen der National Oceanic and Admospheric Administration (NOAA) kennzeichnet. JPSS-1 (das Akronym steht für Joint Polar Satellite System) ist dabei die erste Einheit einer neuen Serie niedrig fliegender Erdbeobachtungssatelliten, mit der die bisherigen Einheiten der POES-Konstellation (POES = Polar Operational Environmental Satellite) nach und nach abgelöst werden. Der letzte Satellit der POES-Reihe, NOAA-19, war im Februar 2009 ebenfalls mit einer Delta 2 gestartet worden.

JPSS-1 wog beim Start 2.540 Kilogramm. Er wurde von Ball Aerospace auf Basis der BCP-2000 Plattform gebaut. Er trägt fünf Hauptinstrumente an Bord: CERES (Clouds and the Earth’s Radiant Energy System) mit dem das Strahlungsbudget der Erde ermittelt werden soll, die beiden Atmosphärenmess-Sonden CrIS und ATMS, mit denen das Druck-, Temperatur- und Feuchtigkeitsprofil der Erdatmosphäre gemessen werden soll und OPMS (Ozone Mapping and Profiler Suite), der seinerseits aus zwei Hyperspektralkameras besteht, mit denen das Ozon-Niveau in der Troposphäre ermittelt wird.

Neben JPSS-1 wurden auch fünf Kleinsatelliten in den Orbit transportiert. Vier davon gehören zum ELaNa-Programm der NASA (ELaNa = Educational Launch of Nanosatellites), das Gelegenheiten für Schulen und Universitäten bietet, eigene Satelliten zu starten. Die vier ELaNA-Einsheiten sind: Eagle-Sat, ein Ein-Unit-Cubesat der Embry-Riddle Aeronautical University, MakerSat-0 der Northwest Nazarene University’s, RadFxSat-1 der Vanderbilt University’s und MiRaTA (für: Microwave Radiometer Technology Acceleration) des Lincoln Laboratory at the Massachusetts Institute of Technology (MIT). Die drei ersten Satelliten sind jeweils Ein-Unit-Cubesats mit einem Gewicht von jeweils etwa einem Kilogramm, MiRaTA ist ein drei Kilogramm schwerer Drei-Unit-Cubsat.

Der fünfte Kleinsatellit ist die "Buccaneer Risk Mitigation Mission" (kurz: Buccaneer RRM). Das ist ein Drei-Unit-Cubesat, der in Partnerschaft zwischen der University of New South Wales und der Science und Technology Group des australischen Verteidigungsministeriums entstand.

Bild: Missionsposter; Credit: ULA