Eine russische Trägerrakete des Typs Rokot brachte am 13. Oktober den europäischen Umweltbeobachtungssatelliten Sentinel 5P in eine polare, sonnensynchrone Erdumlaufbahn. Der Start erfolgte um 11:27 Uhr an der Startanlage 133/3 des nordrussischen Weltraumbahnhofs Plesetzk. Das Raumfahrzeug ist Bestandteil der Kopernikus-Konstellation der EU. Seine Aufgabe wird die Überwachung der Atmosphäre, und hier vor allem dem Aufspüren von Spurengasen in der Troposphäre sein.

Der Satellit dient als "Lückenfüller", der Aufgaben des vor einigen Jahren überraschend ausgefallenen europäischen Umwelt-Monitoringsatelliten Envisat übernehmen soll. Sentinel 5P ist das bislang sechste Raumfahrzeug des Copernicus-Programms. Gegenwärtig sind zwei Satelliten der Sentinel 1-Reihe im Orbit, zwei Sentinel 2-Einheiten sowie Sentinel 3A, der im Februar letzten Jahres ebenfalls mit einer russischen Rokot gestartet wurde.

Das Copernicus-Projekt der Europäischen Union ist ein ambitioniertes Vorhaben zur Überwachung der Umwelt unseres Planeten. Es besteht aus sechs verschiedenen Typen von Raumfahrzeugen (die Sentinel 1, 2, 5 und 6-Serie), beziehungsweise von Instrumentenpaketen die auf europäischen Wettersatelliten als so genannten "hosted payloads" mitgeführt werden (Sentinel 3 und 4). Durchgeführt wird das Weltraumsegment des Vorhabens von der ESA im Auftrag der EU.

Sentinel 5P wurde von Airbus Defence und Space auf Basis der Astrobus-L 250M Plattform gebaut. Seine drei Solargeneratoren stellen der Nutzlast maximal 1,5 Kilowatt an elektrischer Leistung zur Verfügung. Die Einheit wiegt 820 Kilogramm, wovon etwa 80 Kilogramm aus Treibstoff bestehen. Das Vehikel soll mindestens sieben Jahre lang im Einsatz bleiben. An Bord befindet sich nur ein einziges wissenschaftliches Instrument, und das ist "Tropomi", ein hoch leistungsfähiges Multispektral-Spektrometer, das in drei unterschiedlichen Wellenbereichen beobachten kann: Im nahen Ultraviolettspektrum, das auch noch das blaue Ende des sichtbaren Spektrum beinhaltet, im Infrarotbereich und im Kurzwellenband.

Sentinel 5P wird auf einer nahezu kreisförmigen sonnensynchronen Umlaufbahn in 825 Kilometern Höhe mit einer Bahnneigung zum Äquator von 98,7 Grad stationiert. Er wird auf dieser Bahn, auf einem aufsteigenden Bahnknoten, jeden Ort der Erde um 13:30 Uhr Ortszeit überqueren, und jeden Punkt der Erde innerhalb von 16 Tagen erneut erfassen.

Die Rokot-Trägerrakete unternahm bei dieser Mission einen ihrer letzten Einsätze. Ihre ersten beiden Stufen bestehen aus der UR-100N Interkontinentalrakete (NATO-Bezeichnung SS-19 "Stiletto"), die dritte Stufe ist eine Variante der Briz mit der Bezeichnung "Briz-KM", die auch in einer größeren Version (als "Briz-M") auf der Proton M eingesetzt wird.

Bild: Sentinel 5P; Credit: ESA