Dnepr startet sechs Kleinsatelliten

Modell Dubaisat; Credit: Gulfnews Russland brachte am 29. Juli mit einer konvertierten Interkontinentalrakete des Typs Dnepr sechs Kleinsatelliten aus mehreren Nationen erfolgreich in eine polare Umlaufbahn. Die Orbithöhe der Satelliten beträgt zwischen 630 und 680 Kilometer, die Bahnneigung zum Äquator 98 Grad. Die dreistufige Dnepr startete um 20:46 Uhr mitteleuropäischer Zeit (0:46 Uhr Ortszeit am 30. Juli) aus einem Silo des Kosmodroms Baikonur.

 Start Dnepr mit Dubaisat; Credit: Federalspace
 Dubaisat; Credit: Federalspace
 Desaster Monitoring Satellites von Surrey; Credit: BBC

Das Startverfahren ist für zivile Nutzer dieses Trägers immer wieder befremdlich. Die russischen Designer bezeichnen diese Methode als das "gasdynamische Startverfahren" oder "Kaltstart". Nichts wäre weniger falsch als die letztere Bezeichnung. Die Rakete wird nämlich mittels einer Art riesiger Mörser-Kartusche gleichsam aus dem Silo herausgeschossen. In einer Höhe von etwa 10 Metern über dem Boden wird die Kartusche abgesprengt und die  erste Stufe zündet. Die Bezeichnung der Rakete bei den russischen Streitkräften - wo sie nach wie vor im Einsatz ist - lautet RS-20, die Nato-Bezeichnung SS-18. Sie ist die mit Abstand leistungsfähigste Interkontinentalrakete der Welt. Zu den "besten Zeiten" des kalten Krieges trug diese Rakete im Westen den bezeichnenden Beinamen "Satan". Die SS-18 wurde dafür konzipiert die Vereinigten Staaten über die Südroute - also über den Südpol - anzufliegen und damit  die Vorwarnzeiten drastisch zu reduzieren.

Wenige Minuten nach dem Liftoff wurden die sechs Satelliten freigegeben. Es war dies der 13. Einsatz einer Dnepr als ziviler Satellitenträger.

Zwei der Satelliten, UK-DMC2 und Deimos-1, wurden von Surrey Satellite Technology Ltd. (SSTL) in England als Bestandteil der internationalen Disaster Monitoring Konstellation mit der Kurzbezeichnung DMC gebaut, einem Netzwerk von Erdbeobachtungssatelliten mit Kameras von mittlerem Auflösungsvermögen. Die beiden Satelliten wiegen jeweils etwa 100 Kilogramm. Sie können auf der Erdoberfläche noch Objekte bis zu einer Größe von 25 Metern erkennen. Im DMC-Netzwerk gibt es derzeit noch vier weitere Satelliten, die von Großbritannien, Nigeria, Algerien und China zur Verfügung gestellt wurden. Zwei weitere nigerianische Satelliten (die ebenfalls von SSTL gebaut werden), werden die Konstellation im nächsten Jahr erweitern.

Mit an Bord war auch der erste Satellit der Vereinigten Arabischen Emirate mit der Bezeichnung Dubaisat-1. Dieses Raumfahrzeug wiegt 190 Kilogramm, ist so groß wie eine Waschmaschine und wird von der  "Emirates Institution for Advanced Science and Technology" betrieben. Gebaut wurde der Satellit von der Satrec Initiative, einem koreanischen Unternehmen. Auch dieses Raumfahrzeug ist ein Erdbeobachtungssatellit, allerdings mit einem Auflösungsvermögen von ca. 2,5 Metern im Schwarz-Weiß Bereich und 5 Metern bei Farbaufnahmen.

Die Nutzlasten vier und fünf sind jeweils 12 Kilogramm schwer und gehören dem amerikanischen Unternehmen Aprize Satellite. Mit diesen Mini-Raumfahrzeugen wird ein Kommunikations-Spezialdienst für Unternehmen angeboten, die Schiffe, Flugzeuge oder Fahrzeuge in sehr abgelegenen Gegenden betreiben.Ebenfalls nur wenige Kilogramm wiegt die sechste Nutzlast, der spanische "Nanosat 1B", der als Technologieträger für verschiedene Raumfahrtanwendungen dient.

Astra