Erstflüge von Trägerraketen scheitern häufig, und noch häufiger scheitern Erstflüge kleiner Orbitalträger. Die Rocketlab Electron machte da bei ihrem Jungfernflug am 25. Mai keine Ausnahme. Das Unternehmen vermeldete zwar nach dem Start etwas euphemistisch „Erfolg: Weltraum erreicht“, aber wer zwischen den Zeilen lesen konnte wusste damit, dass zwar eine Flughöhe von mehr als 100 Kilometern erzielt, die geplante elliptische Orbitalbahn aber verfehlt wurde. Dennoch war die Mission letztendlich erfolgreich, denn eine ganze Reihe von Test-Meilensteinen wurden zufriedenstellend absolviert. Rocketlab plant noch zwei weitere Erprobungsflüge bevor der Träger einsatzbereit erklärt werden soll.

Die Berichterstattung über die Mission war recht lückenhaft, so dass sich erst nach und nach ein Bild vom Flugverlauf ergab. Der Start von der Māhia Halbinsel an der Ostküste der Neuseeländischen Nordinsel erfolgte um 6:20 Uhr morgens mitteleuropäischer Zeit. 

Rocketlab CEO Peter Beck berichtete: “Es war ein großartiger Flug. Die erste Stufe funktionierte perfekt, ebenso die Stufentrennung, die Zündung der zweiten Stufe und der Abwurf der Nutzlastverkleidung”. Was aber am Ende dazu führte, dass die Rakete trotzdem keinen Orbit erreichte, ist bislang nicht bekannt. Angestrebt war ein elliptischer Erdorbit mit einem Perigäum 300 Kilometern, einem Apogäum von 500 Kilometern und einer Bahnneigung zum Äquator von 83 Grad.

Zu beobachten war allerdings von Beginn an ein deutlich weniger als optimaler Flug. Das begann damit, dass sich offensichtlich eine der Versorgungsleitungen der Rakete beim Start nicht von selbst löste und durch den Start abgerissen wurde. Möglicherweise dadurch baute sich eine relativ hohe Rollrate des Trägers auf, die bis zum Brennschluss der ersten Stufe nicht mehr kompensiert werden konnte. Auch der Flug der Zweitstufe machte vom Gesichtspunkt der Lageregelungskontrolle einen eher unruhigen Eindruck. Das erreichte Apogäum scheint 250 Kilometer hoch gewesen zu sein. Welche anderen Bahnwerte erreicht wurde, ist derzeit noch nicht bekannt.

Bei der Rocketlab Electron handelt es sich um einen kosteneffizienten, kommerziellen Kleinträger für den Start von Mikro- und Nanosatelliten. Damit könnten Hersteller und Kunden von Kleinsatelliten zukünftig einen eigenen erschwinglichen Träger erwerben, und sind nicht länger auf Mitflüge mit den Nutzlasten größerer Satelliten angewiesen, wo sie häufig auf Bahnen abgesetzt werden, die den eigenen Ansprüchen nicht oder nur teilweise gerecht werden.

Die Rakete ist 17 Meter lang, hat einen Durchmesser von 1,2 Metern, und wiegt beim Start etwa 10,5 Tonnen. Die erste Stufe wird von einem Bündel von neun Rutherford-Triebwerken (benannt nach dem neuseeländischen Physiker Ernest Rutherford) betrieben, die Rocketlab selbst als “elektrische” Triebwerke bezeichnet. Die Bezeichnung ist allerdings irreführend, denn es sind lediglich die Treibstoffpumpen, die elektrisch betrieben werden. Die Raktenmotoren leisten zusammen einen Bodenschub von 154 Kilonewton und einen Schub im Vakuum von 188 Kilonewton. Die zweite Stufe wird von einem einzelnen Rutherford-Triebwerk mit einem Schub von 23 Kilonewton angetrieben. Der spezifische Impuls des Zweitstufentriebwerks beträgt 327 Sekunden.

Als Treibstoff wird in beiden Stufen Kerosin (RP-1) und Flüssiger Sauerstoff verwendet. Die Rakete soll in der Lage sein, eine Nutzlast von 150 Kilogramm auf einen sonnensynchronen Orbit in 500 Kilometern Höhe zu befördern.

Die Electron soll für einen Stückpreis von unter fünf Millionen Dollar verkauft werden. Um das zu erreichen, wurde der Einsatz einer Vielzahl neuer Technologien notwendig, wie etwa den Betrieb der Treibstoffpumpen mittels Elektromotoren (was die Gas-Generatoren ersetzt und die Effizienz des Triebwerkes steigert) den großflächigen Einsatz von Kohlefaser-Verbundmaterialien und von 3D-Druckern für die Herstellung von Metallkomponenten wie Brennkammern und Düsen.

Bild: Die Electron wird für den Erstflug vorbereitet. Credit: Rocketlab