14.12.2007
Kanadischer Radarsatellit gestartet
Ein
kanadischer Erdbeobachtungssatellit der nächsten Generation startete am
Freitagmorgen vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur aus erfolgreich
in den Orbit. Das Raumfahrzeug wird die weltweit genauesten kommerziell
erhältlichen Radarbilder liefern.
Radarsat 2, der
aufgrund einer endlosen Reihe technischer Probleme mehr als sechs Jahre
hinter dem ursprünglichen Zeitplan hinterherhinkt, wird Bilder
produzieren, deren Auflösung dreimal so hoch ist wie die seines
langsam in die Jahre kommenden Vorgängers.
Radarsat 1 wurde 1995
gestartet und war für eine Lebensdauer von fünf Jahren ausgelegt. Trotz
seiner inzwischen 12 Einsatzjahre ist er noch voll funktionsfähig und
liefert Radarbilder mit einem Auflösungsvermögen von zehn Metern zur
Erde. Obwoohl Radarsat 1 ist nach wie vor in guter
Verfassung ist, wird
erst mit dem zweiten Radarsat der Service für die kommerziellen,
zivilien und
militärischen Nutzer für die kommenden Jahre sichergestellt.
Die
kanadische Raumfahrtagentur steuerte 450 Millionen Kanadische Dollar
zum Vorhaben bei. Das Projekt wird von McDonald Dettwiler and
Associates Ltd., kurz MDA, gemanagt. MDA stellte auch die
restlichen
Mittel für die Entwicklung und den Betrieb des Raumfahrzeuges zur
Verfügung.
Ursprünglich
war der Start von Radarsat 2 bereits im
Jahre 2001 geplant, aber Entwicklungsschwierigkeiten bei den
Subsystemen und eine Änderung des Anbieters für den Start verzögerten
die Mission immer weiter. Ursprünglich sollte Radarsat 2
mit einer
amerikanischen Delta 2 in den Orbit gebracht
werden, aber Probleme mit
den amerikanischen Ausfuhrgesetzen und Interface-Probleme mit der Delta
verhinderten das.
Im Januar letzten Jahres unterzeichneten die
kanadischen Offiziellen ein Abkommen mit dem russisch-eurpäischen
Unternehmen Starsem für die Durchführung des
Starts. Die lange
Wartezeit für Radarsat 2 endete schließlich am
Freitag um 14:17 Uhr
mitteleuropäischer Zeit, oder 18:17 Uhr zentralkasachischer Zeit. Das
war der Zeitpunkt an dem die Sojus FG Fregat
schließlich zündete und in
den bereits nächtlichen Himmel über Baikonur stieg.
Die beiden
Unterstufen der Sojus brachten die Kombination aus Fregat
und Satellit
neun Minuten nach dem Liftoff zunächst in eine suborbitale Bahn. Danach
erfolgte sofort eine Zündung der Fregat, um einen
niedrigen
Übergangsorbit zu erreichen.
Dreißig Minuten später zündete die
Fregat erneut, um den angestrebten polaren
Orbit in einer Kreisbahn von
800 Kilometern mit einer leicht retrograden Bahnneigung von 98,6 Grad
zu erreichen.
Die Trennung des 2.200 Kilogramm schweren
Satelliten von der Oberstufe erfolgte schließlich 53 Minuten nach dem
Verlassen der Startrampe. Danach begann der komplexe Entfaltvorgang der
Solargeneratoren und Antennen. Herzstück der Mission ist die mehr als
20 Meter lange und mit 512 Transmittern bestückte steuerbare
Radarantenne.
Satellitengestützte Radarsysteme wie das von
Radarsat 2 sind in der Lage, auch bei
Dunkelheit und Bewölkung Bilder
von Bodenstrukturen zu gewinnen, ein entscheidender Vorteil gegenüber
optischen Sensoren, die nur bei Tageslicht und gutem Wetter eingesetzt
werden können.
Die Test- und Indienststellungsphase wird nun
etwa drei Monate dauern, bevor Radarsat 2 Anfang
nächsten Jahres
einsatzbereit sein wird.
Die Bilder von Radarsat 2 werden
kommerziell verwertet und an private und staatliche Nutzer weltweit
verkauft. Die US-Firma EMS Technologies war zuständig für die
Radarantenne und das Elektroniksystem. Thales Alenia Space baute den
Bus des Raumfahrzeugs in Europa.
Der tägliche Betrieb von
Radarsat 2 wird von Telesat Canada durchgeführt, ein in Ottawa
ansässiger Telekummunikationsdienstleister. Radarsat 2 der erste
Erdbeobachtungssatellit sein, den die Firma betreibt. Bislang arbeitete
die Firma nur mit Kommunikationssatelliten.
Radarsat 2 ist für
eine Einsatzdauer von sieben Jahren ausgelegt. Der Satellit ist in der
Lage, Details mit einer Größe von nur drei Metern auf der Erdoberfläche
aufzulösen.
Eine entscheidende Verbesserung gegenüber
Radarsat 1 besteht darin, dass die Radarantenne nach links und rechts
entlang der Flugbahn gesteuert werden kann. Dadurch kann ein 300
Kilometer breiter Geländestreifen erfasst werden. Dieses vergrößerte
Aufnahmefeld hat auch schnellere Revisit-Zeiten zur Folge, ein
wichtiges Kriterium bei der Überwachung sich dynamisch entwickelnder
Ereignisse auf dem Boden, oder bei der Routenüberwachung im
Schiffsverkehr.
Vier verschiedene Polarisierungs- Varianten der
Radars ermöglichen außerdem eine bessere Unterscheidung verschiedener
Objekte auf dem Boden. Radarsat 2 hat darüber hinaus eine
wesentlich erhöhte Speicherkapazität, verkürzte Reaktionszeiten und
kann sehr schnell auf neue Ziele umprogrammiert werden.
Radarsat
2 wird für unterschiedlichste Zwecke eingesetzt, von der
Ernteüberwachung, über Umweltaufgaben, Geländevermessung und
Kartografierung bis hin zum Desaster-Monitoring und der Überwachung des
Schiffsverkehrs in den arktischen Gewässern Kanadas.
Die nächste
Entwicklung im Radarsat Programm soll im Jahre 2012 mit dem Start von
drei identischen Satelliten als Teil einer Radarsat Constellation
Mission erfolgen. Dieses Nachfolgeprogramm hätte seinen Schwerpunkt in
der Überwachung der kanadischen Schifffahrtsrouten für militärische
Zwecke, in der Umweltbeobachtung und im
Katastrophenmanagment,
wie beispielsweise bei Waldbränden.
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