Am Nachmittag des 28.6.2007 um 17:02 Uhr mitteleuropäische Zeit (MEZ) gelang der privaten Raumfahrt ein weiterer entscheidender Schritt nach vorne.  Genau diesem Zeitpunkt verließ das zweite aufblasbare Habitat von Robert Bigelow an der Spitze einer russischen Dnepr-Trägerrakete den Startsilo in Plesetzk. Die Dnepr ist eine konvertierte Interkontinentalrakete des Typs RS-20 Voevoda. Zu ihren Einsatzzeiten während des Kalten Krieges war sie die schwerste Interkontinentalrakete weltweit, bei der NATO gefürchtet und mit der Code-Bezeichnung SS-20 Satan versehen.
Credit: Bigelow Aerospace

Die zweistufige Rakete (drei, wenn man das Orbit Adjustment Module mit dazu zählt) brachte die experimentelle Raumstation auf einen Orbit in 560 Kilometern Höhe mit einer Bahnneigung von 64,5 Grad.

Gleich nach der Ankunft in der Umlaufbahn wurde Gas aus einer Reihe von Tanks in das Modul gepumpt. In aufgeblasenem Zustand ist Genesis 2 gut 4,4 Meter lang und hat einen Durchmesser von 2,5 Metern. Wie die Bodenstation in Las Vegas bestätigte, funktionierte das Aufblasen der Station und auch das spätere Entfalten der Solargeneratoren einwandfrei. Bei Entstehen dieses Beitrags wurden die Batterien der kleinen Versuchsstation aufgeladen.

Die Ingenieure in der Bigelow-Kontrollstation erhielten die ersten Signale um 23:20 Uhr MEZ, als das Modul eine Bigelow-Bodenstation in Washington D.C. überflog. Genesis 2 sandte auch einige kleine Bilder von einer Kamera, die an der Außenhülle installiert ist, und die der Bordcomputer gespeichert hatte. Die Bilder zeigten die Entfaltung der Solargeneratoren.

Robert Bigelow ist der Besitzer der Hotelkette Budget Suites of America. Er gründete das Unternehmen Bigelow Aerospace im Jahre 1999 und entwickelt seitdem das aufblasbare Habitat, mit dem er eines Tages nicht nur im Erdorbit, sondern auch auf der Oberfläche von Mond und Mars für Wohnraum sorgen will.

Mit Genesis 2 sind jetzt zwei der Prototypen im Weltraum. Das nächste Testmodell soll Ende nächsten Jahres in den Orbit gesendet werden, ein erstes bewohnbares Habitat mit zwei Docking-Adaptern ist für 2010 geplant.

Genesis 1 und 2 sind äußerlich fast identisch. Genesis 2 ist aber technisch stark verbessert mit neuer Avionik, einem neuen Pumpsystem für das "Aufblasen" der Station, mehr Kameras und neu konstruierten Drallrädern für die Lagekontrolle. Als Nutzlast befinden sich eine Reihe von Objekten zahlender Kunden in dem Modul.

Der Start von Genesis 2 sollte eigentlich schon Ende 2006 erfolgen, musste aber wegen Problemen am Träger mehrmals verschoben werden. Das etwa 1.500 Kilogramm schwere Modul hat ein Raumvolumen, das etwa dem eines Familien-Vans entspricht. Die 22 Kameras, die innen und außen angebracht sind, werden Bilder zu den Bigelow-Bodenstationen in Las Vegas, Virginia, Alaska und Hawaii senden. An Bord von Genesis 1 hatten sich nur 13 Kameras befunden.

Credit: Bigelow Aerospace

Auch etwas Wissenschaft wird betrieben, denn an Bord von Genesis 2 befindet sich auch die so genannte "Biobox", ein biologisches Labor, in dem sich einige Kolonien von Ameisen, Küchenschaben und Skorpionen befinden. Eine weitere Nutzlast ist eine Reminiszenz an Las Vegas, dem Hauptquartier von Bigelow Aerospace. Es handelt sich dabei um ein Weltraum-Bingo-Spiel mit einem Mechanismus, der unter einer Reihe von Bällen eine zufällige Auswahl trifft. Dieses "Space-Bingo", das nur unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit funktioniert, könnte eine zukünftige Geschäftsidee darstellen.

Bigelow erwartet, dass beide Einheiten einige Jahre funktionieren werden. Er arbeitet aber bereits an der nächsten Generation aufblasbarer Module hin zum ersten großen Ziel des Unternehmens: der Errichtung privater Orbitstationen für Weltraumtouristen und Wissenschaftler.  
Galaxy, das nächste Modul in der Entwicklungskette, wird um 45 Prozent größer sein als Genesis und damit etwa das Raumvolumen eines mittelgroßen Campingbusses aufweisen. Bei diesem Habitat wird zum ersten Mal ein funktionstüchtiges Lebenserhaltungssystem eingesetzt, dazu größere Solargeneratoren und ein fortschrittliches Kommunikationssystem. Galaxy, das im Prinzip schon von Menschen bewohnt werden könnte, wird Ende 2008 in den Weltraum starten.

Im Jahre 2010 wird der noch wesentlich größere Sundancer in den Orbit gebracht. Er kann tatsächlich Menschen beherbergen. Das erste Serienmodell der Bigelow-Raumstation, das Modul BA 330, soll im Jahre 2010 in den Orbit gehen.