08.02.2008
- Columbus setzt Segel
Mit zwei Monaten Verzögerung begann
gestern Abend Columbus wieder eine Reise zu neuen
Welten. Diesmal nicht
als Kapitän der Santa Maria wie seinerzeit im Jahre 1492, sondern als
Nutzlast an Bord der amerikanischen Raumfähre Atlantis.
Die Besatzung
bilden sieben Astronauten, davon zwei aus Europa.
Atlantis and seine STS-122-Crew
machten sich
diesmal auch nicht von Europa aus in Richtung Westen auf den Weg,
sondern von der amerikanischen Ostküste in Richtung Nordost, in eine
Bahn, die um 51 Grad zum Äquator geneigt ist. Auf dieser Bahn bewegt
sich die Internationale Raumstation.
Der Start erfolgte um 20:45 Uhr mitteleuropäischer
Zeit. Die Mission ist vorläufig auf elf Tage angesetzt, kann aber auch
um einige Tage verlängert werden wenn es die Vorräte an Bord der Fähre
zulassen. In der Nutzlastbucht der Atlantis
befindet sich das
europäische Forschungsmodul Columbus, das permanent
mit der ISS
verbunden werden soll.
Das Kommando über die Colombus-Mission
hat
NASA-Astronaut Steven Frick. Sein Stellvertreter ist Shuttle-Pilot Alan
Poindexter. Mit an Bord befinden sich noch die
NASA- Missionsspezialisten Rex Walheim, Stanley Love und Leland Melvin
und zwei Astronauten der ESA: der deutsche Missionsspezialist
Hans Schlegel und der Franzose Leopold Eyharts. Die beiden Europäer
werden ihren Aufgabenschwerpunkt bei der Installation des neuen
Weltraumlabors haben. Anschließend wird Eyhardts Dan Tani als
Langzeitmitglied der ISS ablösen. Tani fliegt nach vier Monaten
Aufenthalt auf der ISS mit der STS 122-Crew wieder zur Erde zurück.
Die Atlantis soll am Samstag an
der Station anlegen.
Für Poindexter, Love und Melvin ist die
Columbus-Mission der erste Flug in den
Weltraum. Alle anderen
Besatzungsmitglieder gehen zum zweiten Mal in den Orbit. Mit Ausnahme
von Eyhardts flogen dabei alle mit dem Shuttle. Eyhardts startete vor
fast auf den Tag genau zehn Jahren Jahren mit einer Sojus
für 20 Tage zur
russischen Raumstation Mir.
Insgesamt ist die STS-122-Crew eine der
unerfahrensten Besatzungen, die jemals in den Weltraum flog. Die Gründe
für dieses Vorgehen liegen auf der Hand: Es wird nur noch eine sehr
begrenzte Zahl von Shuttle-Missionen geben, bis das Programm
eingestellt wird. Bis dahin will die NASA noch so vielen Astronauten
wie möglich Flugerfahrung auf den Weg geben. Frick sagte dazu: "Auf
meiner letzten Mission unternahm ein Besatzungsmitglied seinen siebten
Raumflug. Er alleine hatte damals also fast doppelt so viele Flüge auf
dem Konto wie diesmal meine komplette Besatzung".
Nur wenige Stunden vor dem Start der Atlantis
hatte das unbemannte
russische Versorgungsraumschiff Progress M 63 an
der Station angelegt.
Die Mission war seit Anfang Dezember mehrmals
verschoben worden, nachdem es zu anhaltenden Problemen mit den so
genannten ECO-Sensoren gekommen war (Engine Cut-Off Sensors). Bei zwei
Startversuchen im Dezember versagten die Sensoren jedes Mal. Die
Sensoren dienen als Reservesystem für die Füllstand-Anzeige des
Wasserstofftanks. Ihre Aufgabe ist es, beim Versagen des Primären
Schutzsystems eine Nachricht an die Triebwerkskontrolleinheit zu
senden, damit diese die Triebwerke abschaltet, wenn der Treibstoffstand
eine gewisse Marke unterschreitet. Dadurch soll die Vernichtung der
Triebwerke (und in der Folge des Shuttle) verhindert werden, wenn die
Pumpen ohne durchlaufenden Treibstoff zu kavitieren beginnen.
Die Ingenieure entdeckten bei der Fehlersuche eine
schadhafte elektrische Verbindung am Boden des Treibstofftanks. Sie
ersetzten die schadhafte Einheit mit einem modifzierten Design. Diesmal
funktionierten die Sensoren problemlos obwohl sie (wie bei noch keiner
Shuttle-Mission davor), genauso wie das Primärsystem auch dieses Mal
nicht benötigt wurden.
Mit dem Start am gestrigen Donnerstag begann die
121. Shuttle-Mission der NASA und die insgesamt 24. die zur
Internationalen Raumstation führt. Es ist außerdem der 29.
Start der Atlantis. Die nächste Mission dieses Shuttle wird im
Spätsommer stattfinden, wenn zum letzten Mal eine Reparaturmannschaft
zum Hubble Space Teleskope aufbricht.
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