Eine konvertierte russische Interkontinentalrakete des Typs Rokot brachte am 16. Februar den neuesten Umweltbeobachtungssatelliten der Europäischen Gemeinschaft auf eine polare Erdumlaufbahn. Der Start erfolgte von der Startanlage LC 133 des nordrussischen Weltraumbahnhofs Plesetzk. Organisiert wurde die Mission von der Eurockot Launch Services GmbH in Bremen, einem Joint Venture zwischen der Airbus DS GmbH und dem Hersteller der Rakete Chrunitschew.

Die Startmission für Sentinel-3A, so der Name des Raumfahrzeugs, begann um 18:57 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Die ersten beiden Stufen brachten die Orbitaleinheit, bestehend aus dem Satelliten und der Briz KM-Oberstufe innerhalb fünf Minuten und 19 Sekunden auf eine orbitnahe Suborbitalbahn. Danach übernahm die Briz KM Stufe den weiteren Antrieb zunächst für eine erste Brennphase von neun Minuten Dauer und brachte das Raumfahrzeug auf eine elliptische Umlaufbahn . 70 Minuten später, beim Erreichen des Apogäums der Flugbahn, zündete die Stufe erneut für 30 Sekunden und zirkularisierte den Orbit einer Höhe von 805 Kilometern. 79 Minuten nach dem Verlassen der Startrampe setzte die Briz KM Sentinel-3A in einem nahezu polaren, sonnensynchronen Orbit mit einer Inklination von 98,65 Grad ab. Der Konstrukteur des Raumfahrzeugs, Thales Alenia Space in Cannes, geht davon aus, dass Sentinel-3A mindestens sieben Jahre im Einsatz sein wird. Ein längerer Einsatz wird aber für möglich gehalten, und so hat der Satellit vorsichtshalber Treibstoff für mindestens 12 Jahre an Bord.

Bei der Rokot handelt es sich in den ersten beiden Stufen um die zwischen 1964 und 1975 entwickelte schwere Interkontinentalrakete, die im Westen als SS-19 "Stiletto". Bezeichnet wird, und von den Russen als UR-100N. Von diesem Waffenträger wurden in den siebziger und achtziger Jahren über 360 Stück hergestellt. Um sie als Raumfahrtträger einsetzen zu können, wurde sie mit einer mehrfach wiederzündbaren Briz KM-Oberstufe ausgerüstet. Diese Stufe ist die "kleinere Schwester" der Briz M-Stufe, wie sie in der Proton M verwendet wird. Diese Stufe beinhaltet auch ein modernes Flugführungs- und Steuerungssystem das alle drei Stufen kontrolliert. Die Sentinel-3A Transportmission war der 25. zivile Flug in ihrer Inkarnation als Rokot.

Die Starts der Rokot erfolgen, ganz ihrer militärischen Historie entsprechend, aus einem Startsilo, der allerdings für die Durchführung ziviler Missionen nicht versenkt ist, sondern im Freien vertikal aufgerichtet wird. Für diesen dritten Start im Sentinel-Programm wurde auch der dritte Trägertyp eingesetzt. Sentinel 1A wurde im Jahre 2014 mit einer Sojus STA Rakete von Kourou aus in den Orbit gebracht, und im vergangenen Jahr transportierte ein Vega Sentinel-2A in eine Umlaufbahn.

Sentinel-3A ist die dritte Einheit im europäischen Kopernikus-Umweltbeobachtungsprogramm. Für jeden Aufgabenbereich soll es am Ende zwei Satelliten geben, um eine globale Abdeckung mit schnellen Datenzugriffszeiten zu gewährleisten. Die ESA entwickelt dafür sechs verschiedene Typen von Sentinel-Satelliten

Der 1.150 Kilogramm schwere Sentinel 3A ist mit seinen insgesamt vier Instrumenten der Vielseitigste unter den bisher gestarteten Typen. Zur Ausrüstung gehören auch zwei Multispektralinstrumente. Das eine wird als „Sea and Land Surface Temperature Radiometer „ oder kurz SLSTR bezeichnet. Es dient der Erfassung von Bilddaten in neun Spektralbänder zwischen 550 und 12.000 Nanometer. Das zweite optische Instrument an Bord ist das „Ocean and Land Colour Instrument“ oder kurz OLCI für die Informationsaufnahme in weiteren 21 Spektralbänder zwischen 400 und 1.020 Nanometer. Daneben gibt es noch das Synthetic Aperture Radar Altimeter (SRAL), das in der Lage ist, Wellenhöhen und die Beschaffenheit von Eisschichten auf den Weltmeeren zu ermitteln, und die Gewässertopografie auf den Kontinenten zu erfassen und ein Temperatur-Radiometer, das eine globale Temperaturermittlung durchführt. Alle zusammen nehmen quasi einen Gesundheitscheck der irdischen Umwelt mit Schwerpunkt auf der Beobachtung der Ozeane vor. Daneben hat der Satellit auch noch einen handfesten und sofortigen praktischen Nutzen, in dem er Daten über den Vegetationsstatus liefert, Waldbrände anzeigt und Daten über die Luftbeschaffenheit auf der Erde liefert.

 

Bild: Sentinel-3A trennt sich von der Briz KM-Oberstufe.

Credit: ESA