Fünftletzte Shuttle-Mission beginnt

Closeout Whiteromm; Credit: NASA Im zweiten Anlauf klappte es. Nach einer wetterbedingten Verzögerung von einem Tag startete Space Shuttle Endeavour mit ihrer sechsköpfigen Crew um 10:14 Uhr mitteleuropäischer Zeit zur Internationalen Raumstation. Es ist dies der fünftletzte Flug einer US-Raumfähre. Nach der Mission STS 133 (die erst nach der Mission STS 134 kommen wird) mit der Raumfähre Discovery wird das Shuttle-Programm im kommenden Winter nach knapp dreißigjähriger Dauer eingestellt.

Kommandant der Mission STS 130 ist der 47-jährige George Zamka, der erst seinen zweiten Raumflug durchführt. Seine erste Mission absolvierte er mit STS-120 unter dem Kommando von Pamela Melroy. Als Pllot fungiert der 42-jährige Terry Vits, der seinen ersten Flug unternimmt. Als Missionsspezialisten sind die 50-jährige Kathrine Hire auf ihrer zweiten Mission dabei, der 54-jährige Steve Robinson auf seinem vierten Flug, der 45-jährige Nickolas Patrick mit der zweiten Mission und der 39-jähre Bob Behnken, der ebenfalls seinen zweiten Raumflug unternimmt.

Am Tag vor dem Start; Credit: Spaceflightnow, Stephen Clark Die Endeavour bringt zwei weitere größere Bauteile zur ISS: Das Verbindungsmodul Nummer drei, das den Namen Tranquillity trägt (die anderen beiden sind Unity und Harmony). Tranquillity ist knapp sieben Meter lang, hat einen Durchmesser von 4,5 Mieter, und ein Gewicht beim Start von 15.500 Kilogramm. Das zweite Bauteil ist die Cupola, eine Art Aussichtsplattform für die Raumstation. Die Cupola verfügt über sechs seitlich angebrachte Fenster sowie über ein größeres 80 Zentimeter durchmessendes Fenster auf dem „Dach“ und wird somit eine grandiose Rundumsicht bieten. Sie ist eine Art "Wintergarten" im Weltraum. Die Fenster können zum Schutz vor Mikrometeoriten und Weltraumschrott mit speziellen Verschlüssen abgeschottet werden. Die Cupola hat einen Durchmesser von knapp drei Metern und wiegt ungefähr zwei Tonnen.

Mit dieser Mission kommt das Ende für ein zumindest teilweise wieder verwendbares Raumfahrtsystem näher. Zum Thema Wiederverwendbarkeit nur ein kleines Beispiel aus der heutigen Mission. Alle elf Segmente die in jedem der beiden Boostermotoren verwendet wurden, waren bereits bei mindestens einem vorherigen Flug in Einsatz gewesen. Das obere Segment des rechten Boosters beispielsweise flog bereits bei der Mission STS 3 im Jahre 1982. Alles in allem wurden die Teile der heute eingesetzten Booster bei insgesamt 64 Shuttle-Flügen und 14 Bodentests verwendet.

Der Flug findet in einer Phase großer Unsicherheit bei der NASA statt. Denn nicht nur das Shuttle-Programm wird beendet, vor wenigen Tagen wurde auch bekannt, dass Präsident Obama auch das Nachfolgevorhaben stornieren wird, das Constellation-Projekt.

Für die Besatzungen der vier jetzt noch ausstehenden vier Shuttle-Missionen könnte das nicht ungefährlich sein, denn Obamas Federstrich hat verheerende Auswirkungen auf die Moral der Techniker und Ingenieure am Kennedy Space Center. Viele stehen jetzt vor der Entlassung. Dazu ein Beispiel aus der jüngeren Raumfahrtgeschichte: Nachdem bekannt wurde, dass das Titan IV-Programm der US-Luftwaffe eingestellt wird, kam es in den Jahren 1998 und 1999 zu drei Fehlschlägen in Folge. Der Schaden ging in die Milliarden. Die Untersuchungskommission identifizierte damals die demoralisierte Arbeiterschaft als ursächlichen Auslöser der Abstürze. Die Besten hatten das Team bereits verlassen, ein Teil der Belegschaft sah sich nach anderen Jobs um, und der verbliebene Rest war ohne Motivation.

Endeavour soll am Mittwoch gegen 7:00 Uhr morgens mitteleuropäischer Zeit an der Internationalen Raumstation anlegen.

Astra