Eine indische Trägerrakete des Typs GSLV Mark II brachte am 5. Mai den Kommunikationssatelliten GSAT-9 auf eine geostationäre Transferbahn. Die Mission begann um 13:27 Uhr mitteleuropäischer Zeit (16:57 Uhr Ortszeit) von der Startanlage 2 des Satish Dhawan Raumfahrtzentrum auf der ostindischen Insel Shriharikota. Der Einsatz war der vierte erfolgreiche Flug einer GSLV-Trägerrakete in Folge, was in den Reihen der ISRO für ziemliche Erleichterung sorgte. Dieser Träger hatte in der Vergangenheit eine recht durchwachsene Bilanz. Von den bisherigen elf Einsätzen waren lediglich sechs vollständig erfolgreich.

GSAT-9, auch als der "Südostasien-Satellit" bezeichnet, wird mit seinen 12 Ku-Band Transpondern den Mitgliedern der "South Asian Association for Regional Cooperation" (SAARC) institutionelle Kommunikationsdienste zur Verfügung stellen, wie etwa Bildungsfernsehen, Transfer von Medizindaten, Katastrophen-Management und die Kommunikation zwischen den SAARC-Mitgliedsstaaten Bangladesch, Bhutan, den Malediven, Nepal, Afghanistan und Sri Lanka.

Das beim Start 2.230 Kilogramm schwere Raumfahrzeug wurde von der indischen Raumfahrtagentur ISRO gebaut. Es basiert auf dem I-2K Bus der ISRO. Die beiden Solargeneratoren erbringen eine Leistung von 3,5 Kilowatt und erstmals befindet sich auch ein elektrisches Triebwerk an Bord eines indischen Satelliten, das für "Stationkeeping" eingesetzt wird. Der erzielte Orbit wies ein Perigäum von 157 Kilometern, ein Apogäum von 35.940 Kilometern und eine Bahnneigung zum Äquator von 20,65 Grad auf.

Die GSLV Mark II ist eine komplexe und ineffiziente Rakete mit einem eigenartigen Antriebsprofil. Sie verfügt über eine mit festen Treibstoffen betriebene Zentralstufe und vier mit hypergolen Treibstoffen betriebenen Booster als Basis-Antriebseinheit. Diese Booster werden mit französischen, in Lizenz gebauten, Vikas Triebwerken aus dem Ariane 4-Programm betrieben. Die Zentralstufe ist nach 106 Sekunden ausgebrannt, bleibt aber bis zum Erlöschen der Booster-Motoren weiter mit diesen verbunden, da sie nicht abgeworfen werden kann. Die Booster schleppen somit für einen Zeitraum von 43 Sekunden die mehrere Tonnen schwere ausgebrannte Zentralstufe als totes Gewicht mit sich. Die Zündung der zweiten Stufe, eine halbe Sekunde nach dem Ausbrennen der Booster-Triebwerke, leitet eine so genannte "heiße" Stufentrennung nach russischem Modell ein. Das heißt, das Vikas-Triebwerk der zweiten Stufe beginnt bereits zu feuern, noch während sie mit der ersten Stufe verbunden ist. Die heißen Gase treten in der vier Sekunden langen Zeitspanne bis zur Trennung durch eine Gitterstruktur aus.

Die zweite Stufe wird mit der gleichen Treibstoff-/Oxidatormischung betrieben wie die Booster und verfügt ebenfalls über ein Vikas-Triebwerk. Sie arbeitet für 140 Sekunden. 85 Sekunden nach dem Beginn der Zweitstufen-Brennphase wird die Nutzlastverkleidung abgeworfen. Und auch die Stufentrennung zwischen zweiter und dritter Stufe erfolgt im "heißen" Verfahren. Diese Oberstufe ist bei der Mark II-Variante der GSLV eine indische Eigenentwicklung (bei der Mark I war es ein russisches Produkt). Sie wird mit flüssigem Sauerstoff und flüssigem Wasserstoff betrieben und arbeitet für etwa zwölf Minuten.

Bild: Der Moment des Abhebens. Credit: ISRO