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Meridian SatellitAm 4. Mai brachte eine russische Trägerrakete des Typs Sojus 2-1a/Fregat einen Kommunikationssatelliten der russischen Streitkräfte in den Orbit. Bei dem Raumfahrzeug handelte es sich um die vierte Flugeinheit der Meridian-Konstellation. Der Start war um 18:42 Uhr mitteleuropäischer Zeit von der Startrampe 43/4 des nordrussischen Raumfahrtzentrums Plesetzk aus erfolgt.

Meridian ist ein System militärischer Kommunikationssatelliten, das die langsam in die Jahre kommende Molnija-Konstellation ersetzen soll. Meridian-Satelliten werden von ISS Reshetnew gefertigt und basieren auf dem Bus der GLONASS-M Navigationssatelliten.

Das Molnija-System wurde ab den frühen 60iger Jahren von der Sowjetunion in den Orbit gebracht, um für das riesige Sowjetreich ein unionsweites Datenübertragungssystem zu schaffen. Molnija-Satelliten werden auf hochelliptischen 12-Stunden-Bahnen stationiert. Dieser spezielle Orbit-Typ wurde nach diesen Satelliten benannt, die ihn zum ersten Mal nutzten,.

Start Sojus 2-1aZwischen 1964 und 2004 wurden 100 Satelliten der Molnija-1 Serie gestartet von denen 94 erfolgreich waren. Von den restlichen sechs fielen drei sofort nach dem Start aus, drei weitere erreichten nicht ihre vorgesehene Bahn. Die Vorgabe der sowjetischen Streitkräfte lautete, dass zu jedem gegebenen Zeitpunkt acht Molniya-1 Raumfahrzeuge einsatzfähig sein mussten. Diese acht waren auf vier Bahnebenen verteilt, die jeweils um 90 Grad zueinander versetzt waren. Jeweils zwei Satelliten auf jeder Bahnebene.

Zwischen 1971 und 1977 wurden 19 Molnija-2 Satelliten in den Orbit gebracht. Sie waren Bestandteil eines Kommunikationssystems für Telefax-Dienste, Telefongespräche und Radioübertragungen der sowjetischen Streitkräfte, das zunächst vom Molnija 1-Dienst unabhängig war. Die Molnija-2 Satelliten wurde in gleicher Weise stationiert, wie die Molnija-1 Einheiten: Acht Raumfahrzeuge in vier Ebenen.Meridian Start

Zwischen 1974 und 2005 wurden die Molnija-3 Satelliten gestartet. Diese Baureihe ersetzte nach und nach die Molnja-2. Auch hier waren immer  acht Satelliten aktiv, was bei der nur auf wenige Jahre begrenzten Lebensdauer dieser Einheiten bedeutete, dass insgesamt 56 davon gestartet werden mussten. Zwei der Molnija-3 Satelliten wurden von ihren Trägern in unbrauchbaren Orbits abgesetzt.

Der letzte Start eines Molnija-Satelliten fand am 21. June 2005, statt. Diese Mission scheiterte allerdings, weil sich die Oberstufe nicht von der Trägerrakete trennte.

Meridian-Start




Ähnlich wie das Molnija-Programm, das in den sechziger Jahren mit zwei Fehlstarts begann, hatte auch das Meridian-Programm einen schwierigen Beginn. Meridian-1 wurde an Heiligabend 2006 gestartet, und ging am 1. Februar 2007 in den aktiven Dienst. Das Raumfahrzeug fiel aber bereits im Mai 2009 aus. Reshetnev behauptete damals, dass es von einem Stück Weltraummüll getroffen worden sei.

Am 21. Mai 2009 wurde der zweite Meridian gestartet, aber aufgrund eines Softwarefehlers in der Flugsteuerung der Fregat-Oberstufe kam es zu einem vorzeitigen Brennschluss, und der Satellit landete auf einem niedrigeren Orbit als geplant.

Der dritte Meridian Satellit wurde am 2. November vergangenen Jahres in den Orbit gebracht und funktioniert bislang problemfrei.

Sehen wir uns einmal den Startablauf der Sojus 2-1a Fregat an.

Siebzehn Sekunden vor dem Abheben zündete das Triebwerk der Block A-Erststufe sowie die Antriebseinheiten der vier Booster. Sobald der Countdown den Zeitpunkt Null erreicht hatte, schwangen die vier Arme zurück, mit denen die Rakete bis dahin über den Flammenschacht gehalten wurde, und der Träger stieg über den Himmel über Nordrussland.

