Aufstieg mit Adrenalin

Crew am Astrovan; Credit: NASA Schrecksekunde 10 Sekunden nach dem Abheben. Anstatt des erwarteten "Houston, Roll Programm" war deutlich ein Alarm zu hören, in dem sich Scott Altmann, Commander der Mission STS 125 mit den Worten meldete: "Houston, Atlantis, roll program with the FCS channel." Ein Druckregler im Treibstoffsystem eines der drei Triebwerke war im Moment des Abhebens ausgefallen. Das Problem zeigte sich dann glücklicherweise auf dieses Gerät isoliert. Das Triebwerk selbst schien gar nicht betroffen zu sein.

 Commander Altman; Credit: NASA
 Megan McArthur; Credit: NASA
 Start der Atlantis; Credit: NASA

Wäre das der Fall gewesen, hätte sich die Situation schnell zuspitzen können. Der Ausfall eines Triebwerks in der Startphase führt automatisch zu Einleitung eines "Return to Launch Site" (RTLS)- Aborts. Ein Abbruchmodus, bei dem der Shuttle erst den Brennschluss der beiden Feststoffbooster abwarten und dann in einem parforce-Ritt jenseits der zulässigen Strukturbelastungen des Shuttle den Rückflug zum Cape antreten muss. Über die Durchführbarkeit dieses Manövers meinte der ehemalige Chefastronaut der NASA einmal: „Damit ein RTLS-Abort gelingt braucht es eine fortwährende Abfolge von Wundern, die zusätzlich in regelmäßigen Abständen durch direkte göttliche Eingriffe unterstützt werden müssen“.

Gleich darauf kam es in einer elektrischen Komponente der aerodynamischen Steuerflächen des Shuttles (die während eines normalen Aufstiegs nicht benötigt weden) dreimal zu starken Spannungsschwankungen, so genannten Transienten. Im Fall eines Fluggabbruchs in der Startphase, bei einem RTLS oder einem Flugabbruch der zu einem der Notlandeplätze in Europa geführt hätte, hätte das zu Problemen geführt.

In beiden Fällen griffen aber die mehrfach vorhandenen Reservesysteme, und die Bodenkontrolle informierte die Flugmannschaft umgehend, dass „no action required“ sei. Die Warnungen könnten ignoriert werden. Und der Aufstieg in den Orbit verlief, trotz der Warnanzeigen, weiterhin wie vorgesehen.

Alle auf der sicheren Seite also. Trotzdem sorgten die Vorfälle für viel zusätzliches Adrenalin.

Schon der Countdown war das, was in der Pressekonferenz nach dem erfolgreichen Liftoff von Startdirektor Mark Linebach als „Challenging“ bezeichnet worden war. Es gab eine ganze Reihe von "issues", die den normalen Ablauf des Countdown immer wieder in Frage stellten, so sein Kommentar.

Erst waren die Treibstoffleitungen stärker vereist als normal (ein wenig vereisen sie immer), dann baute sich einige Kilometer vom Startort entfernt eine Wolkenbank auf, und schließlich begann es am Notlandeplatz Moron zu regnen.

All das aber klärte sich schließlich und der Liftoff erfolgte genau zum vorgesehenen Zeitpunkt, um 20:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

Die letzte Wartungsmission zum Hubble-Weltraumteleskop kann beginnen. Geht alles glatt, dann erhält das berühmte Instrument eine zusätzliche Lebensdauer von vier bis sechs Jahren.

Astra