118 Sekunden nach dem Verlassen der Startrampe wurden die Booster abgeworfen. 288 Sekunden nach der Zündung der Erststufentriebwerke zündete die Block I-Oberstufe. Zwei Sekunden später trennte sie sich von der Erststufe. Diese Zündung der Zweitstufe vor dem Abwurf der Erststufe weist auf das so genannte "heiße" Stufentrennungsverfahren der Sojus hin, bei der für wenige Sekunden erste und zweite Stufe gleichzeitig in Betrieb sind. Die Abgase der Oberstufe werden dabei durch eine offene Gitterstruktur zwischen erster und zweiter Stufe geleitet.

Die Block-I war danach für weitere 240 Sekunden in Betrieb und brachte die Oberstufe mit dem Raumfahrzeug auf eine orbitnahe suborbitale Trajektorie. Acht Minuten und 40 Sekunden nach dem Abheben trennte sich die Fregat von der Block I, zündete eine Minute später für einen Zeitraum von 23 Sekunden das Chimawtomatika S5.92 Triebwerk und brachte damit sich selbst und das Raumfahrzeug in einen niedrigen Parkorbit.

Danach folgte für etwas über 45 Minuten eine Zeitspanne freier Drift, bevor die Fregat ihr Triebwerk für ein zweites Brennmanöver von zehn Minuten und acht Sekunden Dauer zündete. Danach schloss sich eine zweite Driftphase von gut 80 Minuten Dauer an. Im Anschluss daran erfolgte ein drittes Brennmanöver mit einer Dauer von 35 Sekunden, mit dem das Perigäum des Orbits angehoben wurde. 30 Sekunden nach Beendigung der dritten Brennphase, um 20:59 Uhr mitteleuropäischer Zeit, trennte sich der Satellit von der Fregat.

Die Mission von Meridian-4 hatte an der legendären Startrampe 43/4 begonnen. Sie ist eine von insgesamt vier Startanlagen in Plesetzk für Varianten der R-7. Alle vier Rampen wurden in den sechziger Jahren gebaut, als die R-7 sehr hohe Startfrequenzen speziell für militärische Satelliten hatte.  Neben 43/4 sind das die Startanlagen 41/1, 16/2 und 43/3. 41/1 wurde zuletzt im Jahre 1989 genutzt ist in der Zwischenzeit demontiert. Rampe 16/2 wird heute für die Starts der Sojus U verwendet und wurde bis zum letzten Jahr auch für die inzwischen außer Dienst gestellten Molnija-Trägerrakete verwendet. Der Status von Rampe 43/3 ist unbekannt. Diese Anlage wurde zuletzt 2002 verwendet und ist offenbar eingemottet.

Der erste Start von der Rampe 43/4 erfolgte am 25. Juli 1967. Damals erfolgte von dort einer der letzten Testflüge einer militärische R-7 Interkontinentalrakete. Danach kamen von hier aus viele R-7 Satellitenträgervarianten zum Einsatz: Die Woschod, die Molnija-M, die Wostok-2M und die die Sojus U. Am 18. März 1980 ereignete sich ein verheerender Unfall, als eine Wostok 2M (mit einem Tselina-Spionagesatelliten an Bord) während der Betankung vor dem Start explodierte. Dabei kamen 48 Menschen ums Leben. Die Startanlage wurde so schwer verwüstet, dass es drei Jahre dauerte, sie wieder in Stand zu setzen.  Nach dem Unfall war die Anlage dann bis 2001 in Betrieb. Danach wurde sie vollständig umgebaut und für die Sojus 2 modifiziert. Der erste Start einer Trägerrakete dieses Typs fand im Jahre 2004 statt. Der Start von Meridian-4 war der sechste Start einer Sojus 2 von der Rampe 43/4. Das sind gleichzeitig auch alle, die bislang von Plesetzk aus erfolgt sind.

Bilder oben: Wie ein UFO wirkt die hunderte von Kilometern entfernt startende Sojus 2-1a Trägerrakete von der Stadt Ekaterinburg aus. Die in der oberen Atmosphäre kristallisiernden Treibstoffabgase leuchten in der untergehenden Sonne. Credit: EKAMAG